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Einsamer Hund auf Raststätte

Tiere in Not Einsamer Hund auf Raststätte

Tierheime kennen das Phänomen: Immer wenn die Ferien beginnen, steigt die Zahl der ausgesetzten Tiere. Auch in den vergangenen Wochen mussten Tierheime der Region verdächtig viele herrenlose Tiere, darunter Hunde, Katzen und Meerschweinchen aufnehmen. Es könnten „Ferienopfer“ sein.

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Teresa Losiak vom Tierheim Zossen mit Findhund Tibo.

Quelle: Foto: Luise Fröhlich

Potsdam. Manche Märker haben drastische Methoden, wenn ihnen kurz vor dem Urlaub bewusst wird, wie lästig ihnen „Cäsar“ geworden ist. „Wir hatten vor etwa drei Wochen zwei Fälle von herrenlosen Hunden an der Raststätte Buckautal“, sagt der Leiter des Tierheimes Hoher Fläming, Mario Lindenborn. Da die Tiere kurz vor der Urlaubszeit gefunden wurden, liege der Verdacht „sehr nahe“, dass sie „Ferienopfer“ sind. „Solche Fälle häufen sich in der Ferienzeit“, sagt Lindenborn. Auch die vor 14 Tagen bei Groß Kreutz (Potsdam-Mittelmark) in einem Karton ausgesetzten und von Lindenborn aufgenommenen fünf Meerschweinchen passen ins Muster.

Die Entsorgung lästig gewordener Tiere kurz vor der Ferienzeit bestätigt auch Anja Themel vom Tierheim Potsdam. „Gerade zu Beginn der Sommerferien rufen Leute täglich bei uns an und fragen, ob sie ihre Tiere abgeben können.“ Während Themel außerhalb der Ferienzeit vielleicht zwei bis drei Anfragen pro Woche erhält, seien es vor zwei Wochen mit Beginn der Ferien schätzungsweise 15 bis 20 Anrufe gewesen. Dabei werde nicht etwa nach einer vorübergehenden Unterbringung gefragt. „Die meisten wollen ihr Tier loswerden“, sagt sie. „Viele überlegen eben nicht weiter, bevor sie sich ein Tier anschaffen.“

Tierfreunde helfen sich gegenseitig

Der Tierschutzbund betreibt seit einigen Jahren die Aktion „Nimmst du mein Tier, nehm’ ich dein Tier“. Dabei betreuen Tierfreunde ihre Tiere gegenseitig. Die örtlichen Tierschutzvereine, die Mitglied im Deutschen Tierschutzbund sind, helfen bei der Vermittlung von Urlaubsplätzen. Der Tierschutzbund hat auch ein Urlaubs-Beratungstelefon, das unter  0228/6 04 96 27 bis zum 11. September erreichbar ist.

Hunde zum Beispiel können selbstverständlich auch oft einfach mit auf die Reise genommen werden. Allerdings gibt es bestimmte Vorschriften, die erfüllt sein müssen. So braucht das Tier bei Reisen innerhalb der EU eine gültige Tollwutimpfung, eine Kennzeichnung und einen Heimtierausweis des Tierarztes.

Im Internet bietet das Portal www.hunde-hotels.de eine Suchmaschine für Hotels, in denen Hunde ausdrücklich willkommen sind und das Personal im Umgang mit den Tieren geschult ist. Außerdem weist die Seite auf für Hundebesitzer geeignete Reisen hin.

Manchmal geben Eltern auch einfach ihren Kindern nach, wenn diese plötzlich ein Kaninchen oder ein Meerschweinchen wollen. Erfahrungsgemäß verlören die Kinder bald das Interesse an den Tieren. Beim nächsten Urlaub suchten die Eltern dann eine Gelegenheit das Tier loszuwerden. Etwa 80 Prozent der Tiere, die im Potsdamer Tierheim aufgenommen werden, seien Katzen. Hinzu kämen Kaninchen, Meerschweinchen und Vögel. „Anfragen wegen Hunde hatten wir weniger.“

Themel sagt, dass die Anfragen eher aus den sozial schwachen Stadtteilen Potsdams wie dem Schlaatz oder Drewitz kämen. Dort könnten sich die Leute die relativ hohen Gebühren für die Tierpensionen meist nicht leisten.

„Es ist auch oft so, dass die Menschen nicht bedenken, dass Tiere zehn oder sogar 20 Jahre alt werden“, sagt Themel. Dies werde zum Pro­blem, wenn man dann plötzlich doch in den Urlaub wolle. Für die Aufnahme der Tiere reichten die Kapazitäten des in einem Bürohaus untergebrachten kleinen Heimes nicht aus. Die Tiere landeten meistens im Tierheim Zossen (Teltow-Fläming).

Diese wesentlich größere Einrichtung vermeldet allerdings derzeit keine vermehrten Anfragen oder Fälle von Aussetzungen. „Wir bemerken hier nicht, dass gerade Ferien sind“, sagt Mitarbeiterin Teresa Losiak. Allerdings falle der Fund eines Käfigs mit einem Hamster und zwei Meerschweinchen in Potsdam mit dem Ferienbeginn zusammen. „Es kann gut möglich sein, dass diese Tiere Ferienopfer wurden“, meint Losiak. Die rund 70 Katzen im Heim seien aber vor allem deswegen da, weil ihre Besitzer verstorben seien oder sich altersbedingt nicht mehr um die Tiere kümmern könnten.

Das Aussetzen von Tieren ist eine Ordnungswidrigkeit. In schlimmen Fällen kann eine Geldbuße von 25 000 Euro drohen. „Das Problem taucht aber jedes Jahr wieder auf“, teilt die Sprecherin des für den Tierschutz zuständigen Verbraucherschutzministeriums, Maria Strauß, mit. Amtliche Statistiken über die Zahl ausgesetzter Tiere gibt es nicht, trotzdem mahnt Strauß: „Ferien dürfen kein Grund dafür sein, Haustiere auszusetzen und sich so seiner Halter- und Betreuerpflichten zu entziehen.“ Wer sich ein Tier anschaffe, müsse wissen, ob er wirklich für dessen Wohl sorgen könne.

Von Rüdiger Braun

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