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Ein Superrechner heizt das Haus im Wald

Neubau im Wissenschaftspark Ein Superrechner heizt das Haus im Wald

Rund 20 Millionen Euro und drei Jahre Bauzeit, aber das Ergebnis kann sich sehen lassen. Der Neubau des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung auf dem Telegrafenberg überzeugt nicht nur ästhetisch. Mit seinen Dämmmaterialien und seiner unkonventionellen Wärmequelle wird das Haus auch ökologischen Anforderungen der Klimafolgenforscher gerecht.

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Pik-Direktor Hans Joachim Schellnhuber erhofft sich einen „Push“ für die Forschung.

Quelle: Foto: dpa

Potsdam. Wie ein Fort wirkt der erste Neubau des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (Pik) mit seiner gewellten Vorderseite und den schmalen Fenstern inmitten der Holzfassade. Drei Jahre Bauzeit und rund 20 Millionen Euro hat das Haus auf dem Potsdamer Telegrafenberg gekostet. Jetzt ist Platz für 220 Mitarbeiter in unmittelbarer Nähe zum Mutterhaus des Pik, das im ehemaligen Astrophysikalischen Institut auf dem Gipfel des Hügels steht.

Bund und Land fördern das Pik gemeinsam

1992 wurde

Gegenstand
der Forschung ist der Klimawandel aufgrund menschlicher Einflüsse und dessen Folgen für Natur und Menschheit.

14 Millionen Euro pro Jahr beträgt die Grundfinanzierung, das Geld kommt je zur Hälfte vom Bund und vom Land. Hinzu kommt eine ähnliche Summe an Drittmitteln.

Die Gäste, die Grußworte von einem Balkon des eigenwillig geformten Hauses sprechen, sind begeistert. Ob Brandenburgs Wissenschaftsministerin Sabine Kunst (SPD), Staatssekretär Stefan Müller vom Bundesforschungsministerium oder der Präsident der Leibniz-Gemeinschaft, Matthias Kleiner, sie alle bemühen Vokabeln wie „faszinierend“, „Maßstäbe setzend“ oder „besonders“. Pik-Direktor Hans Joachim Schellnhuber selbst nennt das Haus „unser Kleeblatt“. Tatsächlich: Der sich über fast 7000 Quadratmeter erstreckende Grundriss wirkt wie ein dreiblättriges Kleeblatt. Gerne hätte man auch vier Blätter gehabt, sagt Schellnhuber: „Da hat aber das Geld nicht mehr gereicht.“ Gereicht hat es für vier und an der Hangseite sogar fünf Geschosse mit Büros, Konferenzräumen, Treffpunkten im Flur und einem großen Hörsaal im Parterre. Herzstück des Hauses: Ein Hochleistungsrechner von IBM, der mit seinen 212 Billionen Rechenoperationen in der Sekunde zu den 400 leistungsstärksten Geräten weltweit gehört. 4,4 Millionen Euro hat allein dieser Supercomputer gekostet. Er soll den Pik-Forschern helfen, ein sogenanntes Integriertes Erdsystemmodell zu errechnen in das bisherige Forschungsergebnisse zu einer großen Gesamtsimulation einfließen werden. „Wir haben im Grunde genommen eine ganz neue Forschungsrichtung entwickelt“, sagt Pik-Chef Schellnhuber der MAZ. „Augenblicklich entwickeln wir Theorien über sogenannte Kipppunkte.“ Ein Kipppunkt ist zum Beispiel das Schmelzen der Eismassen Grönlands. Der Superrechner könnte solche Simulationen zusammenführen. Dabei wird er so heiß, dass er als einzige Wärmequelle im Winter das Gebäude mit seinem Kühlwasser heizen kann.

Auf diese Energiebilanz seines Entwurfs ist Architekt Stefan Tebroke stolz. „Es ist ein hochgedämmtes Gebäude“, sagt er. Verschiedene Materialen wurden probiert. Wie es sich für ein „Haus im Wald“ gehöre, sei die Außenwand aus Lerche gemacht. Als Dämmmaterial habe man an manchen Stellen Lehm genommen. „Der letzte Schrei“ in der Architektur seien veränderliche Wände, deren Wachsoberfläche schmelze, sobald es innen heiß wird. Dann kann der Putz Feuchtigkeit aufnehmen. Die Technische Universität Dresden wird das Gebäudeklima beobachten. Das Haus ist damit selbst Forschungsprojekt.

Von Rüdiger Braun

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