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Ein Kofferraum voller mörderischer Requisiten

Die brutalen Fantasien des Silvio S. Ein Kofferraum voller mörderischer Requisiten

Der mutmaßliche Kindermörder Silvio S. sah härteste Pornofilme – am sechsten Verhandlungstag zeigte das Landgericht in Potsdam die Requisiten des Missbrauchs. Und der Betreiber einer Videothek erzählt vom letzten Besuch des Verdächtigen bei ihm im Laden.

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Neben Mohameds Leiche fand die Polizei diese Beweismittel im Dacia von Silvio S.

Quelle: Julian Stähle

Potsdam. Die Kinder Elias, 6, und Mohamed, 4, sind bereits tot, als Silvio S. seine angestammte Videothek betritt und wie immer in der Pornoecke verschwindet. Er greift nach zwei Filmen und geht zur Theke. Auf dem Fernseher im Hintergrund läuft der Fahndungsaufruf nach dem Entführer des Flüchtlingsjungen Mohamed. Der Inhaber erkennt den mutmaßlichen Kindermörder nicht, „das ist ein ganz schönes Ding“, sagt er, sein Gegenüber antwortet: „So was müsste man umbringen.“

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Hardcore-Pornos ausgeliehen

Der Besuch Mitte Oktober 2015 war für Silvio S. der letzte in der Jüterboger Videothek, keine zwei Wochen später klickten die Handschellen. Am sechsten Verhandlungstag im Prozess gegen den 33 Jahre alten Wachschützer sagte der Geschäftsinhaber am Montag vor dem Landgericht Potsdam aus. Es waren Filme mit Titeln wie „Nackt, gefesselt und benutzt“, „Dein Freund steht auf Männer“ oder „Super cool Arsch voll“, die sich Silvio S. auslieh. Den „schärfsten Scheiß“, sagt der Videothekar im Zeugenstand. „Die letzten beiden Filme, die er sich ausgeliehen hat, waren die schlimmsten, die ich hatte.“

Die brutalen sexuellen Fantasien, die Silvio S. hegte, sind für die beiden kleinen Jungen offenbar tödliche Realität geworden. Für den Angeklagten schien die Grenze zwischen virtueller und realer Welt zu verschwimmen. Bei seinem letzten Besuch in der Videothek soll er gesagt haben, es sei „schönes Wetter, um in den Garten zu gehen“. Zu diesem Zeitpunkt lag der sechsjährige Elias aus Potsdam längst verscharrt in einer Luckenwalder Kleingartenanlage. Einmal erreichte den Videothekar ein befremdlicher Anruf. Ob er auch Kinderpornos habe, fragte die Stimme am anderen Ende des Telefons. Seither ist der Inhaber den Gedanken nicht losgeworden, dass es sich bei dem Anrufer um Silvio S. gehandelt haben könnte.

Die mörderischen Requisiten lagen am Montag sorgsam beschriftet und platziert vor der Bank der Staatsanwaltschaft. Die Objekte fügen sich zusammen zu einer Geschichte, die sich niemand zu erzählen traut: Daumen- und Handfessel, Kabelbinder und Mundknebel, Schlaftabletten, Chloroform und ein Elektroschocker, ein Vaginalspekulum, eine täuschend echte Kinderpuppe, ein Nietengürtel (das mutmaßliche Tatwerkzeug) und eine gelbe Waschschüssel, gefüllt mit Katzenstreu. Darin hatten Polizisten Mohameds Leiche gefunden.

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Silvio S. machte große Augen

Es ist der 29. Oktober 2015, als der Luckenwalder Polizeibeamte Rolf M. nach Kaltenborn geschickt wird. Erst auf dem Weg erfährt er, dass eine Mutter ihren Sohn in der Zeitung als Entführer von Mohamed erkannt haben will. Der Beamte, 41, ist ganz auf sich allein gestellt, als er den Eltern gegenübertritt. Immer wieder atmet er tief durch, als er nach einem Dreivierteljahr als Zeuge die Szenerie schildert. Silvio S. sei weggefahren, erzählte die Mutter, „Beweise holen“. Der Polizist hoffte damals noch, den vier Jahre alten Flüchtlingsjungen lebend wiederzufinden. Die Mutter, darauf bestand er, solle ihrem Sohn am Telefon sagen, zurückzukommen. Als Silvio S. in seinem weißen Dacia Lodgy vor dem Elternhaus vorfuhr, war Verstärkung eingetroffen, zwei junge Streifenpolizisten. „Wir müssen uns unterhalten“, sagte M. Tellergroß seien Silvio S.’ Augen geworden, bevor er innerlich zusammenfiel, schlaff und sprachlos.

War es die Reaktion eines überführten Mörders? „Schaut mal in den Kofferraum“, sagte er zu den Polizisten, die dort Mohameds Leiche und die übrigen Beweismittel fanden. „Der Junge quengelte“, erzählte Silvio S. den beiden Streifenpolizisten auf der Fahrt zur Polizeidienststelle. „Der kleine Mensch musste nicht lange leiden.“

Im Kaltenborner Elternhaus wollen Vater und Mutter von all dem nichts mitbekommen haben. „Der Sohn lebt sein eigenes Leben und wir unseres“, bekamen die Polizisten vom Vater zu hören. „Ist das denn nötig?“, herrschte er die drei Polizisten an. „Jetzt saut ihr mir den ganzen Teppich ein.“ In der Erinnerung eines Beamten entgegnete die Mutter, es sei nun mal keine Ordnungswidrigkeit. Dafür genügte ein Blick in den Kofferraum.

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Von Bastian Pauly

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