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Ein Helmut-Kohl-Platz in Brandenburg?

Kondolenzbücher werden ausgelegt Ein Helmut-Kohl-Platz in Brandenburg?

Nach dem Tod von Altkanzler Helmut Kohl (CDU) sollen auch in Brandenburg Kondolenz-Bücher ausgelegt werden – im Landtag und in der CDU-Geschäftsstelle. Kohl pflegte enge Beziehungen zu Brandenburg. Nun gibt es Überlegungen, ob nicht auch hier Straßen oder Plätze an den Staatsmann erinnern sollen.

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1998 besuchten US-Präsident Bill Clinton und Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) Schloss Sanssouci in Potsdam.

Quelle: picture-alliance / dpa

Potsdam. Nach dem Tod von Altkanzler Helmut Kohl (CDU) sollen auch in Brandenburg Kondolenz-Bücher ausgelegt werden. So will die Brandenburger CDU in ihrer Landesgeschäftsstelle in Potsdam den Bürgern die Möglichkeit geben, sich mit einer Widmung von Kohl, der am Freitag im Alter von 87 Jahren gestorben ist, würdig zu verabschieden. Wann und wie das Buch ausgelegt wird, wird laut CDU-Generalsekretär Steeven Bretz derzeit noch abgestimmt. Auch im Landtag wird es voraussichtlich ein Kondolenzbuch geben.

Stiftungen, Straßen und Plätze sollen Kohl erinnern

Unterdessen gibt es Überlegungen, Straßen, Plätze oder Stiftungen nach dem verstorbenen Staatsmann zu benennen. So sagte die Berliner CDU-Vorsitzende Monika Grütters am Wochenende, „Kohl sollte durch eine Gedenkstiftung, wie es sie für andere herausragende Politiker gibt, geehrt werden“. Es gibt sechs überparteiliche Politikergedenkstiftungen, die an historische Staatsmänner wie Konrad Adenauer oder Willy Brandt erinnern. Eine Gedenkstiftung schließt Grütters zufolge nicht aus, auch eine Straße oder einen Platz in Berlin nach dem Ex-Kanzler zu benennen: „Denn Helmut Kohls Wirken hat diese Stadt radikal verändert.“

„Das würde Helmut Kohl sicher freuen“

Auch in der Brandenburger CDU gibt es Sympathien für diesen Vorschlag. „Ich erwarte ganz klar, dass man der historischen Leistung Helmut Kohls dauerhaft gedenkt. Nach ihm benannte Straßen oder Plätze sind dafür gewiss geeignete Möglichkeiten“, sagte Generalsekretär Bretz. Ein Zeichen ganz im Sinne Kohls, des überzeugten Europäers, wäre etwa auch ein Gedenken im Rahmen der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder). „Das würde Helmut Kohl sicher freuen“, so Bretz.

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Altkanzler Helmut Kohl war auch einige Male in Potsdam. Vor allem ein Besuch sorgte für heftige Kontroversen: die Umbettung von Friedrich II.

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Im Herbst 1990 hatte sich Kohl in Frankfurt mit dem damaligen polnischen Premierminister Tadeusz Mazowiecki getroffen, um über die deutsch-polnischen Beziehungen zu beraten. 1997, bei der Oderflut, kehrte er dorthin zurück, auch später immer wieder, etwa um mit Studenten über Europa zu diskutieren.

Am Grabe Friedrichs des Großen

Bretz erinnerte daran, dass Kohl, nicht zuletzt durch dessen historisches Interesse, eine enge Verbindung zur Mark pflegte. 1991 wurden die Gebeine Friedrichs des Großen nach Sanssouci umgebettet. Kohl – er kam als Privatmann – war damals, neben dem Chef des Hauses Hohenzollern, Prinz Louis Ferdinand von Preußen (83) sowie engsten Familienmitgliedern, der einzige geladene Gast, als der schwere Zinksarg unter die Erde des Gewölbes gelassen wurde.

Gegenüber der „Bild“-Zeitung erinnerte sich nun Christian Sigismund Prinz von Preußen (71), jüngster Sohn von Kaiser-Enkel Louis Ferdinand, an den „weitsichtigen“ Staatsmann Kohl. „Für unsere Familie war er zudem stets ein aufmerksamer, zuverlässiger und warmherziger Freund. Durch sein Engagement konnte 1991 der ‚Alte Fritz‘, mein Vorfahre, von unserem Familiensitz in Hechingen nach Potsdam überführt und auf der Terrasse von Schloss Sanssouci beigesetzt werden. Auch das war eine historisch bedeutende Leistung.“

Tumulte bei Kohl-Comeback im Nikolaisaal

Nach Sanssouci verschlug es Kohl auch im letzten Jahr seiner Amtszeit, im Mai 1998, als mitten im Bundestagswahlkampf US-Präsident Bill Clinton per Helikopter einschwebte. Beide besuchten das Grabmal Friedrichs des Großen und trugen sich in das Gästebuch des Landes Brandenburg ein. 2005 kehrte Kohl – inzwischen 75jährig – nach Sanssouci zurück. Diesmal pflanzte er zum Tag der Deutschen Einheit gemeinsam mit Michail Gorbatschow vor den neuen Kammern Kirschbäumchen.

Ein regelrechtes Comeback erlebte der Altkanzler ein Viertel Jahr später, als er trotz gebrochenen Arms zum Neujahrsempfang der Brandenburger CDU in den Potsdamer Nikolaisaal kam – und Tausende Parteifreunde ihm die Aufwartung machen wollten. Es gab aber nur 700 Plätze, was zu tumultartigen Szenen führte. Damals verriet Kohl, dass er sich als Schüler durch „gewisse Manipulation“ für ein Podium einer CDU-Veranstaltung qualifiziert habe. Nicht sein politisches Machtstreben sei damals jedoch der Auslöser gewesen, sondern das Werben um eine Tanzstunden-Bekanntschaft. Es war seine spätere Frau Hannelore.

Von Torsten Gellner

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