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Brandenburg Staatsanwaltschaft fordert lebenslange Haft für Jan G.
Brandenburg Staatsanwaltschaft fordert lebenslange Haft für Jan G.
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22:18 26.01.2018
Seit Oktober steht Jan G. wegen des Dreifachmordes von Müllrose vor Gericht. Quelle: dpa
Frankfurt (Oder)

Der Angeklagte im Dreifachmordprozess von Müllrose soll nach dem Willen der Staatsanwaltschaft eine lebenslange Haftstrafe erhalten. Sie ging am Freitag in ihrem überraschend gehaltenen Plädoyer vor dem Landgericht Frankfurt (Oder) in allen drei Fällen von Mord aus. Der 25-Jährige steht seit Oktober vor Gericht, weil er im Februar 2017 seine Großmutter in ihrem Wohnhaus in Müllrose (Oder-Spree) erstochen und danach auf der Flucht zwei Polizisten an einer Bundesstraße totgefahren haben soll. Das Landgericht will voraussichtlich in einer Woche das Urteil sprechen. Zuvor soll am Dienstag die Verteidigung plädieren.

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Die Staatsanwaltschaft geht von einer besonderen Schwere der Schuld aus. Das bedeutet, dass in der Regel nicht vor 15 Jahren Haft über eine Bewährung nachgedacht wird. Weiter forderte die Anklagebehörde, den Vorbehalt der Unterbringung in Sicherungsverwahrung anzuordnen. Das würde die Möglichkeit offenhalten, erst während der laufenden Haftstrafe über diese Frage zu entscheiden. Eine Sicherungsverwahrung würde heißen, dass ein Häftling auch nach 15 Jahren nicht auf freien Fuß kommt. Nach dem Willen der Staatsanwaltschaft soll der Beschuldigte auch nie mehr eine Fahrerlaubnis bekommen. Er soll am Tattag unter dem Einfluss von Drogen gestanden haben – eine Strafmilderung kommt für die Staatsanwaltschaft deshalb aber nicht infrage.

In Müllrose (Oder-Spree) ereignet sich am 28. Februar 2017 ein schreckliches Verbrechen. Dort ersticht der 24-jährige Jan G. zunächst seine Großmutter. Dann flieht er und überfährt auf der Flucht zwei Polizisten an einer Straßensperre in Beeskow, Ortsteil Oegeln.

Sie nannte die Mordmerkmale Verdeckungsabsicht in allen drei Fällen und Heimtücke bei der Tötung der Polizisten. Der Angeklagte war laut Plädoyer zunächst auf seine Großmutter losgegangen, weil die Badewanne in ihrem Wohnhaus, in dem er auch lebte, vollgestellt war und er sich darüber ärgerte. Er habe seiner Oma Honig über den Kopf geschüttet. Dann habe er vermutet, dass sie ihn bei einem späteren Telefonat mit einer Bekannten verpfiff und sei deshalb ausgerastet. Mit Fäusten, einer Porzellandose und einem Küchenstuhl habe er sie traktiert und die verletzte Frau schließlich mit einem Messer erstochen.

Der Staatsanwalt betonte, dass sich der Enkel bewusst dazu entschlossen habe, zu töten. Der Angeklagte hatte die Tatvorwürfe in der Verhandlung zugegeben. Er soll bei den Taten unter Drogeneinfluss gestanden haben.

In einem früheren Prozess galt Jan G. als schuldunfähig

Die Frage der Schuldfähigkeit ist besonders brisant, weil der Deutsche in einem früheren Raubprozess Ende 2016 vom selben Landgericht für schuldunfähig erklärt worden war.

Das Landgericht Frankfurt (Oder) ging damals auf Grundlage eines Gutachtens von einer Schizophrenie aus und ordnete zwar die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an – allerdings setzte es die Vollstreckung auf Bewährung aus. Die Staatsanwaltschaft argumentiert nun, dass sich der Angeklagte bei der Attacke auf die Rentnerin im Klaren darüber gewesen sei, dass die Bewährung dann widerrufen werden würde, wenn der Angriff auffliege. Daraufhin habe er die verletzte Frau am Boden getötet.

Auch bei den Polizisten soll er in Verdeckungsabsicht gehandelt haben. Zudem habe der Angeklagte einen „Überraschungsmoment“ genutzt, als er das Fluchtauto erst kurz vor den Beamten nach rechts von der Straße lenkte. Sie hätten dadurch keine Zeit mehr für eine Reaktion gehabt. Daher geht die Anklage auch von Heimtücke aus.

Die Behörde ist sich sicher, dass der Unfall an der Bundesstraße 168 bei Beeskow vermeidbar gewesen wäre. Die Beamten sollten damals eine Kontrollstelle einrichten, um den Flüchtenden zu stoppen. Der Deutsche hatte im Prozess die Tatvorwürfe an sich zugegeben. In früheren Vernehmungen hatte er laut Ankläger allerdings angegeben, das Auto von der Straße gelenkt zu haben, um einem ausgelegten Nagelbrett auszuweichen. Die Staatsanwaltschaft ist jedoch überzeugt, dass es zu dem Zeitpunkt noch nicht auf der Straße lag. Er sei bewusst auf die Polizisten zugefahren.

Die Staatsanwaltschaft stützt sich auf ein Unfall-Gutachten der Prüfgesellschaft Dekra. Ebenfalls folgte sie mit ihrem Plädoyer auch der Einschätzung eines Professors für forensische Psychiatrie. Dieser hatte als Sachverständiger im Prozess gesagt, dass der 25-Jährige, anders als früher von anderen Ärzten attestiert, nicht schizophren und daher auch schuldfähig sei. Rechtsanwalt Dennis Matthies, der die Witwe eines der getöteten Polizisten vertritt, folgte den Forderungen der Staatsanwaltschaft. Deutliche Worte richtete der Nebenkläger im Namen seiner Mandantin an den Angeklagten: „Es war eine unerträgliche Nummer, die Sie hier im Verfahren abgezogen haben. Peinlich, selbstherrlich, ständig auf Beleidigungen aus. Es geht Ihnen immer nur um sich selbst.“ Bei dem Angriff auf die Polizisten habe es auch noch das Mordmerkmal der niedrigen Beweggründe gegeben, ergänzte er.

Von Anna Ringle

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