Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -3 ° wolkig

Navigation:
Ein Teufelchen mit Kameraauge

Informatik in Potsdam Ein Teufelchen mit Kameraauge

Das seltsame Gebilde aus Pappkarton und Elektronikbauteilen sieht noch etwas hilflos aus. Doch fünf Schüler beim Sommercamp des Hasso-Plattner-Instituts in Potsdam versprechen, dass der kleine Roboter zum Präsentationstermin nicht nur hübsch aussehen wird, sondern auch fünf Meter gerade ausfährt und eine schwarze Ziellinie erkennt.

Potsdam, Prof.-Dr.-Helmert-Straße 2-3 52.39363 13.13175
Google Map of 52.39363,13.13175
Potsdam, Prof.-Dr.-Helmert-Straße 2-3 Mehr Infos
Nächster Artikel
Dietmar Woidke ist „Homeland“-Fan


Potsdam. Die erste Übung hat wenig mit dem Bau eines Roboters zu tun. Die johlenden Schüler balancieren eng aneinandergedrängt, Schritt für Schritt auf einzelnen Papierblättern, die sie vom Ende der Reihe nach vorne reichen, über die Rasenfläche des Hasso-Plattner-Instituts (HPI) auf dem Campus Griebnitzsee in Potsdam. Zwei Gruppen wetteifern darum, wer mit einem Steg aus Steinen, sprich: Papieren, über einen reißenden Fluss, sprich: den Rasen des HPI, gelangt. Eine einfache „Team-Building“-Übung, erläutert der junge Student Tobias Dürschmid, der zusammen mit seinen Kommilitonen Ann Katrin Kuessner und Arne Boockmeyer die 40 Schülerinnen und Schüler aus ganz Deutschland betreut. „Sie kommen jetzt frisch vom Mittagessen, sie sollen den Kopf frei bekommen“, sagt Dürschmid. Bei dem fünftägigen Sommercamp für Schüler des HPI müssten die jungen Leute auch lernen, im Team zu arbeiten. Dafür eigne sich so ein Wettkampfspiel besonders.

Zum 5. Mal veranstaltet das HPI das Sommerkamp für 15 bis 19-jährige Schüler. Es ist ein praktischer Kurs in Informatik, aber auch ein Kennenlernen des Programmier- und Software-Entwickler-Studiums am Institut. Fast die dreifache Menge bewerbe sich jedes Mal, meint Dürschmid. Genommen würden die, die gerne in einer Gruppe arbeiten und in ihrem Anschreiben glaubhaft machen, dass sie sich wirklich für Informatik begeistern. In diesem Sommer geht es darum, einen kleinen Roboter zu basteln und so zu programmieren, dass er in einer Präsentation verschiedene Aufgaben bewältigen kann.

Dürschmids Ausführungen über den gruppenbildenden Charakter des kleinen Wettkampfs scheinen zuzutreffen. Kaum hat sich das sogenannte Roboterbau-Team „Rot“ bestehend aus zwei Schülerinnen und drei Schülern – bis auf dem 17-Jährigen Robin Pascal Quisbrok kommen alle aus Brandenburg – abgesondert und wieder in seinem Gruppenraum zurückgezogen, sind alle sofort hochkonzentriert. Auf dem Tisch steht ein eigenartiges aus Pappkarton bestehendes Gebilde auf Plastikrädern. Dieser Roboter sieht ehrlich gesagt noch etwas hilfsbedürftig aus. Platinen und Teile wie eine Minikamera hängen etwas unordentlich heraus. Doch schon macht sich der 16-jährige Alexander Schulze aus Plessa (Elbe-Elster) mit einer Patex-Tube an dem Gerätchen zu schaffen. Ja, die kleine Kamera und das Motherboard müssten jeweils einen Extra-Platz auf einer Ebene bekommen, sagt Schulze. „Das Motherboard?“ Nun ja, wie sagt man da? Die Hauptplatine halt.

Günther Oettinger zu Gast am HPI

Der Suchmaschinenbetreiber Google hat die EU-Kommission um Fristverlängerung für seine Stellungnahme zu einer formellen Beschwerde gebeten. Dies hat der EU-Kommissar für digitale Medien, Günther Oettinger, gestern bei seinem Besuch am Potsdamer Hasso-Plattner-Institut (HPI) mitgeteilt.

Die Kommission hatte im April Beschwerde gegen Google eingereicht. Der Konzern missbrauche seine Stellung zum Nachteil seiner Konkurrenten, weil er in seiner Trefferliste eigene Dienste bevorzuge.

 

Oettinger hielt gestern am HPI den Vortrag: „Die digitale Transformation – Wirtschaft und Gesellschaft“. Er sprach sich dabei auch für kleine Unternehmen aus – zur Schaffung eines wirklichen digitalen Binnenmarkts mit klaren Regeln und guten Chancen. HPI-Direktor Christoph Meinel ernannte den CDU-Politker anschließend zum „HPI Fellow“.

„Und wie läuft es so?“, will der betreuende Tobias Dürschmid wissen. „Teils, teils“, antwortet der 17-jährige Robin Pascal Quisbrok aus Bielefeld. „Wir gucken gerade, wie das mit der Kamera geht“, sagt er, während er in den PC ein paar Befehle eingibt. Erst vorhin habe er erfahren, dass man zunächst festlegen müsse, mit welcher Auflösung die Kamera des Roboters arbeiten soll, damit sie überhaupt funktioniert. Das gibt er jetzt ein. Die Kamera ist wichtig. Mit ihr soll der Roboter eine Ziellinie erkennen.

Die 16-Jährige Franziska Schneider macht sich derweil an schwarz-roter Pappe zu schaffen.„Er bekommt noch eine schöne Verkleidung“, erklärt sie. Ein kleines Teufelchen mit rot leuchtenden Augen soll der Roboter werden. Dass es bei dem Roboterbau auch auf das Design ankommt, hat die Gruppe erst gemerkt, als sie die Ideen anderer begutachteten. Eine Gruppe hatte einen Minion nach dem derzeit laufenden Animationsfilm gebastelt.

Von dem Sommerkamp hat die in Klettwitz (Oberspreewald-Lausitz) wohnende Franziska von ihren Lehrern erfahren. Seit einem Jahr hat sie auch Informatikunterricht. „Ich interessiere mich generell für Naturwissenschaften“, sagt sie. Und, ja, sie könne sich gut vorstellen, einmal am HPI zu studieren.

Besser als erwartet findet die 18-jährige Cosima Gulde aus Blankenfelde-Mahlow (Teltow-Fläming) den Kurs. „Ich hatte mit Informatik gar nicht so viel zu tun, aber hier habe ich sehr viel gelernt.“ Besonders die Jungs in der Gruppe hätten sie unterstützt. „Ich habe gemerkt, dass alles viel einfacher ist, als es aussieht.“ Habe man sich erst einmal Grundbegriffe der Programmiersprache angeeignet, sei alles ganz logisch. Auch für sie ist ein Informatikstudium jetzt „in den Kreis der engeren Möglichkeiten“ gerückt.

Betreuer Dürschmid weiß, dass viele Schüler über die Sommercamps zur Informatik und nicht zuletzt ans HPI finden. Und er weiß auch, was später einmal im Job eines Informatikers zählt. Bei der Präsentation am Dienstag müssen die Gruppen die Funktionen und die Vorzüge ihres Roboters anpreisen. Es geht auch darum, ein gut gemachtes Produkt an einen Kunden zu verkaufen.

Von Rüdiger Braun

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Brandenburg

Die olympischen Spiele werden künftig nicht mehr bei ARD und ZDF übertragen - eine gute Entscheidung?

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg