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Brandenburg „Ein brillanter Kopf, markant und streitbar“
Brandenburg „Ein brillanter Kopf, markant und streitbar“
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12:11 07.01.2016
Klaus Ness ist im Dezember überraschend verstorben. Quelle: MAZ
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Potsdam

Der Platz des Chefs der größten Fraktion liegt besonders zentral. In der Plenarsaalmitte mit direktem Blick zum Rednerpult. Von dort schaltete und waltete Klaus Ness fast zwei Jahre lang. Am Mittwoch blieb dieser Platz leer. Nur ein großer Blumenstrauß erinnerte an ihn.

Im weiten Rund saßen fast alle Abgeordneten des Landtags, viele Landräte, enge Weggefährten aus der Partei und Freunde, um Abschied zu nehmen. Ness war am 17. Dezember nach massiven Herzproblemen völlig unerwartet im Alter von nur 53 Jahren gestorben. Ganz vorn saßen die Witwe Martina Gregor-Ness, mit der er acht Jahre verheiratet war, und ihre beiden erwachsenen Söhne. Die Besuchertribünen waren bis auf den letzten Platz gefüllt. Nur die AfD war von der SPD-Fraktion, die die Trauerfeier veranstaltete, ausdrücklich nicht eingeladen worden. Eine Geste, so glaubt man in der SPD, die wohl auch im Sinne von Ness gewesen war, der die rechtspopulistische Partei mit besonderer Schärfe bekämpft hatte.

Nach Potsdam gekommen war zahlreiche SPD-Bundesprominenz, darunter Vizekanzler und Bundesparteichef Sigmar Gabriel. Er nannte Ness einen „brillanten Kopf, markant und streitbar“. Gabriel: „Wir sind beide 1977 in Niedersachsen in die SPD eingetreten.“ Er erinnerte an einen Satz von Helmut Schmidt, den Ness offenbar besonders verinnerlicht habe: „Für eine erfolgreiche Politik brauche man Willen und Zigaretten.“ Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier würdigte Ness („ein knorriger Typ“) als einen Strategen, der nie abgehoben redete und immer vom Ende her gedacht habe. Sehr persönliche Worte über seinen Freund Klaus Ness fand Wirtschaftsminister Albrecht Gerber.

Die wohl bemerkenswerteste Rede an diesem Tag hielt CDU-Oppositionsführer Ingo Senftleben. Ness sei kein großer Freund der CDU gewesen, sagte er. „Wir erinnern uns schmerzvoll an manche seiner rhetorischen Zuspitzungen. Am schmerzhaftesten waren sie oft genau dann, wenn er im Grunde recht hatte.“ Senftleben, der von der SPD um eine Trauerrede gebeten worden war, bezeichnete Ness als „großen Politiker“, der das Land geprägt habe.

Bei der Auswahl der Trauermusik hielt sich die Fraktion streng an das, was Ness liebte. So waren Bruce „The Boss“ Springsteen mit „American Skin (41 Shots)“ und Eric Burdens „My Secret Life” zu hören – dargeboten als Orchestermusik von Mitgliedern der Jungen Philharmonie Brandenburg. Dazwischen trat Sebastian Krumbiegel auf, der auch Sänger der „Prinzen“ ist, und mit Ness befreundet war. Krumbiegel sang am Klavier zwei Songs, darunter „Die Welt ist unbezahlbar“.

Am Ende kamen noch einmal die jungen Musiker und spielten „Hymn“ von Barcley James Harvest. Diesen Song, erinnerte sich einer seiner engen Mitarbeiter, liebte Ness besonders, obwohl er gar nicht religiös war. In einer Zeile heißt es: „Versuch nicht zu Gott zu fliegen, denn du weißt, du kannst nicht mehr herunterkommen.“

Von Peine nach Brandenburg

Brandenburgs SPD-Fraktionschef Klaus Ness gehörte nach Jahrzehnten im Regierungslager zu den wichtigsten Führungskräften der Sozialdemokraten im Land. Als Fraktionschef der SPD im Landtag scheute sich der Kettenraucher auch nicht vor Seitenhieben. Dabei verschonte er weder die Opposition noch den SPD-Regierungspartner von der Linken.

Der 53-Jährige galt als Stratege und Mitgestalter vieler SPD-Wahlerfolge in Brandenburg. Er war lange Landesgeschäftsführer und Generalsekretär. Als der damalige Ministerpräsident Matthias Platzeck 2005 für wenige Monate SPD-Bundesvorsitzender war, begleitete Ness ihn als Abteilungsleiter ins Berliner Willy-Brandt-Haus.

Nachdem Dietmar Woidke als Platzecks Nachfolger Ministerpräsident wurde, wurde Ness 2013 Fraktionsvorsitzender der SPD im Landtag. Seine Wiederwahl 2014 war problemlos.

Schon mit 15 Jahren trat der spätere Diplom-Pädagoge den Sozialdemokraten bei. Er wurde 1962 in Peine geboren, fühlte sich aber längst als „echter Brandenburger“. Er war mit der Diplomingenieurin Martina Gregor-Ness aus Senftenberg verheiratet, die für die SPD im Kreistag Oberspreewald-Lausitz sitzt.

Unter den Trauergästen waren neben Gabriel und Steinmeier auch Arbeitsministerin Andrea Nahles, Bundestagsfraktionschef Thomas Oppermann und SPD-Generalsekretärin Katherina Barley. Gekommen waren auch die früheren Ministerpräsidenten Manfred Stolpe und Matthias Platzeck (alle SPD). An der Feier nahmen auch Brandenburgs Generalstaatsanwalt Erardo Rautenberg, Verfassungsschutzchef Carlo Weber und der Präsident des Landesverfassungsgerichts, Jes Möller, teil. Auch die Vorsitzende des RBB-Rundfunkrates und ehemalige Pröpstin der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Friederike von Kirchbach, nahm Abschied von Klaus Ness, der Mitglied des Rundfunkrates war.

Unter den Trauergästen waren unter anderem Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (hintere Reihe, rechts), Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (vorne, Mitte), SPD-Chef Sigmar Gabriel (vorne, rechts) und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (vorne, links). Quelle: Julian Stähle

Zum Tod von Klaus Ness

Am Donnerstagabend, 17. Dezember, bricht Klaus Ness im Landtag zusammen. Zwei Abgeordnete beleben den SPD-Poltiker wieder. Ness wird ins Krankenhaus gebracht.

In der Nacht zu Freitag stirbt Klaus Ness, die Ärzte konnten sein Leben nicht mehr retten.

Parteiübergreifend reagieren Politiker geschockt und erschüttert von der Nachricht, dass Ness gestorben ist. Er wird als prinzipientreuer Politiker gelobt, der sich vor allem im Kampf gegen den Rechtsextremismus engagiert habe. Außerdem habe er die gute Entwicklung Brandenburgs in den vergangenen Jahren maßgeblich geprägt.

Zwei Tage vor Ness’ Tod hat er MAZ-Volontäre zum Gespräch im Brandenburger Landtag empfangen. Eine Volontärin erinnert sich an das Gespräch.

Klaus Ness war noch lange nicht am Ende. Kaum einer prägte die SPD in Brandenburg derart. Ein Nachruf.

Strippenzieher, unerbittlich, klug, aber auch streitbar. Klaus Ness hinterlässt eine Lücke, die schwer zu füllen ist. Der stellv. Chefredakteur Henry Lohmar in einem Kommentar zum plötzlichen Ableben des Politikers.

Von Igor Göldner

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