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Brandenburg Eine Kette von Fehleinschätzungen
Brandenburg Eine Kette von Fehleinschätzungen
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02:15 05.03.2017
Das Wohnhaus der ermordeten Großmutter von Jan G. in Müllrose im Kreis Oder-Spree. Bei der älteren Dame hatte der psychisch Kranke phasenweise gewohnt. Quelle: foto: dpa
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Potsdam

Wie konnte Jan G. (24), verurteilter, psychisch kranker Gewalttäter, drei Menschen töten? Warum ließ man ihn in Freiheit? Wer trägt die Verantwortung für diese beispiellose Tragödie? Das fragen sich viele Menschen angesichts der Bluttaten von Müllrose und Beeskow (Oder-Spree), bei denen der schizophrene junge Mann nach eigenem Eingeständnis erst seine Großmutter und auf der Flucht zwei Polizisten tötete.

Warum legte die Staatsanwaltschaft, die Jan G. als „tickende Zeitbombe bezeichnet hatte, keine Rechtsmittel gegen das milde Urteil des Landgerichts Frankfurt (Oder) ein?

In Müllrose (Oder-Spree) ereignet sich am 28. Februar 2017 ein schreckliches Verbrechen. Dort ersticht der 24-jährige Jan G. zunächst seine Großmutter. Dann flieht er und überfährt auf der Flucht zwei Polizisten an einer Straßensperre in Beeskow, Ortsteil Oegeln.

Gegen das Landgerichts-Urteil hätte die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) nur Revision beantragen können. Das heißt: Überprüfung des Urteils auf rechtliche Fehler, also: auf Pannen während des Prozesses. Eine neue Beweisaufnahme wie in der Berufung wäre nicht möglich gewesen. Laut Staatsanwaltschafts-Sprecherin Ricarda Böhme war die Aussicht auf Erfolg im Falle einer Urteils-Anfechtung vorm Bundesgerichtshof aber klein. Denn, so Böhme: „Das Urteil war in sich schlüssig: Das Gericht folgte dem Gutachter.“ Und die Staatsanwaltschaften seien gehalten, den BGH nur bei Aussicht auf Erfolg anzurufen.

Was steht in dem psychiatrischen Gutachten, auf dem der Gerichtsbeschluss basiert?

Das Gutachten ist nicht öffentlich, aber das Gericht hat in seinem Urteil gegen Jan G. ausgiebig darauf Bezug genommen. Kernpunkt: Jan G. sei schizophren – eine Wahn-Krankheit, volkstümlich als gespaltene Persönlichkeit bezeichnet. Er sei schwer psychisch krank und nicht schuldfähig, denn er könne nicht steuern, was er tue. Der Sachverständige kam zu dem Ergebnis, Jan G. stelle eine „erhebliche Gefahr für die Allgemeinheit“ dar, ein vom Angeklagten angekündigter „erweiterter Suizid“ sei zu befürchten – also eine Selbsttötung, bei der andere Menschen mit in den Tod genommen werden sollen. Von „nicht kontrollierbaren Auswirkungen für Leib und Leben anderer“ spricht der Gutachter – und das mit erhöhter Wahrscheinlichkeit auch in der Zukunft. Deshalb müsse Jan G., der seit seiner Kindheit Anzeichen seelischer Krankheit zeigte, in die Psychiatrie. Allerdings befand der Gutachter, der Angeklagte – es ging um diverse Straftaten – könne eine Therapie in Freiheit antreten. Dieser Einschätzung schloss sich die Kammer an und setzte die Vollstreckung der Psychiatrie-Zwangsunterbringung zur Bewährung aus. Von „guter therapeutischer Beeinflussbarkeit des Angeklagten“ spricht der Sachverständige laut Urteilstext. Mit den richtigen Medikamenten und konsequenter Kontrolle lasse sich die Gefahr für die Allgemeinheit „auf ein erträgliches Maß minimieren“. Außerdem habe die abgesessene Haft wegen anderer Delikte den Angeklagten „beeindruckt“. Eine Reihe von, wie wir heute wissen, krassen Fehlprognosen.

So können Sie für die Hinterbliebenen spenden

Für die Hinterbliebenen der Todesfahrt von Müllrose ist ein Spendenkonto eingerichtet worden. Der Fonds ist benannt nach dem Brandenburger Polizisten Martin Heinze, der im August 1995 auf Zivilstreife von einem Einbrecher erstochen worden war.

Empfänger: Martin-Heinze-Fonds

IBAN: DE97 1705 4040 3000 6499 20

Verwendungszweck: Spende Hinterbliebene (und Absenderangaben für die Spendenbescheinigung)

Wurde der mehrfach vorbestrafte Täter in Freiheit kontrolliert?

Zu den Bewährungsauflagen, die Jan G. nach seiner Verurteilung befolgen musste, gehören unter anderem: Keinen Alkohol und keine Drogen mehr; Besuch der Psychiatrie im Klinikum Frankfurt (Oder) in 14-Tages-Intervallen; regelmäßige Einnahme von Medikamenten. Bei solchen Terminen wird unter anderem das Blut untersucht auf den Medikamentenspiegel und Drogenrückstände. Mit einem Bewährungshelfer musste Jan G. regelmäßig Kontakt halten. Einen Termin sagte er nach MAZ-Informationen telefonisch ab. Nach seiner Zwangseinweisung in die Bayreuther Psychiatrie – vorangegangen war eine Verkehrskontrolle, bei der Jan G. Drogen im Blut hatte – gab sich der Straftäter kooperativ. Er sei sogar über das Ende der Zwangsunterbringung hinaus in Bayreuth geblieben, heißt es aus Ermittlerkreisen. Dennoch beschäftigte der Vorgang aus Bayern das Landgericht Frankfurt (Oder). Die Kammer sah aber keinen Grund, Jan G. trotz seines aggressiven Verhaltens jetzt endgültig in die geschlossene Abteilung zu überweisen. Was beim Blick ins Vorleben auffällt: Schon nach der Haftentlassung 2014 nahm Jan G. seine Medikamente nicht und begab sich auch nicht in nervenärztliche Behandlung.

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Warum kehrte Jan G. seine Aggression gegen seine Großmutter?

Zur eigenen Oma muss der junge Mann ein besonderes Verhältnis gehabt haben. Schon nach seiner Haftentlassung lebte Jan G. in ihrem Haushalt. Die Frau aus Müllrose (Oder-Spree) nahm ihn nicht nur auf, sie unterstützte ihn auch finanziell. Beim Streit am Dienstag, in dessen Folge die 79 Jahre alte Frau tödliche Stiche in den Hals erhielt, ging es vermutlich um Geld. Wüste Drohungen hatte Jan G. in der Vergangenheit auch gegen seine Mutter ausgestoßen: Er wolle ihr und ihrem Lebensgefährten die Köpfe über der Badewanne abschneiden.

Von Ulrich Wangemann

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