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Brandenburg Einzigartige salzige Sensation in Brandenburg
Brandenburg Einzigartige salzige Sensation in Brandenburg
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09:20 30.09.2016
Der Grabungstechniker Lorenz Höwing zeigt in Eichwerder eine Fundstelle, von der die Experten noch nicht sagen können um was es sich dabei handelt. Bei Ausgrabungen wurde ein Salzsiedeofen aus Lehm gefunden. Quelle: dpa-Zentralbild
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Eichwerder

Stillgelegt für die Spuren aus der Steinzeit: Eine idyllische Ruhe liegt über dem Örtchen Eichwerder (Märkisch-Oderland) mitten im Oderbruch. Über die Straße, die das 300-Seelen-Dorf teilt, fährt schon seit Monaten nichts mehr. Ursprünglich sollte die marode Ortsdurchfahrt bis Weihnachten erneuert werden. Doch seit dem Sommer rollt hier kaum ein Baufahrzeug. Denn ein Team von Archäologen hat mittlerweile die Regie übernommen.

Das sei eigentlich nicht so geplant gewesen, erläutert die Berliner Grabungsleiterin Blandine Wittkopp. Dann aber stießen Bauarbeiter mit Baggern auf Merkwürdigkeiten im Boden, wie sie es ausdrückt. „Und inzwischen haben wir hier ein völlig neues Bodendenkmal.“ Denn was die 50-Jährige und ihr 10 Leute starkes Team inzwischen freilegten, hat Sensationswert. Die Altertumsforscher entdeckten nicht nur ein Kindergrab aus der Steinzeit mit teils noch erhaltenen Knochen sowie Grabbeigaben wie einen Tonbecher, eine Steinaxt und ein Sortiment an Pfeilspitzen.

Archäologin Blandine Wittkopp in der Oderbruchgemeinde Eichwerder: Sie zeigt die Ausgrabungsstelle eines Salzsiedeofens aus Lehm. Quelle: dpa-Zentralbild

Man fand Anfang September auch die Reste mehrere Öfen aus der Eisenzeit, also rund 2500 Jahre alte Siedlungsspuren. Einer diente dem Brennen von Töpferwaren, ein anderer zur Herstellung von Holzkohle. Der dritte gab den Forschern zunächst Rätsel auf.

Salz kam nicht nur aus Sachsen-Anhalt, sondern aus der Mark

„Die Lehmwände wiesen eine massive Salzkruste auf“, beschreibt Wittkopp. Auch andere Siedlungsgruben waren mit Salzresten versetzt. Nach Ansicht der Experten auch aus dem Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege sind das Indizien dafür, dass in dem Ofen Solewasser in Pfannen so lange verdampft wurde, bis nur noch Salz übrig blieb.

Dass auf diese Weise in der Frühgeschichte auf dem Territorium Brandenburgs Salz gewonnen wurde, war bisher unbekannt, bestätigt Thomas Kersting, oberster Bodendenkmalpfleger der Behörde. „Wir glaubten bis jetzt, dass Salz als Ware aus Sachsen-Anhalt kam und nicht in der Mark selbst gewonnen wurde“, erläutert er.

Die Salzverkrustung an einem Stück Lehm des Salzsiedeofens. Quelle: dpa-Zentralbild

Was die Forscher nun aber noch herausfinden müssen, ist, woher das Solewasser stammte, dass in dem Ofen verdampft wurde. Denn im Überschwemmungsgebiet der Oder gab und gibt es keine Solequellen. Die Funde in Eichwerder beweisen, dass der einst von Wasserarmen der Oder durchzogene, deltaähnliche Landstrich nicht erst mit seiner Trockenlegung durch Preußenkönig Friedrich II. im 18. Jahrhundert besiedelt wurde.

Das Oderbruch war nicht auf dem Schirm der Forscher

„Das Oderbruch bestand aus Inseln, auf denen Fischer lebten“, sagt die Archäologin Wittkopp und weist auf die Straßenmitte, die kaum merkbar etwas höher als die Umgebung liegt. Wie zur Bestätigung haben sie und ihr Team 20 Zentimeter unter einer Salzkruste Schuppen und Gräten eines Fisches gefunden, der vermutlich mit Salz haltbar gemacht worden war.

„Eichwerder hatte aus archäologischer Sicht tatsächlich kein Experte auf dem Schirm“, bestätigt Kersting die Sensationsfunde aus Forschersicht. Die Konsequenz sei, dass auch andere Oderbruch-Orte künftig aus denkmalpflegerischer Sicht begleitend untersucht werden müssten.

Die Ausgrabungsstelle in Eichwerder. Quelle: dpa-Zentralbild

Die Kosten für diese Grabungen muss derjenige übernehmen, der das Bodendenkmal zerstört, etwa durch Bauarbeiten, erläutert der Bodendenkmalpfleger. Das sei im Brandenburger Denkmalschutzgesetz nach dem Verursacherprinzip geregelt, erläutert er. Im Fall Eichwerder ist das der Landesbetrieb Straßenwesen. Regenrohre sollen in das Straßenbett gelegt werden, Öfen und Steinzeitgrab müssen zuvor dokumentiert, vermessen und abgetragen werden. Die Funde kommen in das Magazin des Archäologischen Landesmuseums.

Eine etwa 5000 Jahre alte Steinaxt. Quelle: dpa-Zentralbild

Wie lange die Archäologen noch zu tun haben, vermag momentan niemand genau zu sagen. „Die von uns festgestellte Befundgrenze liegt außerhalb des Ortes in Richtung Wriezen. Wir haben also noch 250 Meter Straße zur Untersuchung vor uns“, erläutert Wittkopp.

Die Bewohner des ansonsten vom Durchfahrtsverkehr schwerer Laster geplagten Eichwerder freut es, sagt Ortsvorsteherin Jutta Werbelow. „Wir können endlich einmal mit offenen Fenstern schlafen.“ Seit Jahren habe der Ort für die Straßenerneuerung gekämpft. Da komme es auf ein paar Wochen mehr nun auch nicht mehr an.

Von Jeanette Bederke

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