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Einbußen bei der Getreideernte

Niedrige Erträge, steigende Kosten Einbußen bei der Getreideernte

Erst zu warm, dann zu trocken: Brandenburgs Getreide musste in dieser Saison vieles einstecken. Das schlägt sich nun auch in der Erntebilanz der Bauern wieder, wie der Landesbauernverband beim Abschlussgespräch in Paaren im Glien (Havelland) bestätigte. Die fallende Preise sind zudem längst nicht mehr nur Thema der Milchbauern.

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Udo Folgart, Präsident des Landesbauernverbandes

Quelle: Julian Stähle

Paaren im Glien. Unzählige Heuballen verteilen sich quer über dem Acker. Der Mähdrescher auf dem Stoppelfeld steht still. Seine Arbeit ist für dieses Jahr getan, denn die Getreideernte nähert sich dieser Tage offiziell dem Ende. 98 Prozent aller Ackerflächen in Brandenburg sind bereits abgeerntet. Am Mittwoch trafen sich Vertreter des Landesbauernverbands, des Gartenbauverbands und des Landwirtschaftsministeriums in Paaren im Glien (Havelland) zu einem Abschlussgespräch. Ihre Bilanz über die diesjährige Getreideernte fällt ernüchternd aus.

Zusammenkunft der Landwirtschaftsvertreter zum Ernteabschluss

Zusammenkunft der Landwirtschaftsvertreter zum Ernteabschluss.

Quelle: Julian Stähle

Auf knapp 500 000 Hektar haben die Bauern in diesem Jahr Getreide bestellt, berichtet Udo Folgart, Präsident des Landesbauernverbands Brandenburg. Das ergibt einen Flächenzuwachs von einem Prozent gegenüber dem Vorjahr. 31 000 Hektar davon seien ökologisch bewirtschaftet. Der Landesbauernverband schätzt die diesjährige Erntemenge auf etwa 2,7 Millionen Tonnen – ein Minus von 17 Prozent gegenüber 2014. Auch die Rapsernte ist mit 18 Prozent Verlust rückläufig. Das sei zwar aus statistischer Sicht ernüchternd, dennoch liege man über dem langjährigen Durchschnittsertrag, so Folgart.

Wassermangel macht sich in Ernteausfällen bemerkbar

Roggen ist wieder die wichtigste Getreideart in Brandenburg. Laut Bauernverband sei der starke Preisverfall der vergangenen Jahre vorerst gestoppt. Dafür mussten Roggen, Weizen und Raps in dieser Saison von der Aussaat bis zur Ernte einiges anderes einstecken. „Vor allem die Trockenheit hat uns zu Schaffen gemacht“, sagt Stephan Otten von der Agro-Glien GmbH in Paaren. Er weiß noch ganz genau, wann der langersehnte Regen kam – am 13. Juni. Das ganze Jahr, aber vor allem der Mai, waren sehr trocken, wie das Regendiagramm zeigt. Doch schon die milden Herbsttemperaturen zur Aussaat sorgten für einen starken Schädlingsbefall. „Nicht nur Schnecken und Kohlfliegen, sondern auch Mäuse haben viel Schaden angerichtet“, sagt Udo Folgart.

Nach der Ernte bleiben die Stoppelfelder zurück

Nach der Ernte bleiben die Stoppelfelder zurück.

Quelle: Julian Stähle

Vor allem die Sommerkulturen litten stark unter Wassermangel, stellenweise kam es im Ökolandbau zu Totalausfällen in der Ernte. „Erst an den letzten heißen Tagen konnten wir vernünftig ernten. Vorher mussten wir wegen Unwetter oft unterbrechen“, so Folgart weiter. Mit der Trockenheit einher gingen außerdem Wald- und Feldbrände. Stephan Otten richtet seinen Zeigefinger auf den angrenzenden Waldrand. Dort habe es erst vor einigen Wochen plötzlich gebrannt. Dank eines Grabens, den die Feuerwehr geschlagen hat, breitete sich das Feuer nicht weiter auf das Feld aus, das noch vor der Ernte stand. „Unterm Strich sind wir mit der Ernte zufrieden“, sagt Otten. Wegen der extremen Witterung habe man aber höhere Verluste erwartet.

Gurke bleibt Brandenburgs wichtigstes Gemüse

Auch die Obst- und Gemüsebauern haben in dieser Saison weniger geerntet als in den Vorjahren, sagt Jörg Kirstein, Präsident des Gartenbauverbandes Berlin-Brandenburg. Angefangen beim Spargel liegt der Ertrag etwa zehn Prozent unter denen aus dem Rekordjahr 2014. „Die Gurke ist und bleibt ein großes Thema für Brandenburg“, so Kirstein. 35 000 Tonnen Einlegegurken wurden bisher von den Feldern geholt. Problem sei der extreme Preisdruck und die Temperaturanfälligkeit der Gurke. Im Preis gefallen ist auch der Apfel. „Erzeuger bekommen höchstens 20 Cent pro Kilo. Da lohnt sich die Ernte kaum“, sagt Kirstein. Die Erdbeerernte hingegen sei überraschend positiv ausgefallen, während sich die Sauerkirsche schon seit Jahren nicht mehr rechne. „Auf kurz oder lang wird die Kirsche vom Brandenburger Markt verschwinden“, so Kirstein weiter. Allgemein bewegen sich die Erzeugerpreise auf dem Vorjahresniveau, während die Kosten steigen und die Erträge geringer werden.

Fallende Preise

Die Erzeugerpreise sind im Vorjahresvergleich auf breiter Front massiv eingebrochen. Die Verluste der Schweinehalter und Milchbauern sind laut Angaben des Landesbauernverbandes auch in Brandenburg hoch und mittlerweile im Acker- und Obstbau angekommen.

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Im Zuge der EU-Agarreform wurde die Milchquote zum 1. April abgeschafft. Seither können die Milchbauern ohne staatlichen Einfluss über ihre Produktionsmengen bestimmen. „Der Wegfall der Milchquote ist nicht am Preisverfall schuld“, so Udo Folgart. Es liege am Einbruch der russischen und asiatischen Märkte.

Die Proteste der Bauern sind aus Folgarts Sicht verständlich. „Ihnen fehlt die Liquidität und sie haben Angst vor Investitionen, weil sie bald kurz vor dem Aus stehen könnten“, sagt er.

Auf dem 12. Brandenburger Dorf- und Erntefest am 12. September in Schönwalde-Glien (Havelland) wird die Erntekönigin gekrönt. Bürgermeister Bodo Oehme rechnet mit 15 000 Besuchern.

Von Luise Fröhlich

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