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Brandenburg Ein Kind der DDR
Brandenburg Ein Kind der DDR
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02:16 29.10.2015
Foto aus den Anfangsjahren der Volkssolidarität Quelle: VS
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Potsdam

Gegründet am 24. Oktober 1945 in Dresden mit dem Aufruf „Volkssolidarität gegen Wintersnot“, kümmerte sich der Verein vorrangig um Kriegsversehrte, Vertriebene und Ausgebombte des Zweiten Weltkriegs.

70 Jahre später wird in Potsdam am Mittwoch bei einer Festveranstaltung an die Gründung erinnert. Dabei dürfte auch ein Bogen ins Heute zur Flüchtlingskrise geschlagen werden. Denn die Volkssolidarität (VS) will nicht nur, dass sich bei ihr Ost-Rentner geborgen fühlen, der Verein engagiert sich neuerdings auch für die Betreuung von Flüchtlingen. Zum Brandenburg-Jubiläum auf Hermannswerder haben sich auch Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) und Sozialministerin Diana Golze (Linke) angesagt.

Stand vor 70 Jahren die Überwindung des Kriegselends im Mittelpunkt, wurde die Arbeit schnell ausgeweitet. Die Volkssolidarität unterhielt Kindergärten, Jugendzentren und Volksküchen. Doch das war mit Gründung der DDR 1949 vorbei. Die Einrichtungen wurden meist verstaatlicht. „Die Volkssolidarität wurde in eine Nische zurückgedrängt. Es ging jetzt ausschließlich um die Betreuung älterer Menschen“, sagt Landesgeschäftsführerin Roswitha Orban.

Heute ist die Volkssolidarität die einzige Massenorganisation der DDR, die weiter fortbesteht. Geblieben ist der Austausch von Grußadressen zu Jubiläen. Früher schickte SED-Generalsekretär Erich Honecker solche regelmäßig, wie sich Mitglieder erinnern. Heute ist es Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD), der aus Anlass des 70. Jubiläums den Verband einen „wichtigen Fürsprecher älterer Menschen“ nannte, der „für gesellschaftliches Miteinander und Teilhabe am Gemeinwesen“ stehe.

Inzwischen ist die Volkssolidarität im Osten fest etabliert und gilt als wirtschaftlich potent. In Brandenburg hat sie 38 670 Mitglieder und damit Beitragszahler in 15 Kreis- und Regionalverbänden. Sie ist der stärkste Sozialverband in Brandenburg. Das Durchschnittsalter der Mitglieder liegt bei 74 Jahren.

Die Volkssolidarität oder ihre Töchter betreiben unter anderem sieben Pflegeheime, 40 Sozialstationen, 14 Einrichtungen für betreutes Wohnen. Dazu kommen nach Angaben des Verbands „Essen auf Rädern“, „Suppenküchen“ und 32 Selbsthilfegruppen, die unter dem VS-Dach arbeiten. Der Verein ist Träger von 16 Kindertagesstätten sowie sieben Jugendclubs. Landesverbände gibt es nur in den Ostländern. Eine Ausdehnung in den Westen wird aber nicht mehr ausgeschlossen. So gebe es inzwischen in Bayern und Niedersachsen Pflegeheime in Trägerschaft.

Wert legt der Verband auf seine parteipolitische Unabhängigkeit. Nach 1990 galt er lange als „Vorfeldorganisation“ der PDS. Wichtige Posten waren mit Parteileuten besetzt. Das hat sich, auch nach Auskunft der Linken, inzwischen geändert, selbst wenn viele ältere VS-Mitglieder der Linken nach wie vor die Treue halten.

Jost Biedermann, einst Präsident und DDR-CDU-Mitglied, nannte die Volkssolidarität einmal ein „Kind der DDR“. Das hören die heutigen Verantwortlichen gar nicht mehr so gern. Schließlich sei der Verband vor der DDR entstanden. „Dann wäre ja die CDU auch ein Kind der DDR“, sagt Geschäftsführerin Orban.

Von Igor Göldner

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