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Brandenburg Ärztemangel: So lockt die Eberswalder Klinik junge Mediziner aufs Land
Brandenburg Ärztemangel: So lockt die Eberswalder Klinik junge Mediziner aufs Land
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00:18 15.01.2019
. Quelle: Julian Stähle
Eberswalde

Als Sarah Schill in den Norden zog, um Medizin zu studieren, sehnte sie sich schon bald nach ihrer Heimat Brandenburg. „Mit Kiel bin ich nie so richtig warm geworden“, sagt sie. Durch einen Zufall erfuhr sie während eines Klinikpraktikums von einem Stipendium, das der Klinikverbund GLG im Barnim anbietet. Die Brandenburgerin bewarb sich, packte nach dem Grundstudium ihre Koffer und begann ihre Facharztausbildung am Werner-Forßmann-Krankenhaus in Eberswalde. Sie tauschte die Großstadt gegen die Schorfheide, das Universitätsklinikum gegen ein familiäres Krankenhaus auf dem Land.

Sarah Schill steht kurz vor ihrer Facharztprüfung als Augenärztin. Quelle: Julian Stähle

Die 30-Jährige gehört damit zu einer Gruppe junger Ärzte, die sich dazu entschieden hat, auf dem Land zu praktizieren. Wie ihre Stipendiatskollegen ist die angehende Augenärztin, die kurz vor ihrem Facharztabschluss steht, dafür einen Pakt mit dem Klinikunternehmen GLG eingegangen, das unter anderem Krankenhäuser in Eberswalde (Barnim), Prenzlau und Angermünde (Uckermark) betreibt. Ausgewählte Studenten wie sie erhalten 300 bis 500 Euro im Monat, wenn sich sich verpflichten, danach für mindestens drei Jahre in einem GLG-Haus zu arbeiten. „Für mich bedeutete das Stipendium damals ein stückweit finanzielle Sicherheit“, sagt Schill, die heute als angehende Augenärztin kurz vor ihrer Facharztprüfung steht.

Geld allein reicht für viele Mediziner nicht als Anreiz

Das Klinikunternehmen reagiert mit seinem Stipendium auf ein Problem, das die Gesundheitsbranche flächendeckend herausfordert. So werden in Brandenburg nicht nur die Patienten, sondern auch ihre Ärzte immer älter. In den kommenden Jahren wird erwartet, dass besonders viele Haus- und Fachärzte in den Ruhestand gehen. Die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg (KVBB) bietet zwar eine Reihe von Fördermöglichkeiten an, um auf das Problem zu reagieren. Wer sich in Brandenburg niederlässt, wird in ausgewiesenen Regionen mit Zuschüssen von bis zu 50.000 Euro gefördert. Doch das Geld ist für viele offenbar nicht Anreiz genug, um aufs Land zu ziehen.

Stipendium der Landesregierung gegen Ärztemangel

Angehende Ärzte in Brandenburg sollen mit einem Extra-Stipendium in Höhe von 1000 Euro monatlich animiert werden, für fünf Jahre zur Arbeit in Landarztpraxen zu bleiben.

Bei Verpflichtung zur Arbeit in märkischen Krankenhäusern und Kliniken sollen es 500 Euro monatlich sein.

Wer die Prämie erhält, verpflichtet sich dazu, für einen gewissen Zeitraum in Brandenburg zu praktizieren. Wie lange diese obligatorische Frist sein wird, ist noch unklar.

 

Denn inzwischen ist eine Generation von jungen Ärzten herangewachsen, bei denen die Rahmenbedingungen stimmen müssen: Dass der Partner einen guten Job hat und die Kinder in der Umgebung einen Kitaplatz steht mindestens genauso im Vordergrund, wie eine gut bezahlte Stelle. „Mit unserem Stipendium wollen wir die richtigen Leute ans Haus binden: Junge, gut ausgebildete Studenten, die gerne bei uns sind und sich in der Region verwurzelt fühlen“, sagt Steffi Miroslau, medizinische Geschäftsführerin der GLG. Die Idee ist nicht uneigennützig. Der Ärztin zufolge sei durch Studien erwiesen, dass sich die Hälfte aller angehenden Mediziner, nach ihrem Studium in denselben Kliniken oder Ärztehäusern bewerben, in denen sie ausgebildet wurden. 57 Stipendien wurden bislang durch die GLG vergeben, 22 ehemalige Stipendiaten arbeiten inzwischen für den Klinikverbund.

„In Eberswalde zu bleiben, habe ich nie bereut.“

So wie Stefan Heidemann. Der 34-Jährige hat am Werner-Forßmann-Krankenhaus so etwas wie eine medizinische Musterkarriere hingelegt. In Eberswalde geboren und in Bad Freienwalde aufgewachsen, studierte er zunächst an der Berliner Charité Medizin. Um sich das Studium zu finanzieren, jobbte er die ersten Semester nebenher. „Bis meine Oma mich auf die Zeitungsanzeige der GLG mit dem Stipendienangebot aufmerksam machte.“ Heidemann bekam die Prämie und arbeitete fortan am Eberswalder Krankenhaus „Für mich war das Stipendium eine große finanzielle Entlastung“, erzählt der Mediziner. Das Geld verwendete er für Mietkosten und Fachliteratur. Heute arbeitet Heidemann als Anästhesist und Oberarzt an der Forßmann-Klinik. „Die Entscheidung in Eberswalde zu bleiben, habe ich nie bereut“, sagt er. Auch gefiel es ihm, in einem „übersichtlichen“ Haus ausgebildet worden zu sein. „An der Uniklinik werden Studenten schnell ins kalte Wasser geschmissen. In einem kleineren Krankenhaus kennt jeder jeden und weiß gut einzuschätzen, was der andere kann.“

„Die Entscheidung in Eberswalde zu bleiben, habe ich nie bereut“, sagt Stefan Heidemann, Oberarzt am Eberswalder Klinikum. Quelle: Julian Stähle

Auch für Sarah Schill war das Geld nicht die einzige Motivation, wieder zurück aufs Land zu ziehen. „Für mich war die Festanstellung nach dem Studium eine große Beruhigung“, sagt sie. Während vielen Kommilitonen nach der Ausbildung lediglich eine Schwangerschaftsvertretung angeboten wurde, erhielt sie hingegen einen Dreijahresvertrag. „Hätte es das Stipendium nicht gegeben, wäre ich vermutlich als Ärztin im Norden geblieben.“

Auch Landesregierung will Ärzte zum Bleiben bewegen

In Eberswalde ist man froh, mit dem Stipendien-Programm, junge Ärzte gewonnen zu haben, die auch langfristig ihr Glück in Brandenburg suchen. Mit der dreijährigen Bindung an das Unternehmen wolle man zudem verhindern, dass größere Kliniken den kleineren Häusern das Personal abwerben. „Wir haben nicht das Problem, junge Ärzte zu ans Haus zu holen, wohl aber damit, dass gut ausgebildete Kräfte irgendwann für den Berliner Markt interessant werden“, sagt Personalleiterin Liane Treutler.

Stolz ist die GLG auch, dass ihre Idee nun von der Politik aufgegriffen wird. So will die rot-rote Landesregierung demnächst in ein Extra-Stipendium investieren. Über eine monatliche Prämie in Höhe von 500 bis 1000 Euro sollen Studenten dazu bewogen werden, nach dem Abschluss ihrer Ausbildung in Brandenburg zu bleiben. Höchste Zeit, wie der ehemalige Stipendiat Stefan Heidemann findet. „In der freien Wirtschaft ist es gang und gäbe, dass Studenten während ihrer Ausbildung gefördert werden. Da hinkt die Medizin hinterher.“

Von Diana Bade

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