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Brandenburg Ein Bibelzitat zum überraschenden Abschied
Brandenburg Ein Bibelzitat zum überraschenden Abschied
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19:22 26.11.2015
Dagmar Reim legt die RBB-Intendanz nieder. Quelle: rbb/Kristina Jentzsch
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Berlin

Sie ist Gründungsintendantin des RBB, der 2003 aus dem Sender Freies Berlin (SFB) und dem Ostdeutschen Rundfunk Brandenburg (ORB) hervorgegangen ist. Reim war die erste und lange Zeit auch einzige Frau in der Runde der ARD-Intendanten und übte damit eine der wichtigsten Funktionen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk aus. Lediglich den Vorsitz der ARD wollte sie nie übernehmen, auch das aus privaten Gründen. Ihr Entschluss, den RBB zu verlassen, scheint schon seit Monaten gereift zu sein. Die 64-Jährige kommentierte den Umstand, dass sie ihre dritte Amtszeit, die bis Mai 2018 gedauert hätte, vorzeitig beenden will, mit der Bibelstelle aus Kohelet 3,1: „Ein jegliches hat seine Zeit“.

Reim: „Wollte meine Familie nie vernachlässigen“

Mit der Nachricht ihres Weggangs hat Dagmar Reim alle überrascht. Lediglich die Geschäftsleitung hatte sie in kleiner Runde informiert, auch das erst am Abend zuvor. Den Mitarbeitern versicherte sie am Donnerstag: „Ich arbeite sehr gern im RBB, ich bin nach zwölf Jahren weder müde noch lustlos“. Allerdings, ergänzte sie, habe sie „immer versucht, die Familie nicht zu vernachlässigen. Und ich habe auch andere dazu ermuntert“. Nun scheint für sie der Punkt gekommen zu sein, mehr Zeit mit ihrem Mann zu verbringen. Im vergangenen Juli feierte Rudolf Großkopff, Autor, Historiker und ehemaliger Chefredakteur des „Chrismon“-Vorgängers „Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt“, seinen 80. Geburtstag. Die beiden sind seit mehr als 40 Jahren ein Paar.

Die aus Heidelberg stammende Liebhaberin korrekter Sprache und leidenschaftliche Sammlerin originell-grotesker Todesanzeigen war zu diesem Zeitpunkt noch Hörfunk-Redakteurin beim Bayerischen Rundfunk. Später wechselte sie zum WDR, schließlich zum NDR. Beim RBB setzte sie sich 2003 gegen Ulrich Deppendorf durch und hatte die Aufgabe zu meistern, einen zutiefst Westberliner Traditionssender mit der ostdeutschen Neugründung ORB zu fusionieren: mental, aber auch mit großem finanziellem Kraftakt, begleitet von massivem Stellenabbau. Dauerklamm ist der RBB dennoch, wenngleich er ohne Finanzhilfen aus dem ARD-Verbund auskommt.

Eine Frau bringt sich bereits als Nachfolgerin in Stellung

Rein formal wird Dagmar Reims Stelle nun öffentlich und bundesweit ausgeschrieben. Bereits am Donnerstag tagte der Programmausschuss des RBB, am kommenden Donnerstag wird der angekündigte Rücktritt der Intendantin Thema bei der regulären Sitzung des Rundfunkrats sein. Wahrscheinlich wird eine Findungskommission eingesetzt werden, die die Vorschläge und Bewerbungen sichten wird. Eine Frau scheint sich jedoch bereits in Stellung zu bringen: Claudia Nothelle.

Die 51-jährige Westfälin kam seinerzeit vom Mitteldeutschen Rundfunk und ist die Programmchefin des RBB. Wie Reim ist Nothelle eine in Kirchenkreisen bestens vernetzte Katholikin, wenngleich von einer ganz anderen Persönlichkeitsstruktur als die quirlige Reim. Ohne das Ergebnis, das von zahlreichen Unwägbarkeiten abhängen wird, vorwegnehmen zu können, gehen intern viele davon aus, dass es am Ende auf Nothelle hinauslaufen dürfte. Gegen sie spricht, dass es dem RBB-Fernsehen nicht gelingen mag, im Ranking der ARD-Dritten die rote Laterne loszuwerden. Mit 6,3 Prozent Marktanteil liegt der RBB trotz des erst kürzlich neugestalteten Nachmittagsprogramms auch 2015 abgeschlagen an der letzten Stelle. Auf solche Zahlenspiele wollte sich Reim zwar nie einlassen. Dennoch muss sich der RBB fragen lassen, warum aus mancher Programmidee und den zeitweise zahlreichen Experimenten mit neuen Formaten so wenig geworden ist.

Abgang von Reim kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt

„Es ist für Bilanzen zu früh“, sagte Friederike von Kirchbach, die Vorsitzende des Rundfunkrats am Donnerstag, sprach von Wehmut und Dank und lobte Reim als ebenso „fürsorgliche wie entschlossene Kämpferin für ihren RBB und dessen Publikum“. Sie habe dem RBB in der ARD Gewicht verliehen.

Dagmar Reims Weggang kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, wie sollte es anders sein. Im Februar wird die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs über die Ansprüche entscheiden, die die ARD für 2017 bis 2020 angemeldet hat: Sie will pro Jahr 99 Millionen Euro mehr. Nach allem, was zu hören ist, wird das nicht im Entferntesten bewilligt werden. Damit bleibt die im Programm des RBB sichtbare Geldnot oberstes Thema. Immerhin kann sich der Sender rühmen, anders als manche andere ARD-Anstalt nicht in den Fängen der Politik zu stecken. Die Mehrheit der Gremien stellen die sogenannten Grauen, also parteiunabhängigen Mitglieder.

„Immerhin haben wir ja noch sieben Monate miteinander“, schrieb Reim in ihrer internen Erklärung und ergänzte: „Die wollen wir nutzen.

Von Ulrike Simon

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