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Tschetschenen-Clan bereitet große Sorgen

Asylbewerber in Wittstock Tschetschenen-Clan bereitet große Sorgen

Brandenburg hat bisher rund 8000 Asylbewerber aus Tschetschenien aufgenommen. In letzter Zeit häufen sich gewaltsame Auseinandersetzungen mit Beteiligung von Tschetschenen. Die Polizei scheint machtlos. Die Landkreise versuchen, die Aufnahme von tschetschenischen Asylbewerbern zu verhindern. Auch der Innenminister macht sich Sorgen.

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Die tschetschenische Familie tanzt bei einer muslimischen Hochzeit auf dem Wittstocker Marktplatz im Oktober 2017. Die Feier endete in einer Prügelei – allerdings hatte zuerst ein betrunkener Deutscher die Hochzeitsparty gestört.

Quelle: Foto: Christian Bark

Potsdam. Neun Männer aus dem Nordkaukasus prügeln sich am Dienstag, 13.30 Uhr, vor dem größten Einkaufszentrum von Neuruppin (Ostprignitz-Ruppin). Ein 18 Jahre altes Mitglied der Tschetschenen-Familie M. wird festgenommen. Mitglieder der Asylbewerber-Familie waren schon am Samstagnachmittag auf dem Marktplatz von Wittstock an Handgreiflichkeiten beteiligt. Sie schlugen zu, weil sie sich von deutschen Jugendlichen „durch Räuspern“ provoziert gefühlt hatten, wie die Polizei meldete.

Eine achtköpfige Familie hält die Polizei in Atem. „Es ist ein Problem, hier ist der Rechtsstaat gefordert“, mahnt Toralf Reinhardt, Sprecher der Polizeidirektion Nord. Der Rechtsstaat dürfe „nicht länger ein Auge zudrücken“. Droht nach den Vorkommnissen von Cottbus ein weiterer offener Konflikt mit Asylbewerbern die gesellschaftliche Atmosphäre zu vergiften?

Familie M. ist bekannt

Die Sprecherin des Landkreises Ostprignitz-Ruppin, Britta Avantario, warnt zwar: „Es muss immer der Einzelfall betrachtet werden und es kann nicht auf eine ganze Bevölkerungsgruppe geschlossen werden.“ Die Behörden sind jedoch auf Hab-acht. „Wir sind da dran“, sagt der Leiter der Staatsanwaltschaft Neuruppin, Wilfried Lehmann. Man stimme sich eng ab mit der örtlichen Polizei und dem Landkreis. Die Staatsanwaltschaft kennt Familie M. gut, etliche Ermittlungsverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung, Nötigung, Diebstahls und Hausfriedensbruchs laufen.

Am 21. Oktober 2017 bereits machte ein betrunkener Wittstocker Bekanntschaft mit dem Clan. Die Tschetschenen hatten auf dem Marktplatz Hochzeit gefeiert, der Alkoholisierte tanzte mit – und erhielt einen Faustschlag ins Gesicht, ein junger Mann trat dem am Boden Liegenden gegen den Kopf.

„Man setzt auf körperliche Argumente“

Körperliche Gewalt ist unter den rund 8000 Zuwanderern aus Tschetschenien, die in Brandenburg leben, nicht selten. „Wir stellen fest, dass die Art der Konfliktlösung bei Menschen aus dem Nordkaukasus oftmals eine andere ist als bei uns – man setzt auf körperliche Argumente“, sagt Polizeipräsidiumssprecher Torsten Herbst.

Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) äußerte kürzlich, ihm bereite „der anhaltende Zustrom von Asylbewerbern aus den Kaukasusrepubliken, darunter viele Tschetschenen, Sorgen“. Etliche Landkreise weigerten sich im vergangenen Jahr, Tschetschenen aufzunehmen – sie meldeten einfach keine freien Unterkünfte ans Land. Der Landkreistags-Vorsitzende Wolfgang Blasig (SPD, Potsdam-Mittelmark) beklagt unter Tschetschenen eine „Tendenz zur Abschottung und eine Neigung dazu, sich ihren Platz in der Gesellschaft so zu erobern, wie es in ihrer Heimat üblich ist – das ist problematisch.“

Warum, fragen etwa auf Facebook viele Leser, wird ein gewalttätiger Clan nicht abgeschoben? Landkreis-Sprecherin Avantario weist darauf hin, dass „aufenthaltsbeendende Maßnahmen“ erst nach Gerichtsurteilen möglich seien. Bei Familie M. dürfte das nach MAZ-Informationen aber schon deshalb schwierig werden, weil zwei Familienmitglieder einen Aufenthaltstitel besitzen sollen. 2017 wurden aus Brandenburg laut Polizeipräsidium 245 Menschen in die Russische Föderation abgeschoben.

Lotta Schwedler vom Brandenburger Flüchtlingsrat warnt vor Pauschalurteilen. Die Situation der Asylbewerber sei schwierig: „Fast alle erhalten eine Ablehnung ihres Asylantrags. Dabei hätten viele Asylgründe“, so Schwedler. Flüchtlinge aus der Region seien „häufig Folteropfer, traumatisiert oder haben körperliche Behinderungen“.

Von Ulrich Wangemann

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