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Brandenburg Ehrenamt im Dienst der Stadtbibliothek
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18:05 23.04.2018
Jochen Kranert Bibliothekar i.R., hier in der Stadtbibliothek, ist noch Vorsitzender der Potsdamer Bibliotheksgesellschaft. Quelle: Rüdiger Braun
Potsdam

Jochen Kranert ist ein bedächtiger Mann. Wenn er sagt, dass sein Lieblingsplatz in der Potsdamer Stadt- und Landesbibliothek die Ecke mit den alten Katalogkästen sei, macht ihn das verlegen. Er gibt zu, dass da auch ein bisschen Nostalgie im Spiel ist. Aber die Kästen hätten andererseits eine praktische Bedeutung. „Beim Blättern durch die Karten fliegen Ihnen Dinge zu, die Sie in der digitalen Welt nie entdeckt hätten.“ Schon oft wurde der promovierte Bibliothekar so auf historische Schriften aufmerksam, auf die er bei Eingaben in den digitalen Katalog nicht gestoßen wäre.

Kranert hatte sein Leben lang mit Büchern zu tun hat. Und deshalb lebte der Herr mit den schlohweißen Haaren sozusagen gleich zweimal für die Potsdamer Bibliothek. Kranert wurde nach seiner Verrentung als Bibliothekar 1999 im Jahr 2011 nicht nur Mitglied der Potsdamer Bibliotheksgesellschaft, er wurde auch schnell deren Vorsitzender. Bis heute unterstützt er als solcher die Bibliotheksleitung beim Beschaffen neuer Bücher und beim Bewahren des Bestandes, insbesondere der wertvollen Brandenburgica, der landeskundlichen Schriften.

Schon in der Dortustraße als Bibliothekar

Ursprünglich war der gebürtige Thüringer von 1961 bis 1969 Leiter der Erwerbsabteilung für das Haus, das damals noch in der Dortustraße seinen Sitz hatte. In den frühen 70er- Jahren war er Beauftragter für den Neubau des Hauses an seinem heutigen Standort Am Kanal. Der unter seiner Ägide errichtete funktionale Bibliotheksbau stand bis 2010 und bildet auch heute noch den statischen Kern des im September 2013 eröffneten Neubaus.

Nach der Wende war Kranert noch acht Jahre Dezernent an der neuen Universitätsbibliothek in Potsdam. 1999 dachte der damals 62-Jährige, endlich in Rente gehen zu können. Doch die Diskussionen um den geplanten Neubau riefen ihn noch einmal zurück an die öffentliche Bibliothek. Die 2002 gegründete Potsdamer Bibliotheksgesellschaft bat ihn 2011, sich für den Standort Am Kanal 47 einzusetzen. Kranert tat das aus tiefer Überzeugung. „Besser kann man eine Bibliothek in der Mitte der Stadt nicht etablieren“, sagt er. Der Lauf der Dinge habe ihm und der Bibliotheksgesellschaft ja recht gegeben.

Die Pflege der Brandenburgica

„Die Bibliothek entwickelte sich zu einem Kultur- und Kommunikationszentrum. Die Potsdamer können sich diese Ecke ohne Bibliothek gar nicht mehr vorstellen.“ Kranert und seinen Mitstreiter haben ihren Anteil an diesem Erfolg. „Die Pflege der landeskundlichen Literatur ist einer unserer Schwerpunkte“, sagt er. Das geschehe auf finanzielle und personelle Weise.

Auf Buchbasaren werben die Mitglieder zum Beispiel Geld ein, das für die Anschaffung oder Reparatur von Büchern verwendet werden kann, sie stellen Geld bereit, um von der Bibliotheksleitung gemachte Anschaffungsvorschläge durchzusetzen und sie übernehmen Patenschaften für reparaturbedürftige Bücher. Kranert selbst hat 2016 zum Beispiel 150 Euro gespendet, damit der „Allgemeine Volkskalender auf das Jahr 1827“ gerettet werden konnte. Mehrere Buchpaten hatten sich 2012 zusammengetan und 500 Euro gegeben. Mit dem Geld wurde die Ausgabe „Sinnreiche Heldenbriefe“ und „Auch andere Herrliche Gedichte“ von Christian Hofmann von Hofmannswaldau restauriert.

Private Spenden helfen

Einmal halfen der Gesellschaft auch private Kontakte, um den Bestand der Bibliothek um eine wichtige Schenkung zu erweitern. Sie bekam das gesamte vierte Quartal des „Potsdamer Intelligenzblatts“ von 1855 geschenkt. Diese Zeitung berichtete einst über das wirtschaftliche Leben in der Stadt. „Als man uns fragte, ob wir das brauchen, haben wir natürlich zugegriffen“, sagt Kranert. „Und als es uns auch noch geschenkt wurde, waren wir doppelt froh.“ Aber die Gesellschaft unterstützt auch die breiten kulturellen Aktivitäten der Bibliothek.

2016 schickte die Bibliotheksgesellschaft zusammen mit der Bibliothek geflüchtete und deutsche Kinder auf Erkundungstour durch die Landeshauptstadt. Ihr Projekt mit dem Titel „Wie kommt das „W“ in den Baum“ erreichte 2017 prompt den dritten Platz des Deutschen Lesepreises der Stiftung Lesen in der Kategorie „Herausragendes kommunales Engagement in der Leseförderung“.

Der Erfolg der Stadtbibliothek hat aber auch seine Nachteile. „Die Bibliothek stößt insgesamt an ihre Grenzen“, sagt Kranert. In der Kinderwelt zum Beispiel hätten kleine Besucher bei Stoßzeiten während der Ferien kaum noch Platz. Auch für erwachsene Leser werde es an Samstagen eng. „Es wäre ein Traum von mir, dass ein Teil des Umbaus der Innenstadt auch für die Erweiterung der Bibliothek genutzt würde.“ Dafür setzt sich Kranert auch im Rathaus ein. Auch die im Bildungsforum untergebrachte Volkshochschule könne man dann erweitern, sagt Kranert. Deren Aufgaben seien durch die Bewältigung der Migration enorm gewachsen.

Eine Erweiterung des Hauses wäre gut

Aber auch sonst gibt es viel zu tun. Kranert und die Bibliotheksgesellschaft setzen sich dafür ein, dass die neu erschlossenen Baugebiete auch Anschluss an das Bibliotheksgeschehen haben. Ein Bücherbus wäre ideal – aber auch teuer, wie Kranert einräumt. Hinzu kommt die Digitalisierung der Brandenburgica. Jedes Jahr steht ein anderes Projekt an. Derzeit werden Kreisadressbücher märkischer Städte aus dem 19. Jahrhundert in das Computersystem eingepflegt. „Die Digitalisierung ist ganz wichtig, um die Benutzung der alten Bestände von Hand zu vermeiden“, sagt Kranert. Deswegen ist der über 80-Jährige den neuen Technologien durchaus zugetan.

Das Buch selbst aber werde seinen Wert als Kulturgut bewahren. „Es ist immer ein Erlebnis vor einem Buch zu stehen und es aufzuschlagen – gerade wenn es sich um alte Bücher handelt.“ Erstaunlich dann, dass jemand, der das Buch so schätzt, selbst nur noch wenig liest. „Ich bin so eingebunden, dass ich kaum zum ausgiebigen Lesen komme.“ Kranert kommt vielleicht mal dazu, für seine am Mittelalter interessierten beiden Töchter und die insgesamt acht Enkel aus alten Artikeln einen Aufsatz über Slawen in Mecklenburg zusammenzustellen – und vielleicht mal zum schnellen Lesen eines Krimis, aber seiner eigentlichen Leidenschaft, dem Studium der Geschichte, kann er nur noch selten nachgehen.

„Ansonsten bin ich mit meiner Frau sehr viel mit dem Rad unterwegs“, sagt Kranert. „Wir erobern die ganze Umgebung mit dem Fahrrad..“ Da gebe es viele Möglichkeiten die Havel entlang. Nach all den Jahren will Kranert dieses Jahr den Vorsitz der Potsdamer Buchgesellschaft abgeben. Fast 60 Jahre im Einsatz für die Potsdamer Bibliothek dürften ja genug sein, auch wenn er weiterhin Mitglied der Gesellschaft bleiben will. Vielleicht klappt es danach ja auch wieder etwas mehr mit der historischen Lektüre – womöglich sogar in der Lieblingsecke mit den alten Zettelkästen.

Von Rüdiger Braun

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