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Ein amerikanischer Traum wird wahr

Brandenburgerin erhält Staatsbürgerschaft der USA Ein amerikanischer Traum wird wahr

Trotz aller Krisen: Als Einwanderungsland steht Amerika weiterhin hoch im Kurs. Die gebürtige Brandenburgerin Steffi Kny hat sich ihren großen Traum erfüllt und ist jetzt amerikanische Staatsbürgerin. Noch dazu steht in diesem Herbst Nachwuchs an. Weil es Mütter aber in den USA alles andere als einfach haben, könnte die Neu-Amerikanerin schon bald nach Deutschland zurückkehren.

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Das Fähnchen gab’s gratis dazu: Steffi Kny ist nun Amerikanerin – und erwartet bald Nachwuchs.

Quelle: Foto: Stefan Koch

Washington. Das Fähnchen gibt es als Geschenk. Zwischen all den Dokumenten findet sich auch ein Brief von Präsident Barack Obama, in dem Steffi Kny als neue Mitbürgerin begrüßt wird. Nach mehreren Prüfungen ist es so weit: Die gebürtige Brandenburgerin erhält gemeinsam mit 120 Menschen aus aller Welt die amerikanische Staatsbürgerschaft.

Die Vereinigten Staaten, die vor mehr als 200 Jahren von Einwanderern gegründet wurden, gelten noch immer als Traumland für diejenigen, die einen Neustart wagen. Masseneinwanderungen gab es nicht nur im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Gerade in den vergangenen 25 Jahren verzeichnen die Statistiken wieder neue Höchststände: So wuchs die US-Bevölkerung seit 1990 von 250 auf etwa 310 Millionen Menschen an – zuzüglich der etwa elf Millionen Zuwanderer, die ohne gültige Papiere im Land arbeiten.

Um den ganz offiziellen Weg geht es in dem Gerichtsgebäude, das passenderweise an der „Constitution Avenue“ unweit des Kapitols liegt. Für drei Stunden steht der Justizbetrieb weitgehend still, um die frisch eingebürgerten Landsleute mit viel Pathos zu begrüßen.

Der Mythos Amerika lebt

Wie lebendig der Mythos Amerika ist, zeigt sich zumindest in diesen feierlichen Momenten. Als Richter Emmet Sullivan den Gerichtssaal betritt, ist ein babylonisches Sprachengewirr zu hören. Einige der künftigen Amerikaner unterhalten sich mit ihren Angehörigen und Freunden auf arabisch, andere auf rumänisch, russisch oder einer der vielen afrikanischen Sprachen. Einer der Saaldiener, der gebürtig aus Nigeria stammt, erlaubt sich einen Scherz und begrüßt Steffi Kny auf deutsch: „In meinem Beruf lerne ich aus unzähligen Sprachen ein paar Brocken“, sagt der Justizangestellte mit einem freundlichen Lächeln. Gerade die Deutschen würden sich nach wie vor auf den Einwanderungslisten finden lassen.

Dann gibt Richter Sullivan ein dezentes Zeichen, und es wird ernst. Die Gäste und Neubürger erheben sich, als sechs Soldaten in Paradeuniform in den Saal marschieren. Zwei Soldaten schultern ihre Gewehre, vier Soldaten tragen die Fahnen der USA und des District of Columbia. Als aus den Lautsprechern die Nationalhymne erklingt, lassen sich Alteingesessene und Neuankömmlinge an einer kleinen Geste unterscheiden: Die angestammten Amerikaner legen bei den vertrauten Klängen ihre rechte Hand aufs Herz, die Neuamerikaner lassen die Arme hängen und wirken etwas unsicher.

Steffi Kny nimmt an der traditionsreichen Zeremonie mit gemischten Gefühlen teil: „Meine Loyalität gilt mehr der Stadt Washington, als dem gesamten Land.“ Seit neun Jahren lebt die junge Frau nun schon in den USA - die meiste Zeit davon in Washington. Hier hat sie viele Freunde und Bekannte gefunden. „Sie sind modern und international orientiert. Wenn ich dagegen auf dem platten Land den Amerikanern begegne, fühle ich mich eher fremd.“ Ein Gefühl, dass sie auch aus Deutschland kennt: „Brandenburg und Berlin sind mir vertraut. Aber was verbindet mich mit München?“

Entspannt in die Zukunft

Der Zukunft in Amerika blickt Kny entspannt entgegen: Sie reiste 2006 als Studentin ein und absolvierte ihren Masterstudiengang. Als Sprachwissenschaftlerin fühlt sie sich für ein Leben in einem anderen Kulturkreis gut gewappnet. Nach fast einem Jahrzehnt in der neuen Welt will Kny das Leben in den USA allerdings nicht verklären: „Es geht hier recht hart zur Sache.“ Amerika biete zwar eine Menge Möglichkeiten für junge, gut ausgebildete und ehrgeizige Zuwanderer. Wer aber mit seinen Leistungen nicht beeindrucken kann, habe es schwer.

Trotz der scharfen Gegensätze zwischen Arm und Reich weiß Kny eine Charaktereigenschaft ihrer neuen Landsleute besonders zu schätzen: „Hier wird nicht viel gejammert. Und der Optimismus kann wirklich ansteckend sein.“

Leben und Arbeiten in den USA

Wer in die Vereinigten Staaten einwandern und dort arbeiten möchte, hat drei Möglichkeiten.

1. Die USA verlosen bei der sogenannten „Greencard-Lotterie“ jährlich bis zu 55.000 Visa.

2. Hochqualifizierte Fachkräfte können eine Aufenthaltsgenehmigung auf Beschäftigungsbasis bekommen.

3. Einreisen dürfen Familienangehörige von US-Bürgern, beispielsweise Kinder und Geschwister, sowie Ehepartner und Kinder von Personen mit Daueraufenthaltsgenehmigung.

Die Brandenburgerin, die in Königs Wusterhausen geboren und in Wildau aufgewachsen ist, geht ihren neuen Lebensabschnitt recht pragmatisch an: Da sie im Herbst ein Kind erwartet, kehrt sie – zunächst einmal – in ihre alte Heimat zurück. Die Hochzeit mit ihrem amerikanischen Lebensgefährten Mario ist für den Sommer geplant. „Als junge Mutter lebt es sich in Deutschland einfach besser“, sagt Kny.

Die Statistiken des Arbeitsministeriums sprechen tatsächlich eine eindeutige Sprache: Nur 13 Prozent der amerikanischen Frauen haben Anspruch auf bezahlten Mutterschutz. Und sogar langjährige Angestellte würden zumeist schon nach wenigen Wochen wieder in den Job zurückkehren. Ohnehin ist es in den USA üblich, dass Schwangere bis zum Tag der Entbindung arbeiten gehen. Ganz zu schweigen von den hohen Kosten für die medizinische Versorgung: „Wenn ich die Situation vergleiche, erscheint es mir leichter, wenn sich mein Mann für ein paar Jahre in Berlin einen neuen Job sucht. Als Softwareentwickler sollte das kein Problem sein.“ Ohnehin müsse im 21. Jahrhundert das Auswandern ja kein Abschied für immer bedeuten: „Wir leben auf beiden Kontinenten.“

Von Stefan Koch

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