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Brandenburg Ein Paketbote erzählt: Darum streike ich
Brandenburg Ein Paketbote erzählt: Darum streike ich
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20:30 24.06.2015
Thomas Völker war immer gern Paketbote. Jetzt streikt er. Quelle: Detlev Scheerbarth
Potsdam

Tag für Tag bringt Thomas Völker (41) Kunden in Potsdam Pakete direkt nach Haus. Seit einem Vierteljahrhundert ist der Paketbote bei der Post. „Ich war immer stolz, bei einem Weltkonzern zu arbeiten“, sagt er und ergänzt: „Die Post stand für sichere Arbeitsplätze.“ Doch damit könnte bald Schluss sein. Denn Ende dieses Jahres laufen die mit der Gewerkschaft Verdi vereinbarten Kündigungsschutz-Regelungen aus – auch für Thomas Völker. Verlängert die Post seinen Vertrag nicht, droht ihm der Wechsel in die schlechter zahlende DHL Delivery GmbH. „Wie es dann weitergeht, weiß keiner“, so die Sorge des zweifachen Familienvaters. Aus Angst um seinen Arbeitsplatz beteiligt sich Völker am bundesweiten, unbefristeten Streik der Postboten. 2500 Mitarbeiter sind laut Verdi aktuell allein in Berlin und Brandenburg im Ausstand. Der Streik ist in dieser Woche in die dritte Woche gegangen.

Der Reiseführer für den Wochenendtrip, das Geschenk für den Geburtstag der Schwiegermutter, das Cocktailkleid für die nächste Gartenparty: Immer mehr Menschen bestreiten ihre Einkäufe heute im Internet und damit per Post. Denn die liefert bequem bis an die Haustür. Nach einer Prognose des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE) wird in Deutschland im Jahr 2015 rund 43,6 Milliarden Euro Umsatz mit Internetbestellungen erzielen. 2014 waren es noch 39 Milliarden.

Für die Zustellung der vielen Pakete braucht die Post Personal. Doch die Arbeitsbedingungen der Postboten sind im Laufe der Jahre immer härter geworden. Mittlerweile arbeiten 6000 Paketzusteller in neu gegründeten, so genannten Delivery-Regionalgesellschaften. Das sind Tochterfirmen der Post, in denen die Beschäftigten nicht mehr nach Haustarif, sondern – deutlich schlechter – nach den Tarifverträgen für die Speditions- und Logistikbranche bezahlt werden. Laut Post AG ist dies ein notwendiger Schritt, um langfristig mit der Konkurrenz im Paket-Geschäft mithalten zu können.

Entweder weniger Geld oder Arbeitsamt – dass Thomas Völker mal vor eine solche Wahl gestellt werden würde, hätte er nicht für möglich gehalten. Schon im Alter von 16 Jahren kam Völker, der mit Frau und Kindern im Potsdamer Ortsteil Neu Fahrland lebt, zur Post. 1990 begann er eine Lehre zum Postfacharbeiter. Nach der Ausbildung wurde er Paketzusteller. „Die Arbeit hat sich im Laufe der Jahre stark verändert“, sagt Völker. Die Zustellrunden seien zunehmend länger geworden – und das bei gleicher Arbeitszeit. An die 200 Pakete täglich muss Völker heute zustellen. Geht es nach seinen Arbeitgebern, soll Völker 20 Sendungen in der Stunde ausliefern – eine Arbeit, die kaum noch zu schaffen ist, wie er sagt. Es sei keine Seltenheit, dass nach Dienstschluss zwischen 30 und 40 Pakete übrig bleiben, so Völker. Und dass, obwohl er knapp zehn Stunden am Tag unterwegs ist. „Der Druck ist enorm, man geht oft unzufrieden nach Hause“, klagt er. Die ohnehin schon harten Arbeitsbedingungen würden sich mit dem drohenden Wechsel in die Delivery-Firmen noch einmal verschlechtern, befürchtet Völker: „Die Kollegen bei DHL Delivery werden behandelt wie Leibeigene, die arbeiten sechs Tage die Woche für weniger Geld“, klagt der Paketbote. Wertschätzung von Beschäftigten sehe anders aus. Deshalb solle die Post Schluss machen mit den ausgegliederten Subunternehmen und die Delivery-Kollegen wieder zurückholen in den Konzern. Dass das Unternehmen am Personal spare, „obwohl es ihm gut geht“, wie Völker sagt, ist in seinen Augen nicht akzeptabel. Tatsächlich erwirtschaftete die Post AG im vergangenen Jahr fast drei Milliarden Euro Gewinn. Das Unternehmen liegt damit in der Spitzengruppe der DAX-Unternehmen.

Die schlechter bezahlten Delivery-Mitarbeiter dürfen beim derzeitigen Streik übrigens nicht mitmachen. „Ich gehe auch für die Kollegen auf die Straße“, sagt Völker

Von Josefine Sack

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