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Eine Kurzgeschichte des Verbrechens

Ausstellung zu 25 Jahre Brandenburger Polizei Eine Kurzgeschichte des Verbrechens

Die wilden 90er-Jahre waren auch für die Polizei ein aufregendes Jahrzehnt. Das zeigt jetzt eine Ausstellung zu 25 Jahren Brandenburgischer Polizei im Potsdamer Landtag. Die Schau ruft düstere Bilder zurück ins Gedächtnis: Den Beelitz-Mörder, den mordenden Psycho-Ausbrecher Frank Schmökel und die Schlapphutbande.

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Der Beelitz-Mörder („Rosa-Riese“) Wolfgang S. (M.) wird nach einem Gerichtstermin 1992 abgeführt.

Quelle: FOTO: MAZ/Peter Sengpiehl

Potsdam. Ein Mädchenfahrrad, vom Pulverschnee bedeckt – es ist eines der Bilder, die sich ins kollektive Gedächtnis gebrannt haben. Das Rad gehört der zwölf Jahre alten Ulrike Brandt aus Eberswalde (Barnim) – sie ist am 22. Februar 2001 vergewaltigt und erdrosselt worden. Mehr als zwei Wochen lang sucht die Polizei das Kind – Tornado-Jets der Bundeswehr sind mit Infrarotkameras im Einsatz. Dann nimmt ein Polizeibeamter noch einmal die Akten zu Autodieben in die Hand – und landet einen überraschenden DNA-Treffer. Der Täter sitzt heute noch in Haft.

Fahrrad der 2001 verschleppten und ermordeten Ulrike Brandt (12)

Fahrrad der 2001 verschleppten und ermordeten Ulrike Brandt (12).

Quelle: Polizei

Es sind die schweren Kriminalfälle, die herausragen, schlendert man durch die Ausstellung „25 Jahren Polizei in Brandenburg“. Sie wird am Dienstag um 18.15 Uhr im Landtag von Hausherrin Britta Stark (SPD) eröffnet. Anlass: Am 1. November 1991 jährt sich die Geburtsstunde der Brandenburgischen Polizei – damals trat die „Verordnung über die Polizeibehörden“ mit der Unterschrift von Innenminister Alwin Ziel (SPD) in Kraft. Sechs Präsidien gab es damals – übrig geblieben ist heute genau eins. Mit knapp 17 000 Mitarbeitern startete die Volkspolizei 1990 im neuen Bundesland, ein Jahr später waren es noch knapp 10 000 – man hatte Pass- und Meldeangelegenheiten, den Strafvollzug, die Feuerwehr und andere Bereiche aus dem Zuständigkeitsbereich der Polizei heraus gelöst. Einige Stasi-belastete Beamte mussten den Dienst quittieren. Heute sind noch gut 8000 Beamte übrig – auch diese Geschichte erzählen die 37 Tafeln der Ausstellung.

Der Serienmörder „Rosa Riese“ war selbst Polizeiangestellter

Soviel von Reformen, der ersten Online-Wache Deutschlands und deutsch-polnischen Streifen die Rede ist: Viel interessanter ist die Chronik des Verbrechens, des Bösen – nachzulesen auf 13 der 37 Stehlen. „In den ersten zehn Jahren nach der Wende haben sich die schweren Verbrechen in Brandenburg geballt – eine gesellschaftliche Erklärung dafür kann ich aber nicht liefern“, sagt Präsidiumssprecher Torsten Herbst.

Unumgänglich: Der als „Rosa Riese“ in die Kriminalgeschichte eingegangene Polizeiangestellte Wolfgang S., der zwischen 1989 und 1991 in West-Brandenburg fünf Frauen und ein Baby ermordet – den Säugling einer russischen Chefarzt-Gattin schlägt er im Wald gegen einen Baum. 1000 Hinweis gehen bei der Polizei ein. Die Festnahme gelingt schließlich nicht den Fahndern, sondern zwei Jogger, die den Beelitz-Mörder im Wald niederringen. Er hat Frauenunterwäsche an.

Der mordende Ausbrecher Frank Schmökel ist Sohn eines Polizisten

Kopfschüttelnd steht man vor dem Fall des Polizistensohns Frank Schmökel, jenem mehrfach verurteilten Sexualverbrecher, dem nicht weniger als sieben Mal der Ausbruch aus Haft und Maßregelvollzug gelingt – wobei er in Strausberg am 2. November 2000 einen Rentner erschlägt.

Das Schicksal der 17 Jahre alten Maike Thiel bringt die Fahnder zur Verzweiflung. Die junge Frau ist im achten Monat schwanger, als sie am 3. Juli 1997 vorm Krankenhaus in Hennigsdorf verschwindet. Erst 2012 verplappert sich der Täter: Der Ex-Freund war’s – auch seine Mutter wird verurteilt wegen Anstiftung zum Mord. Maikes Leiche wird nie gefunden.

Leichenspürhund auf der Suche nach der verschwundenen Maike Thiel

Leichenspürhund auf der Suche nach der verschwundenen Maike Thiel.

Quelle: therbst

Ins Fadenkreuz von Kriminellen geraten Brandenburger Polizeibeamte, als sie sich mit der Schlapphutbande anlegen. In Freyenstein (Ostprignitz-Ruppin) durchsieben die Bankräuber, auf deren Konto 52 Raubüberfälle in den Jahren 2002 bis 2005 gehen, die Motorhaube eines Opel-Corsa-Streifenwagens.

Zwei Polizisten wurden ermordet

Bittere Erfahrungen müssen märkische Ermittler ausgerechnet bei der Suche nach einem Polizisten-Mörder machen: Wer in Lauchhammer am 23. November 2009 den Hauptkommissar Steffen M. mit Schlägen und Messerstichen vor dessen privater Garage tötete, ist bis heute ungeklärt.

In Potsdam wiederum ersticht ein mutmaßlicher Einbrecher am 20. August 1995 den 46 Jahre alten Zivilfahnder Martin Heinze. Der zur Tatzeit betrunkene Täter kommt vor Gericht mit 14 Jahren und sechs Monaten Haft davon. Heute kümmert sich der Martin-Heinze-Fonds um Angehörige von getöteten oder gesundheitlich schwer geschädigten Polizisten. Die beiden Fälle spielen in der Ausstellung zwar keine Rolle – vergessen hat sie aber keiner der gut 8000 Brandenburger Polizisten.

Von Ulrich Wangemann

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