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Brandenburg Ein Boot im Fluss der Milchstraße
Brandenburg Ein Boot im Fluss der Milchstraße
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10:07 01.10.2016
Quelle: Stellarium
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Potsdam, Königs Wusterhausen

Im Oktober ist die Sicht auf das Band der Milchstraße günstig, das sich direkt über uns zieht. Am frühen Abend kann man in Verlängerung der Deichsel des Großen Wagens im Westen den hellen Stern Arktur im Sternbild des Bärenhüters erkennen. Zwischen Arktur und den beiden hellen Sternen Wega und Deneb des Sommerdreiecks findet man die beiden Sternbilder Nördliche Krone und Herkules. Die Vorherrschaft des Sommerdreiecks wird im Oktober gebrochen. Im Verlauf einer Oktobernacht fällt es von seiner höchsten Position im Süden zum westlichen Horizont herab. Wega in der Leier, Deneb im Schwan und Atair im Adler werden vom Sternbild Herkules zum schnellen Untergang geführt (siehe Abbildung oben).

Die Herbststernbilder übernehmen die Macht am Südhimmel. Gut erkennbar wird das Viereck des Sternbild Pegasus sein, welches als Orientierungshilfe dienen soll. Der hellste Stern in der linken oberen Ecke gehört dabei gar nicht mehr zum Sternbild Pegasus, sondern zum Sternbild Andromeda, welches sich links anschließt. Unter diesem Sternbild befindet sich das „nasse Gebiet des Himmels“: Sternbilder wie Fische, Wassermann und Walfisch bestätigen das. Über der Sternenkette des Sternbildes Andromeda befindet sich die berühmte Andromedagalaxie. Der Franzose Charles Messier (1730 – 1817) bezeichnete dieses Objekt mit der Nummer 31 in seinem Katalog astronomischer Nebel. Somit ist M31 seit jeher ein Begriff für kundige Sternengucker. Mit einem kleinen Fernrohr bzw. einem Feldstecher kann man M31 durchaus sehen. Bei besseren Sichtbedingungen (z.B. im Hochgebirge oder völlig ohne störendes künstliches Licht) ist diese über zwei Millionen Lichtjahre entfernte Galaxie auch mit dem bloßen Auge erkennbar.

Der Held Perseus gehört ebenfalls zur antiken Sage rund um Andromeda, Kassiopeia und Kepheus und somit auch zu diesem Teil des Himmels. Ein Teil seiner Sterne wurde schon im China der vorchristlichen Zeit zum Sternbild Tianchuan – das Boot – geformt.

Das Sternbild Tianchuan, das ein Boot im damals so gesehenen „Fluss“ der Milchstraße darstellt, wurde von dem Astronomen Shi Shi überliefert, der im 4. Jahrhundert v. Chr. lebte. Man kann nicht genau sagen, wie lange das Sternbild schon vorher existiert hat. Die chinesische Astronomie verweist jedoch auf eine lange Tradition. Die ältesten bekannten Sternbilder, u.a. der Große Wagen, stammen aus der Zeit um 4000 v. Chr. also einer Zeit, in der der Mensch begann, den Sternenhimmel bewusst zu beobachten. Um 1000 v. Chr. wurde eine Sternkarte mit 44 Sternbildern angefertigt, zu denen 141 Sterne gehören. Tianchuan wird von einem Bogen aus neun Sternen gebildet, die heute zum Sternbild Perseus gehören. Im 4. Jahrhundert vor Christus war das Boot Tianchuan im Herbst nach Sonnenuntergang bereits am östlichen Himmel zu finden. Es erreichte gegen zwei Uhr nachts seine höchste Stellung im Süden (heute etwa zwei Stunden später) und ging etwa vier Stunden nach Sonnenaufgang unter. In der Zeit, zu der damals die nächtlichen Feiern zur Herbsttagundnachtgleiche stattfanden, war es also bei klarem Herbstwetter die ganze Nacht über am Himmel zu sehen.

Die Planeten entziehen sich immer mehr der Sichtbarkeit am Abendhimmel. Gerade Saturn und Mars zeigen sich noch kurz in der Abenddämmerung flach über dem westlichen Horizont. Venus wird sich am 29.10. bis auf 3° (also 6 Vollmonddurchmesser) dem Saturn nähern. Da sich diese Begegnung jedoch in der Abenddämmerung flach über dem Horizont zuträgt, gehört zu einer möglichen Beobachtung viel Glück. Jupiter erscheint am Monatsende am Morgenhimmel im Osten.

Die Sonnenauf- und untergangszeiten verschieben sich im Oktober von 07.07 Uhr (SA) und 18.42 Uhr (SU) am 01.10.16 auf 07.56 Uhr/17.42 Uhr am 29.10.16. In der Nacht zum 30.10.2016 werden die Uhren wieder eine Stunde zurückgestellt, die MESZ endet. Am 30.10.16 geht die Sonne dann aufgrund dieser Rückstellung der Uhren auf MEZ wieder um 06.58 Uhr auf (SU bereits um 16.40 Uhr).

Der Oktober beginnt und endet mit einem Neumond. Sowohl am 1.10. als auch am 30.10. steht der Mond zwischen Erde und Sonne und ist somit nicht sichtbar. Vollmond, der 10. Vollmond im Jahr – der sogenannte Weinmond – , ist am Sonntag, dem 16. Oktober. Am 19.10. wird der Mond am Morgen dicht am hellen Stern Aldebaran, dem Hauptstern des Wintersternbildes Stier, vorbeiziehen.

Von Uwe Schierhorn
Fachlehrer für Mathematik, Physik und Astronomie am Friedrich-Schiller–Gymnasium Königs Wusterhausen, Mitglied der Schul- und Volkssternwarte Dahlewitz e.V.
    
Quellen: Daten aus „www.calsky.com“
Abbildungen erstellt durch den Autor (u.a. unter Nutzung von Stellarium)

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