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Brandenburg Legt das Kopftuch ab! Nein, tragt es mit Stolz
Brandenburg Legt das Kopftuch ab! Nein, tragt es mit Stolz
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10:36 25.08.2016
Symbolbild Quelle: dpa
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Potsdam

Nach der Kündigung einer Praktikantin, die ihr Kopftuch im Rathaus Luckenwalde nicht ablegen wollte, stellt sich nun die Frage, ob die Entscheidung von Bürgermeisterin Elisabeth Herzog-von der Heide (SPD) richtig war.

Contra Kopftuch: Religion ist Privatsache

Eines vorweg – ich habe nichts gegen das Kopftuch. Ich bin dafür, dass jeder seine Religion ausleben kann. In der Innenstadt, in der Kneipe, beim Bäcker, im Café. Aber bitte nicht in: Rathäusern, Schulen, Gerichten. Öffentlichen Einrichtungen.

Das Grundgesetz sieht in Artikel 4 vor, dass die ungestörte Religionsausübung gewährleistet wird. Das ist auch gut und richtig so. Im Supermarkt muss ich mitunter an der Kasse warten, weil eine Nonne ihr Kleingeld rauskramt, mein Nachbar ist Jude und trägt Kippa, freitags stecke ich oft im Stau, weil die Autos der Moscheebesucher kreuz und quer parken und sonntags werde ich von Kirchengeläut geweckt. Religion bestimmt meinen Alltag. Ob ich – Atheist – will oder nicht. Ich akzeptiere es.

Öffentliche Einrichtungen sollten aber frei von religiösen Einflüssen bleiben – keine Kreuze an der Wand, keine buddhistischen Gebetsglocken, aber eben auch keine Kopftücher. Religion ist Privatsache. Ein Beruf in öffentlichen Einrichtungen ist das nicht. Wer als Lehrer arbeitet, Pässe ausstellt, der steht in der Öffentlichkeit und sollte entsprechend neutral auftreten. Und ein Glaubenssymbol, ganz gleich welcher Art, würde diesem Neutralitätsgebot widersprechen. (Christian Meyer)

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In Luckenwalde (Teltow-Fläming) ist eine Frau am ersten Tag ihres Praktikums im Rathaus entlassen worden. Sie hatte sich geweigert, ihr Kopftuch abzulegen. Die Rathauschefin Elisabeth Herzog-von der Heide verteidigt ihre Entscheidung und begründet sie damit, dass Glaubenssymbole nicht im öffentlichen Dienst zu sehen sein sollten.

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Pro Kopftuch: Das Tuch geht den Staat nichts an

Religion ist nicht nur Privatsache, sie ist allgegenwärtig im täglichen Leben. Wir befinden uns im 21. Jahrhundert und sind eine multireligiöse Gesellschaft. Christen tragen Schmuck, der mit Kreuzen verziert ist, Buddhisten hängen tibetische Gebetsfahnen gut sichtbar an ihre Häuser, Kirchenglocken wecken die Bewohner sanft aus dem Schlaf. Religion hört aber nicht an der Schwelle zu öffentlichen Gebäuden auf. Auch dort arbeiten Menschen mit verschiedenen Weltanschauungen. Für viele sind Kreuze dort normal – warum sollte dann einer muslimischen Frau verboten werden, ein Kopftuch im staatlichen Dienst zu tragen?

Ein Verbot des Kopftuchs ist eine Ungleichbehandlung der Religionen und eine Diskriminierung der muslimischen Frau. Das Tuch geht den Staat nichts an. In Ländern wie den USA oder Großbritannien wäre diese Diskussion undenkbar, dort ist eine Antidiskriminierungskultur verankert. Schlimm ist, dass das Kopftuch Frauen in Deutschland oft daran hindert, einen Job zu finden. Eine Grenze ist jedoch dann überschritten, wenn das Gesicht nicht mehr zu sehen ist, wie etwa bei der Burka. Das ist, anders als das Kopftuch, ein Herrschaftsinstrument, um Frauen ihre Freiheit zu nehmen. (Melanie Höhn)

Von Melanie Höhn und Christian Meyer

Der Fall aus dem Luckenwalder Rathaus, wo einer palästinensischen Praktikantin wegen ihres Kopftuches am ersten Arbeitstag gekündigt wurde, ist der aktuellste einer langjährigen Debatte. Eine Berliner Lehramtsanwärterin klagte erst kürzlich gegen das dortige Kopftuchverbot. Und in Bayern ging es darum, ob Richterinnen Kopftuch tragen dürfen – oder nicht.

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