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Brandenburg Ein Känguru kaufen? Gar kein Problem!
Brandenburg Ein Känguru kaufen? Gar kein Problem!
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09:22 14.08.2015
Quelle: Archiv
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Potsdam

Die Halter des jüngst entfleuchten märkischen Wallaby-Kängurus mussten ihr ungewöhnliches Haustier nicht einmal bei den Behörden melden: „Die in Rede stehenden Wallabys sind nicht artgeschützt und unterliegen damit auch keinen artenschutzrechtlichen Meldepflichten oder Haltungsbeschränkungen“, sagt der Sprecher des brandenburgischen Umweltministeriums, Achim Wersin. Nur fünf Känguruarten seien vom internationalen Artenschutzabkommen betroffen und unterlägen der Meldepflicht. Wallabys betreffe das nicht.

Zwei Wallabys on tour

Am 27. Juli war das Rotnacken-Wallaby „Skippy“ aus dem Gehege seines Besitzers in Zülichendorf (Teltow-Fläming) ausgebrochen und für drei Tage bei einer Familie in Dahlewitz untergekommen. Am Donnerstag, 30. Juli, hatte es der Besitzer, der anonym bleiben will, dort wieder eingefangen.

Bereits im November vergangenen Jahres war ein anderes, privat in Derwitz (Potsdam-Mittelmark) gehaltenes Wallaby entwischt. Erst zwei Monate später war es auf einem Firmengelände bei Groß Kreutz (Potsdam-Mittelmark) wieder entdeckt worden. Die Besitzer hatten versucht, es dort einzufangen. Einen Tag später meldeten sie es als tot. Über die Todesursache schwiegen sie sich aus.

„Tiere kann man grundsätzlich einführen, wenn es nicht verboten ist“, sagt der Sprecher des brandenburgischen Zollamtes, Detlef Szesny. Die Einfuhr muss aber vom Bundesamt für Naturschutz genehmigt worden sein und es muss eine Ausfuhrerlaubnis des Herkunftslandes vorliegen. Es geht noch einfacher. Über die Seite „deine-tierwelt-suchen.de“ gelangt man spielend zu Angeboten wie „Bennett Kängurus zu verkaufen“. Der Züchter im rheinland-pfälzischen Kaiserslautern, der lieber anonym bleiben möchte, sagt, er habe seit 25 Jahren Kängurus im Angebot. Er habe seine Tiere ursprünglich aus Belgien, Holland und aus zoologischen Gärten bezogen. Das Veterinäramt prüfe lediglich die Unterbringung der Tiere in einem 15 Hektar großen Areal. Das Wissen über den Umgang mit den Tieren „eignet man sich halt so an“. Gefüttert würden die Tiere „im Grunde wie Hasen“ also mit Grünzeug. Der Händler steht mit mindestens 20 anderen Kängurubesitzern in Kontakt. Auch aus Brandenburg bekomme er regelmäßig Anrufe, was etwa bei einer Krankheit der Tiere zu tun sei. „In Brandenburg gibt es viele Kängurubesitzer“, so der Händler.

Mit Tieren und Pflanzen handeln

1973 wurde ein Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen von fünf Staaten unterzeichnet. Heute ist es für 181 Staaten gültig, auch für Deutschland.

Anhang 1 des Abkommens verbietet den kommerziellen Handel für Tiere und Pflanzen aus der Wildnis, macht aber Ausnahmen, etwa bei Nachzuchten. Ausfuhren sind möglich, wenn die Art nicht gefährdet wird und Gesetze eingehalten werden. Betroffen sind unter anderem Wale, Meeresschildkröten, einige Affenarten sowie einige Bären- und Katzenarten.

Anhang II listet Arten auf, bei denen kommerzieller Handel nach einer Prüfung des Ausfuhrstaates möglich ist. Auch hier darf der Handel die Art nicht gefährden. Es ist eine Ausfuhrgenehmigung notwendig. Aufgelistet sind etwa Affen, Bären, Katzenarten, Greifvögel und Landschildkröten.

Auch andere Tiere wären für Liebhaber zumindest der Rechtslage nach ziemlich einfach anzuschaffen. Erdferkel, Steppenzebras, Tüpfelhyänen, Nasenbären und Koalas sind nicht geschützt. Selbst einen Seelöwen könnte man den Artenschutzbestimmungen zufolge im heimischen Pool planschen lassen. Wie diese Tiere in privaten Haushalten leben, geht keine Behörde etwas an. „Es gibt keine Meldepflicht und keine wie immer geartete Überwachung“, sagt die Amtstierärztin von Teltow-Fläming, Silke Neuling. Ihre Behörde könne nur tätig werden, wenn von Nachbarn oder der Polizei Verstöße gegen den Tierschutz gemeldet würden. Das beträfe in den allermeisten Fällen übliche Haustiere wie Hunde und Katzen.

Über 100 Pythonschlangen

Aber selbst bei geschützten Arten ist unter bestimmten Auflagen eine Einfuhr möglich. Dass davon reger Gebrauch gemacht wird, zeigt das Vorhandensein vieler meldepflichtiger Arten in Brandenburg. Ob diese allerdings wirklich eingeführt, in Deutschland nachgezüchtet oder von einem Zoo abgegeben worden sind, lässt sich nur schwer überprüfen. Jedenfalls sind für Brandenburg zum Beispiel nicht weniger als 114 Pythonschlangen unterschiedlicher Art, darunter 61 Königspythons, 32 eigentlich in Amerika beheimatete Wüstenbussarde, zig Chamäleons und nicht weniger als neun Goldkopf-Löwenäffchen gemeldet. Letztere leben eigentlich im Dschungel Brasiliens.

Die Vorsitzende des Tierschutzbundes Berlin-Brandenburg, Renate Seidel, übt grundsätzlich Kritik an der Haltung solcher Exoten. Selbst wenn die Haltung den Artenschutz vor Ort nicht gefährde, im Sinne des Tierschutzes sei das Verbringen von Exoten an eine ihnen gänzlich fremde Umgebung nicht. Zum Beispiel fänden sie kaum dieselben klimatischen Bedingungen oder die ihrer Art entsprechenden Bewegungsmöglichkeiten vor.

„Es ist letztlich verantwortungslos, Wildtiere zu halten“, sagt Renate Seidel. Die Tiere ließen die Gefangenschaft über sich ergehen. „Der Drang nach Freiheit aber bleibt erhalten, das können selbst Besitzer mit besten Absichten nicht verhindern.“

Von Rüdiger Braun

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