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Brandenburg Duell der Königinnen
Brandenburg Duell der Königinnen
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18:03 22.02.2016
Alrun Herbing (l.) als Maria Stuart, Anita Iselin als Elisabeth. Quelle: RASCHE
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Senftenberg

Die Weltliteratur strotzt nicht eben vor großen Frauen-Rollen; da nimmt sich Schillers „Maria Stuart“ geradezu verschwenderisch aus. Wir haben in der Titelpartie die anmutige Maria, Königin von Schottland, Katholikin, seit Jahren unter Arrest gesetzt von ihrer königlichen Schwester, Elisabeth von England, der Protestantin. Umsturzbestrebungen gegen Elisabeth wirft man ihr vor; papistische Gefolgsmänner trachten in großer Zahl, Maria zu befreien. Ein letzter von ihnen, der entflammte Jüngling Mortimer, wird in Schillers Tragödie noch sein Glück versuchen.

Herrscherinnen in scharfzüngigem Wortgefecht

Maria, das ist die Leidenspartie, eine aufrechte, im Untergang zur Größe wachsende Dulderin. Neben ihr – in der heimlichen Hauptrolle des Stücks – hadert Elisabeth mit ihrem Schicksal als moderner Herrscherin, zwischen absolutem Machtanspruch und Kompromissen mit dem Parlament. „Der ist nicht König, der der Welt gefallen muss“, sagt sie. Elisabeth ist die ideell gefesselte Königin, die Meuchelmörder anstiftet und doch im Finale zaudert, das Todesurteil über Maria zu unterzeichnen. Eine Königin, die im großen – von Schiller frei erfundenen – Aufeinandertreffen mit ihrer jüngeren Widersacherin ihre Contenance verliert und alle aufgestaute Wut in giftige Spitzen gießt. Ein scharfzüngiges Gefecht ist das, ein Bühnenklassiker.

Maria im Büßergewand, Elisabeth im übergroßen Königsmantel

In Senftenberg wird dieses Duell der Königinnen mit großer Klarheit entworfen: Alrun Herbing im grauen Büßergewand behauptet ihre Maria mit hoher Stirn. Ihr Kerker ist ein Schaukasten hinter Glas. Mit gelben Waben ausgeschlagen, in die sich geheime Briefe wie Hornissen einnisten. Anita Iselin im kolossal überdimensionierten Königsmantel lässt ihre Elisabeth anfangs trocken und wohltuend selbstironisch den Hofstaat dirigieren und schrumpft sie dann zum Gnom der Macht, der im Finale selbst miese Briefhändel initiiert.

Einst gab es Theater in der Turnhalle

Die Neue Bühne Senftenberg wurde am 21. Oktober 1946 als Stadttheater Senftenberg in der Aula/Turnhalle der Walther-Rathenau-Schule gegründet.

In der DDR als Dreispartentheater aufgebaut (mit Ballett und Orchester), ist sie seit 1993 ein reines Schauspielhaus.

Die Hauptspielstätte fasst 300 Plätze, im Sommer wird das Amphitheater am Senftenberger See als Open Air Spielstätte mit 600 Plätzen genutzt.

Das Drama „Maria Stuart“ von Friedrich Schiller kam im Jahr 1800 am Weimarer Hoftheater zur Uraufführung.

Es ist die 70. Spielzeit des Theaters Senftenberg (Oberspreewald-Lausitz) seit Gründung 1946. Unter Sewan Latchinian (2004 bis 2014) hat sich das Haus den Ruf erarbeitet, eine Perle der Provinz zu sein. Latchinian wechselte nach Rostock und steht dort inzwischen vor dem Aus, zermürbt von Kämpfen mit der Politik, die das Rostocker Vier-Spartenhaus zum Opernhaus zusammenkürzen will. Senftenberg ist seit 1993 ein reines Schauspielhaus. Neuintendant Manuel Soubeyrand – wie Latchinian in den 80ern und 90ern Schauspieler in Berlin war – ist seit 2014 am Ruder – und hält Kurs.

Unaufdringlich in Szene gesetzt

Verena Nagels Inszenierung der „Maria Stuart“ knüpft an die unaufdringliche, brave Direktheit an, die man aus Senftenberg kennt. Ihren Ausstatter Andreas Hartmann hat sie nicht zurückgepfiffen, als er anfing, sich in Blümchenkostümen mit ausgesucht unpassenden Rottönen auszuleben, so als sei der elisabethanische Hofstaat von Großmutters Kaffeetafel aufgesprungen. Abseits der Ausstattungsmarotten verzichtet die Regisseurin auf modernisierende oder gar kühn deutende Mittel. Sie setzt ganz auf gepflegte Sprechkultur, was viel wert ist. Nur manchmal fahren die Figuren abrupt und lautstark aus ihrer Haut, als gelte es, ein ganzes Amphitheater zu füllen – tatsächlich fasst die intime Senftenberger Hauptbühne rund 300 Plätze. Im Ganzen aber hält die Inszenierung ihren Schiller mit Reserviertheit und Ernst hoch. Wer eine Erstbegegnung mit „Maria Stuart“ sucht, ist hier allemal gut aufgehoben.

Nächste Vorstellungen: 4. und 20. März, 19.30 und 16 Uhr.

Von Christian Rakow

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