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Ein Mini-Luther pilgert durch Deutschland

Reformator im Playmobil-Look Ein Mini-Luther pilgert durch Deutschland

Das Jahr 2017 steht im Zeichen Martin Luthers. Dann wird deutschlandweit an die Reformation vor 500 Jahren gedacht. Der große Reformator aus Wittenberg wird vielfach geehrt. Ein Uckermärker hatte eine besondere Idee. Er schickte einen 7,5 Zentimeter kleinen Mini-Reformator auf große Deutschlandreise.

Lars Fischer aus Hohenselchow schickte die Spielzeugfigur auf Reisen.

Quelle: dpa-Zentralbild

Hohenselchow. Im vergangenen Sommer hat sich Martin Luther auf den Weg gemacht. Ausgehend vom uckermärkischen Friedrichsthal ging der Reformator auf Reisen. „Inzwischen war er in Leipzig, Jena, Wittenberg und Paderborn“, berichtet Lars Fischer aus Hohenselchow (Uckermark). Der 23-Jährige hat den Kirchenmann, der vor knapp 500 Jahren seine Thesen zur Reformation der Kirche in Wittenberg veröffentlicht haben soll, als Playmobil-Figur zu den Wirkungsstätten des realen Luther geschickt – via Geocaching.

Wie kam Fischer darauf? „Während einer Predigt wurde das Thema Geocaching angesprochen“, sagt Fischer und erinnert sich an seine Begeisterung: Ein versteckter Gegenstand wird versteckt und mit Hilfe von GPS-Signalen und Koordinaten gesucht – vergleichbar einer Schnitzeljagd. „Ich dachte, daraus lässt sich etwas machen.“

7,5 Zentimeter misst der reiselustige Reformator

7,5 Zentimeter misst der reiselustige Reformator.

Quelle: dpa-Zentralbild

Als ein Mini-Luther als Playmobil-Figur auf den Markt kam, war die Sache für Fischer klar. Der junge Mann, der im Kirchenbüro seines Heimatdorfes unweit der polnischen Grenze arbeitet, versah die Figur mit einer Blechplakette – Travel Bug genannt – und Daten, die er ins Internet eintrug. „Da sieht man, wo die Figur ist, wo sie war und auch wo sie hin soll.“ Die Spielfigur hatte beim Kauf einen kleinen Lageplan bei sich mit 36 Stationen, die im Zusammenhang mit Luther (1483 bis 1546) stehen. „Den Plan habe ich genutzt und die Figur losgeschickt“, berichtet Fischer.

Wer Luther findet, muss ihn zum nächsten Reiseziel bringen

Wer die Figur findet, muss sie zu einem der nächsten Orte bringen und das im Internet vermerken. Fischer packte den Plastik-Luther in eine Plastikbox im Friedrichsthaler Wald an einen Grenzstein an der früheren Grenze zwischen Brandenburg und Vorpommern. Sein Vorhaben begann allerdings mit einem Fehlstart. Der erste Finder holte die Figur ab, trug sich aber nicht in das digitale Logbuch ein.

Die Figur war weg. Fischer kaufte ein Double. Kurz bevor er dieses verstecken wollte, tauchte die erste Figur wieder auf – in Leipzig. Seitdem reist Luther Nummer eins problemlos, Luther Nummer zwei steht auf Fischers Schreibtisch im Pfarramt Hohenselchow, das zur Nordkirche gehört.

Geistlicher ist begeistert

Pfarrer Matthias Jehsert vom Pfarramt Retzin (Mecklenburg-Vorpommern) findet das Projekt verrückt und genial zugleich. Schön sei, dass eine kommerzielle Idee mit einem bestimmten Inhalt verbunden werde, meint er. „Auf diese Weise wird Interesse am Thema Luther geweckt.“ Geocaching sei eine sehr moderne Organisationsform. „Leute treffen sich und machen etwas gemeinsam.“ Das sei gerade in Zeiten besonders wichtig, in denen abnehmende Bindungen an Institutionen, Vereine, Kirchen, Parteien beklagt werden. „Es findet sich eine Gemeinschaft freiwillig zusammen und macht etwas.“

Mehr als 400 Verstecke entdeckt

Geocaching als moderne Schnitzeljagd funktioniert seit gut 15 Jahren. „Verstecke gibt es genug“, sagt Fischer und zeigt eine Landkarte im Internet und ein ziemlich löchriges Deutschland. „Viele liegen an Bäumen, auch mal ganz oben oder in Röhren unter Autobahnen.“ Klettern und Tauchen gehört inzwischen für Profis oft zur Suche. Da reiche es nicht mehr, sich nur von Daten leiten zu lassen. Ohne Hilfsmittel werde kaum noch gesucht. „Die Ausstattung wird immer größer“, betont Fischer und zählt auf: Ausziehleiter, Taschenlampe, Warnweste...

Auch viele Kinder, die er während einer Rüstzeit ehrenamtlich betreute, machen mit. „Das ist eine Stimmung wie Ostern beim Eiersuchen“, beschreibt er deren Begeisterung. „Aber das Wichtigste ist, man wird an Orte gelockt, zu denen man sonst nicht hingehen würde“, sagt Fischer. Mehr als 400 Verstecke hat Fischer schon entdeckt, darunter einige im Ausland.

Doch zurück zum etwa 7,5 Zentimeter großen Reformator: Der pilgert weiter durch Deutschland. Wichtig sei, dass die Figur bis zum Reformationstag 2017 die 36 Stationen bereist hat, obwohl es wohl mehr Punkte gibt, an denen Luther einst war. „Ich bin gespannt, ob er das schafft“, sagt der Kirchenmitarbeiter. Wie geht es danach weiter? Vielleicht öffne er das Spiel und lasse die Figur weltweit reisen oder er schicke sie in die Uckermark zurück. „Vielleicht hat jemand Interesse an der Figur, vielleicht behalte ich sie auch selbst.“

Von Steffi Prutean

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