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Brandenburg „Ein knorriger, aber klarer Konservativer“
Brandenburg „Ein knorriger, aber klarer Konservativer“
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17:07 08.02.2019
Jörg Schönbohm (CDU), Ehrenvorsitzender der CDU Brandenburg, im November 2018. Quelle: dpa/Hirschberger
Potsdam

Mit Trauer und Respekt haben Weggefährten auf den Tod des langjährigen brandenburgischen Innenministers und CDU-Vorsitzenden Jörg Schönbohm (CDU) reagiert. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) würdigte den gebürtigen Bad Saarower, der in Westdeutschland aufwuchs und eine militärische Laufbahn in der Bundeswehr absolvierte, als Politiker „mit starkem Willen und Standhaftigkeit“.

Mit Sensibilität, sachlicher Kenntnis und Sicht auf militärische Notwendigkeiten habe der Generalleutnant und damalige Befehlshaber des Bundeswehrkommandos Ost in Strausberg die westdeutsche Bundeswehr und die ostdeutsche Nationale Volksarmee zusammengeführt, betonte Woidke. Zehn Jahre lang habe er von 1999 bis 2009 als Brandenburger Innenminister verlässliche Regierungspolitik verantwortet.

Der frühere Brandenburger Innenminister und CDU-Landeschef Jörg Schönbohm ist gestorben. Ein Rückblick auf seine wichtigsten Stationen.

Woidke: „großer Patriot im besten Sinne“

Schönbohm war in der in der Nacht zu Freitag an den Folgen eines Herzinfarkts im Alter von 81 Jahren gestorben. Von 1998 bis 2007 hatte er den Landesvorsitz der CDU in Brandenburg inne. Nach einem Schlaganfall im Jahr 2012 lebte er zuletzt zurückgezogen in Kleinmachnow (Potsdam-Mittelmark).

Er sei ein „großer Patriot im besten Sinne“ gewesen, erklärte Woidke. „Er hat sich große Verdienste um die deutsche Einheit erworben.“ Schönbohm habe sich nie davor gescheut, auch unbequeme Wege zu gehen.

Senftleben: „Einer der großen Deutschen“

Mit Schönbohm verliert die Brandenburger CDU ihren Ehrenvorsitzenden. Seine Verdienste als Bundeswehrgeneral um die deutsche Einheit und als Politiker um das Land Brandenburg „machen ihn als einen der großen Deutschen der Nachkriegsgeschichte unvergessen“, sagte Brandenburgs CDU-Landeschef Ingo Senftleben. „Unsere Gedanken und Gebete sind in diesen schweren Stunden bei seiner Frau, seinen Kindern und seiner Familie.“

Ein überzeugter Brandenburger sei Schönbohm gewesen, teilte Brandenburgs früherer Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) mit. „Jörg Schönbohm war ein knorriger, aber klarer Konservativer, in der Zusammenarbeit bei allen politischen Unterschieden immer fair“, sagte er.

AKK: „Beeindruckende und streitbare Persönlichkeit“

CDU-Bundeschefin Annegret Kramp-Karrenbauer würdigte Schönbohms „beeindruckende und streitbare Persönlichkeit“. „Über viele Jahrzehnte hinweg hat er sich für unser Land eingesetzt, während seiner militärischen Laufbahn war er an entscheidenden Weichenstellungen für unsere Bundeswehr beteiligt", erklärte sie in Berlin.

Schönbohm habe „mit seiner geradlinigen und leidenschaftlichen Art die Brandenburger Politik entscheidend mitgeprägt“, erklärte Landtagspräsidentin Britta Stark (SPD): „Er war ein kämpferischer Demokrat, ein Konservativer im besten Sinne und ein bekennender Brandenburger, einer, der maßgeblich Verantwortung übernommen hat und schwierigen Situationen nicht aus dem Weg gegangen ist.“

Schröter: Sein Wort hatte Gewicht

Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) erklärte, Schönbohm habe in „preußischem Sinne für Verlässlichkeit, Pflichterfüllung und Disziplin“ gestanden. „Sein Wort hatte auch über Brandenburg hinaus Gewicht. Es verdient hervorgehoben zu werden, dass es in seiner Amtszeit gelang, den Rechtsextremismus in Brandenburg deutlich zurückzudrängen und zu schwächen. Da ließ es Schönbohm nie an Deutlichkeit fehlen. Und das haben auch seine Kritiker anerkannt. Auch das gehört zu seiner politischen Bilanz.“

Auch die Linke, die Schönbohm oft kritisiert hatte, würdigte dessen Engagement im Kampf gegen rechtsextreme Aufmärsche. „Auch wenn wir häufig Meinungsverschiedenheiten vor allem zur Beurteilung Ostdeutschlands, seiner Vergangenheit und Zukunft hatten, waren die Gespräche mit Jörg Schönbohm sachlich und im Ergebnis belastbar“, sagte der parlamentarische Geschäftsführer der Linksfraktion, Thomas Domres.

Von Torsten Gellner

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