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Einzigartige Wetterfrösche in Lindenberg

Brandenburg beherbergt das erste Wettermuseum Deutschlands Einzigartige Wetterfrösche in Lindenberg

Im brandenburgischen Lindenberg vermessen Freizeit-Meteorologen das Wetter. Temperatur, Luftdruck und Windstärke ist ihr Metier, sie wissen, dass es 2014 so warm war wie niemals zuvor – zumindest solange es das örtliche Observatorium gibt. Zum Sommeranfang hat die MAZ dem deutschlandweit einzigen Wettermuseum einen Besuch abgestattet.

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Gabriele Weitzel, Bernd Stiller, Joachim Weitzel (v. l.) mit einem Pyranometer zur Messung der Diffusstrahlung.

Quelle: Jens Rümmler

Lindenberg. Das schwere Eisentor der Ballonhalle öffnet sich noch langsamer als der Vorhang einer Theaterbühne. „Start Wetterballon“, meldet eine Stimme aus dem Lautsprecher. Man könnte meinen, dass da gerade eine Forschungsrakete ausgefahren wird. Die jugendlichen Besucher, Schüler aus Fürstenwalde, sind plötzlich ganz still. Nur Tim ruft, ihn erinnere das an einen Countdown zum Shakira-Konzert. Aber statt der Popsängerin erscheint Sekunden später eine Frau vom Deutschen Wetterdienst (DWD) an der Eisenpforte, um kurz darauf eine Radiosonde per Ballon steigen zu lassen.

„Der Flugkörper erreicht eine Höhe von über 30 Kilometern und wird nach Temperatur- und Luftfeuchtemessungen dort platzen“, erklärt Joachim Weitzel vom benachbarten Museum für Meteorologie und Aerologie Lindenberg (Oder-Spree), das mit dem DWD kooperiert. Alle sechs Stunden würden die Ballone starten – und das zeitgleich an rund 600 Wetterstationen weltweit. Das Museum, betont Weitzel, sei das einzige in Deutschland. „Wir bieten kein Sammelsurium irgendwelcher Exponate, sondern eine Schau am authentischen Forschungsort.“ Zur Eröffnung des Observatoriums vor genau 110 Jahren kam Kaiser Wilhelm II. per Zug höchstpersönlich nach Lindenberg. 1936 wurde die Ballonhalle, in der man einst Drachen- und Fesselballons lagerte und befüllte, errichtet.

„2007 gab Sturm Kyrill diesem Holzbau den Rest. Unser Museumsförderverein rettete das historische Gebäude“, erzählt Museumschef Bernd Stiller sichtlich stolz. Heute gehöre das Gebäude zur Ausstellung, zu der auch eine interaktive Schau gehört. Ein Drachengespann erreichte von hier aus im Jahr 1919 eine Höhe von rund 9750 Metern. „Das ist bis heute Weltrekord bei Drachengespannen“, sagt Stiller, im Museum der einzige studierte Meteorologe. Dann erklärt er, von seinen Kollegen als „wandelndes Wetterlexikon“ bezeichnet, den Besuchern einzelne Exponate wie Höhenwindradar, Regenmesser und Wolkenhöhenmesser. Sie seien Beleg dafür, dass Lindenberg als Wiege der Höhenwetterkunde gilt.

Eine Prognose für den kommenden Sommer wagt Stiller aber nicht. Wer länger als zehn Tage vorhersage, sei entweder ein Gauner oder habe keine Ahnung, sagt der 59-Jährige und lacht. „Bei einer stabilen Wetterlage sind vielleicht acht bis neun Tage Vorhersage drin. Mehr wirklich nicht.“ Seine Prognose für diesen Sommer? Er vermute, der märkische Sommer werde, wie so oft, regnerisch bis heiß. „Nein im Ernst: Es gibt sogar Tage, da weiß man morgens nicht, wie es abends wird. Wie will man dann eine Periode von drei Monaten prognostizieren?“

Einige Bauernregeln seien dagegen durchaus sinnvoll, schaltet sich Joachim Weitzels Frau Gabriele ein: „Ist der November kalt und klar, wird mild und trüb der Januar.“ Tatsächlich folge einem November mit unterdurchschnittlicher Bewölkung in sieben von zehn Fällen ein milder und wolkenreicher Januar, darin sind sich die Lindenberger Wetterkundler mit den Experten von Unis und Wetterdiensten einig. Nach ein paar Experimenten im Schülerlabor stellen die Zehntklässler aus Fürstenwalde Fragen zum Klimawandel. Die Erderwärmung sei heutzutage unstrittig, erklärt eine Schülerin. Und Bernd Stiller ergänzt: „Die Auswirkungen auf Brandenburg sind aber seriös nicht zu benennen.“ Treibhauseffekte seien zwar auch für die Mark erwiesen. Dennoch würden Palmen infolge einer krassen Klimaveränderung hierzulande kurzfristig nicht zur heimischen Vegetation gehören. Auch eine kommende Versteppung sei wissenschaftlich nicht nachzuweisen, erklärt der Wettermann. Es existierten sogar Langzeitmodelle, die eher ein feuchteres Klima vorhersagen.“

Anschließend begleiten die Weitzels eine andere Schülergruppe übers Areal, das sich zum gefragten außerschulischen Lernort entwickelt hat. Am „Klimazaun“ machen sie halt. Die Konstruktion verdeutlicht, wie sich die Jahresmittel-Temperatur in 100 Jahren Lindenberger Wetteraufzeichnung veränderte. „Für jedes Jahr steht eine Holzlatte. Um so höher die Leiste aus dem Boden ragt, um so wärmer war das jeweilige Jahr“, erklärt Gabriele Weitzel. 2014 war demnach mit durchschnittlich 10,8 Grad das wärmste Jahr seit Bestehen des Observatoriums. Nur 1934 war es fast genauso warm. Ein weiterer Ausreißer war dem „Klimazaun“ zufolge das ungewöhnlich kalte Jahr 1940. „Es war das Jahr des sogenannten ‚Kriegswinters’“, erklärt Joachim Weitzel. Die Holzstreben, die für die vergangenen 30 Jahre stehen, ragen dagegen immer höher in den Himmel. Auch dies könne man als Zeichen eines Klimawandels deuten.

2006 öffnete Deutschlands erstes Wettermuseum

Richard Aßmann, der Entdecker der Stratosphäre, gründete 1905 das „Königlich-Preußische Aeronautische Observatorium“ in Lindenberg, das heute zum Deutschen Wetterdienst gehört.

Der Wettermuseumsverein widmet sich seit 2006 unter anderem der Historie von Wettervorhersagen. Eine Dauerausstellung zeigt auf 160 Qua­dratmetern, wie Meteorologen einst Temperatur, Luftdruck und Windstärke maßen. Die Schau verdeutlicht aber auch den Zusammenhang von Klimawandel, Öko-Belastung und eigenem Umweltverhalten.

Für die Sanierung historischer Anlagen, für den Museumsneubau sowie für die Ausstellung wurden laut Wettermuseum bislang 1,3 Millionen Euro ausgegeben. Weitere Informationen sind unter www.wettermuseum.de im Internet abrufbar.

Von Jens Rümmler

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