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Elbe erreicht in Wittenberge Rekordhöchststand

Anwohner hoffen auf Polderflutung Elbe erreicht in Wittenberge Rekordhöchststand

Das Hochwasser an der Elbe in Wittenberge im Landkreis Prignitz steigt und steigt. 

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Quelle: Andreas König

Die Elbe hat am Sonntagnachmittag einen Stand von mehr als 7,80 Meter erreicht. So hoch stand der Fluss noch nie. Damit der Pegel zurückgeht, wurden am Nachmittag rund 30 Kilometer vor Wittenberge bei Quitzöbel sechs Havelpolder geflutet. Nun kann soviel Elbwasser in die Havel abfließen, dass bei Wittenberge der Pegelstand der Elbe um mehr als 30 Zentimeter sinken könnte. Ob das die gewünschte Entlastung bringt, ist aber unklar.

Das Wasser drückt weiter stark auf die Deiche. Weil in einigen Teilen Wittenberges nicht mehr für die Sicherheit der Anwohner gesorgt werden kann, wurde Samstagnacht mit der Evakuierung der Altstadt begonnen. Der Aufforderung, die keine Zwangsmaßnahme ist, betrifft rund 2500 Bewohner. Die verlassen aber nur zögerlich ihre Wohnungen.

Rund um Wittenberge bereiten nicht nur die Wassermassen den Helfern Sorgen. Auch die Schaulustigen werden zum Problem. Sie behindern oft Zufahrtswege. Bei der Polderflutung in Quitzöbel behinderten die vielen Gaffer die Arbeit der Hilfskräfte. Brandenburgs Innenminister Dietmar Woidke richtete daher deutliche Worte an die Schaulustigen. "Wir können niemanden gebrauchen, der da nicht hingehört", sagt er in Quitzöbel. "Die Schaulustigen sollen verschwinden - sofort." Der Innenminister drohte sogar mit einem Polizeieinsatz.
Durch die Öffnung der Wehre wird ein Rückstau des Elbwassers in die Havel verhindert. Die Havel mündet in die Elbe. Die Polder liegen rund 30 Kilometer vor Wittenberge bei Neuwerben und können etwa 250 Millionen Kubikmeter Wasser aufnehmen. "Um die Deiche zu entlasten, ist die Maßnahme notwendig geworden", sagte Brandenburgs Umweltministerin Anita Tack.

Bereits 2002, beim letzten vergleichbaren Hochwasser in der Prignitz, wurden zur Entlastung die Havelpolder geflutet. Werden die Schleusen geöffnet, würde Wittenberge deutlich entlastet, weil der Pegel der Elbe sich absinken würde. Die Flutung der Havelpolder würde sich aber auf die Bewohner von Rathenow (Havelland) auswirken. Dort könnten Keller mit Wasser vollaufen.

Polder sind von Deichen umgebene Gebiete, die bei Hochwasser absichtlich geflutet werden. Die ansonsten landwirtschaftlich genutzten Flächen liegen etwa 30 Kilometer vor Wittenberge bei Neuwerben. Sie können etwa 250 Millionen Kubikmeter Wasser aufnehmen.
Unterdessen wurde für das auch vom Elbehochwasser betroffene westliche Havelland vorsorglich Katastrophenalarm ausgerufen. Grund sei eine mögliche Gefährdung des Gebietes trotz geöffneter Polder durch unsichere Elbdeiche, betonte Landrat Burkhard Schröder (SPD). An die Einwohner in den Städten Rathenow und Premnitz sowie in den Gemeinden Rhinow und Nennhausen sowie im Milower Land werde appelliert, freiwillig Wohnungen und Häuser zu verlassen.

Ob die Deiche bei Wittenberge, die täglich mit Sandsäcken verstärkt werden, den Wassermassen Stand halten können, ist völlig ungewiss. Inzwischen ist der Pegel auf 7,73 Meter gestiegen. So hoch stand die Elbe noch nie. 2002 beim letzten vergleichbaren Hochwasser erreichte sie einen Stand von 7,30 Meter. Der höchste je gemessene Wert datiert aus dem Jahr 1880, damals stieg der Fluss auf 7,44 Meter. "Mit so einer Entwicklung konnte nicht gerechnet werden", sagt der Prignitzer Landrat Hans Lange. An den unsicheren und oft ungenauen Prognosen hat es am Sonntag Kritik gegeben.

In der Region bereiten sich die Anwohner auf das schlimmste vor und sichern die Deiche. Seit Sonnabend gilt in der Prignitz die höchste Alarmstufe. Etwa 2500 Einsatzkräfte, davon etwa 1000 Freiwillige, bemühen sich derzeit darum, die Deiche in der Prignitz zu erhöhen. „Wir sind auf eine Höhe von 8,45 Meter eingestellt“, sagte dazu am Samstag der Landrat Hans Lange.

Samstagnacht ist in Quitzöbel ein rund 30 mal 50 Meter langes Deichstück abgerutscht. Die kaputte Stelle musste repariert werden. Dabei kam ein Hubschrauber zum Einsatz, der aus der Luft riesige Sandsäcke abwarf. Als es für den Hubschrauber zu dunkel wurde, sicherten Helfer den abgerutschten Deich mit Sandsäcken.

In Wittenberge bleiben am Montag und Dienstag zwei Schulen geschlossen, auch eine private Kita wird wohl geschlossen bleiben. In der Nähe von Wittenberge, in Bälow und am Breeser Stepenitzgrund, sind bereits einige Grundstücke überflutet worden.
Während sich die Lage in der Prignitz zuspitzt, entspannt sich die Situation in Mühlberg im Elbe-Elster-Kreis zusehends. Dort sinken die Pegel kontinuierlich.  Am Sonntag lag er bei 9,19 Meter. Weil das Wasser aber immer noch enormen Druck auf die Deiche ausübt, bleibt der Katastrophenalarm in der Region bestehen. Auch können die Menschen noch nicht zurück in ihre Wohnungen. "Erst wenn sich der Pegel um die acht Meter bewegt, können wir von endgültiger Entspannung reden", sagte eine Sprecherin am Sonnabend zu MAZonline. Am Freitag waren Mühlberg und in der Nähe gelegene Ortschaften evakuiert worden. Wann die Anwohner wieder zurück können, ist noch unklar. Am Sonntag besuchte Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck die Stadt. Er bedankte sich bei allen Helfern, die sich um die Betreuung der Mühlberger kümmern. Die Fürsorge sei "extrem liebevoll".

In Brandenburg werden Rufe nach härteren Strafen gegen uneinsichtige Gaffer laut. Immer wieder behindern Hochwassertouristen die Arbeit von Helfern. Der Feuerwehrverband fordert daher hohe Bußgelder für Gaffer.
Ob die Flut auf Wittenberge trifft, kann erst am Montag gesagt werden. Viele Hotelbesitzer spüren die Folgen des Hochwassers schon jetzt. Ihnen bleiben die Gäste wege. Zusagen für Übernachtungen werden storniert.
Platzeck lobt Hochwasserschutz - Kritik vom BUND

Matthias Platzeck  hatte am Freitagmorgen den Hochwasserschutz im Land gelobt. In den vergangenen Jahren seien für über 400 Millionen Euro Deiche an brandenburgischen Flüssen neu gebaut worden. Dabei handele es sich um eine große Leistung „für ein so kleines und nicht so reiches Land“, betonte der Ministerpräsident. Nicht umsonst werde vom Deichbau als Generationenaufgabe gesprochen.
In den vergangenen Jahren sei beispielsweise die Oder „neu eingedeicht“ worden. Auch an der Elbe seien die Arbeiten fast abgeschlossen. Am sogenannten „Bösen Ort“ sei das größte Deichrückverlegungsprojekt Europas realisiert worden. „Aber es geht nicht alles gleichzeitig“, unterstrich Platzeck mit Blick auf die Prignitz.

Differenziert äußerte sich Platzeck zu der Frage, ob Individualinteressen beim Hochwasserschutz künftig stärker beschnitten werden müssten. Bei jeder Hochwassersituation höre er wieder, dass nicht auf Landwirte und Hauseigentümer gehört werden dürfe, die ihre Sicht in die Landschaft nicht durch Deiche verstellt haben wollten. Zwei Wochen nach dem Hochwasser herrsche dann regelmäßig schon eine andere Sicht. Wenn sich jetzt die Erkenntnis durchsetze, „dass der Einzelne zugunsten des Ganzen auch mal zurücktreten“ müsse, sei er schon froh, sagte Platzeck.
Der BUND Brandenburg kritisierte am Donnerstag den Hochwasserschutz. Es seien zwar 400 Millionen Euro ausgegeben worden. Doch statt den Flüssen mehr Raum zu geben, sei in den vergangenen Jahren in den technischen Schutz investiert worden, es wurden Deiche erhöht und Rückhaltebecken erweitert. „Anstatt die Möglichkeiten zu schaffen, dass Auen und Wiesen überflutet werden, wird in Kauf genommen, dass Städte und Siedlungen gefährdet werden,“ sagte der BUND-Landesvorsitzender Burkhard Voß. (MAZonline)

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