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Brandenburg Ein Hotel mit Herz für Obdachlose
Brandenburg Ein Hotel mit Herz für Obdachlose
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21:37 05.12.2013
Robert Gorges in der Küche des Hotels Arcona. Quelle: Klaus-Dietmar Gabbert
Potsdam

Wenn Robert Gorges nach Hause geht, muss er immer an der Rezeption vorbei. Er ist im Potsdamer Hotel Arcona untergeschlüpft, nachdem er den ganzen Oktober in einem Obdachlosenheim der Stadt gelebt hatte.

Wohnen gegen Mithilfe heißt das Konzept von Hotelchefin Beate Fernengel. Der 23-Jährige aus Falkenrehde (Havelland) ist froh, davon profitieren zu können. Täglich sieben bis acht Stunden arbeitet er in der Spülküche mit vier bis fünf Kollegen. „Es ist eine angenehme Atmosphäre da“, sagt er. Essen kann er in der Kantine. Ansonsten ist er auf Job- und Wohnungssuche. Fein säuberlich hat er auf dem Schreibtisch in seinem Hotelzimmer die Unterlagen sortiert. An der Rezeption hat er Zugang zum Internet.

Durch eine Reihe von unglücklichen Umständen ist Robert Gorges auf der Straße gelandet. Der gelernte Logistik-Facharbeiter hatte durch eine langwierige Lungenentzündung seine Stelle verloren. Er wollte dann in den Einzelhandel wechseln. „Ich habe schon in der Lehre gemerkt, dass ich gerne mit Kunden arbeite“, erzählt er. Aber er fand immer nur kurzfristige Leiharbeitsjobs. Dazu kam ein Streit mit seinem Vater, so dass er Hals über Kopf ausziehen musste. „Ich bin zuerst bei einem Freund untergekommen“, sagt er. Aber das funktionierte auf Dauer nicht, so dass ihm nur noch der Weg ins Obdachlosenheim blieb.

Geholfen hat ihm dann eine Angestellte der Wohnungsgesellschaft, die er nach billigen Unterkünften fragte. Sie verwies ihn an das Arcona, das schon im vergangenen Winter mehr als ein Dutzend Obdachlose vorübergehend aufgenommen hatte. Derzeit ist noch ein zweiter Betroffener ins Hotel an der Havel eingezogen.

„Es wollte mir nicht in den Kopf, dass draußen Leute vom Erfrieren bedroht sind und bei uns stehen Zimmer leer“, sagt Hotelchefin Fernengel, die nebenbei Vizepräsidentin der Industrie- und Handelskammer Potsdam ist. Also öffnet sie ihre Türen für Menschen, die von ihren Umgangsformen her als geeignet für das Hotel erschienen. Sie sind als Praktikanten zur Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt eingestuft und arbeiten gegen Kost und Logis. Einer der Obdachlosen vom vergangenen Jahr ist noch heute als Hausmeisterhilfe dabei, inzwischen mit fester Wohnung, sagt Fernengel.

Sie weiß: Ihre Hilfe erreicht nur einen winzigen Teil der Obdachlosen in der Stadt. In den Potsdamer Obdachlosenunterkünften gibt es 247 Schlafplätze. Im Winter können zusätzliche Notbetten aufgestellt werden. Bisher reichen die Plätze, sagt Stadtsprecher Jan Brunzlow. Der Druck steigender Mieten sei aber zu spüren. Zu der Frage, wie viele Menschen darüber hinaus die Nächte im Freien verbringen, gibt es nur grobe Schätzungen. „Es gibt welche, die wollen grundsätzlich nicht in eine Unterkunft“, sagt Brunzlow. Im ganzen Land Brandenburg gibt es nach einer groben Schätzung der Wohlfahrtsverbände rund 7500 Wohnungslose, mit steigender Tendenz. Offizielle Zahlen gibt es nicht.

Für Robert Gorges ist die Episode Obdachlosigkeit vorbei. Er hat im Hotel einen Praktikumsvertrag bis zum Jahresende. „Wenn ich vorher etwas finde, kann ich auch schon vorher aufhören“, sagt er. Er sucht Wohnung und Arbeitsstelle vor allem in Berlin, weil da die Mieten niedriger sind als in Potsdam und das Jobangebot im Einzelhandel größer. Am liebsten würde er in einem Bekleidungsgeschäft arbeiten. Probeweise hatte er schon einmal in einem Textilladen verkauft. „Das macht mir Spaß, die Kunden zu beraten, welche Hose oder welches Hemd zu ihnen passt“, erklärt er. Der junge Mann ist jedenfalls zuversichtlich, dass es jetzt wieder aufwärts geht in seinem Leben. Job und Unterkunft im Hotel haben ihm neues Selbstvertrauen gegeben.

Von Ulrich Nettelstroth

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