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EU-Militär übt in Geltow Afrika-Einsatz

Strategie-Planspiel EU-Militär übt in Geltow Afrika-Einsatz

Geltow bei Potsdam nimmt eine Sonderposition unter den Militärstandorten in Deutschland ein. Aus der Henning-von-Tresckow-Kaserne werden die Auslandseinsätze der Bundeswehr geführt. Und jetzt ist für vier Wochen eine der Kommandozentralen der EU-Truppen zu Gast.

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Hauptquartiers-Sprecher Harald Kammerbauer,

Quelle: FOTO: UW

Potsdam. Die Henning-von-Tresckow-Kaserne in Geltow bei Potsdam beherbergt bis kommende Woche eine Schaltzentrale für Militäreinsätze der Europäischen Union (EU). Ein Team von 150 meist hochrangigen Soldaten aus 16 Mitgliedsländern probt dort hinter Stacheldraht und Sicherheitsschleusen den Ernstfall. Und der sieht laut Planspiel so aus: Ein afrikanischer Staat muss nach Abflauen eines 30 Jahre währenden Bürgerkriegs stabilisiert werden. Das temporäre Hauptquartier in Geltow erarbeitet einen Einsatzplan und übergibt ihn der EU-Spitze.

Bei EU und Nato ist Geltow ein Begriff

Zwar fällt die Übung in die Kategorie Planspiele am grünen Tisch, doch unterstreicht die vierwöchige Aktion die herausragende Bedeutung, die der Standort Geltow – geografiewidrig meist unter Potsdam verbucht – mittlerweile einnimmt. „Ob bei NATO oder EU, jeder kennt Potsdam“, sagt Harald Kammerbauer, Sprecher für das Einsatz-Hauptquartier.

Tatsächlich gibt es europaweit nur wenige Orte, an denen im Krisenfall die vereinten europäischen Truppen ihr Hauptquartier aufschlagen: Northwood bei London, Mont Valérien bei Paris, Larisa auf dem griechischen Festland und eben Potsdam/Geltow. Anders als bei der Nato hält die EU aus Kostengründen keine festen Hauptquartiere vor. Nur Deutschland leistet sich einen festen Stab, der in Ulm stationiert ist, im Krisenfall aber zeitweilig ins Märkische umzieht – in diesem Fall: für die Dauer der Übung „Multi Layer“ (auf Deutsch: vielschichtig). Man hört oft Schwäbisch dieser Tage in Geltow.

Paris, Rom, London, Potsdam

Paris etwa befehligt derzeit die EU-Flotte, die am Horn von Afrika Piraten jagt (Aktion Atalanta) und eine 550-Mann-Truppe im terrorgeplagten Mali. Von Geltow aus wurde bislang ein realer EU-Einsatz geleitet: Die Sicherung der Wahlen in der Demokratischen Republik Kongo 2006. Ein ganzer Gebäudekomplex, eine Hochsicherheitszone, in die kein Journalist darf, und ein Konferenzzentrum in einem umgebauten Kino hält man ständig in Geltow vor – auch wenn die Büros und Beratungsräume mit ihren riesigen Bildschirmen oft leer stehen.

Von Preußens Militärstadt zu EU-Hauptquartier

Was am Potsdamer Stadtrand vor sich geht, ist tatsächlich ein Stück europäischer Geschichte: Die Stadt, in der Kaiser Wilhelm II 1914 den Kriegszustand über Deutschland verhängte, ist heute ein wichtiger Pfeiler für das Zusammenwachsen der europäischen Armeen geworden. Seit 2001 erst gibt es die militärische Komponente der EU, denn eigentlich war die Union jahrzehntelang ein Wirtschafts- und Handelsverbund. Die EU-Truppenreserve von bis zu 60 000 Mann ist eine Antwort auf die Ohnmacht der EU-Staaten im jugoslawischen Bürgerkrieg, der den Militärs und Politikern die Abhängigkeit vom US-Militär vor Augen führte.

Einsatzführungskommando neben EU-Kommandozentrale

Geltow entwickelt sich immer mehr zum Dreh- und Angelpunkt deutscher Militäreinsätze. Seit 2001 werden von dort aus alle Missionen der Bundeswehr geführt – zum Beispiel die Truppenpräsenz in Afghanistan. Dazu ist in einem eigenen Sicherheitsbereich innerhalb des umzäunten und bestreiften Kasernengeländes das Einsatzführungskommando untergebracht. Allerdings ist das Einsatzführungskommando allein dafür verantwortlich, deutsche Truppen an die Krisenherde der Welt zu schicken. Im Unterschied dazu stünde das temporäre EU-Missions-Hauptquartier ein paar hundert Meter weiter ganz oben in der Befehlskette einer multinationalen Truppe.

Die Nähe zum Regierungssitz in Berlin ist entscheidend

„Geltow ist ideal gelegen – vom Flughafen Tegel ist man in einer Stunde da“, sagt Headquarter-Sprecher Kammerbauer. Das abgelegene Gelände sei gut zu bewachen, die Nähe zu Parlament und Regierungssitz – denn beide wollen im Krisenfall im Bilde sein – spreche ebenfalls für die Kaserne. Die hat im Übrigen Hitler bauen lassen als Hauptquartier für seine Luftwaffengeneräle. Riesige Bunkeranlagen boten Schutz. Seit 1992 ist sie nach Henning von Tresckow benannt, einem der führenden Köpfe des Widerstands gegen Hitler. Eine weitere zentrale Einrichtung macht Geltow zu einem ganz besonderen deutschen Militärstandort: Der Wald der Erinnerung, ein Gedenkort für die mehr als 100 im Dienst getöteten Bundeswehrsoldaten.

Von Ulrich Wangemann

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