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Elche, Wölfe & Co. wandern über Grünbrücken

Brandenburgs Tierwelt Elche, Wölfe & Co. wandern über Grünbrücken

Sie sollen Wildunfälle verhindern und Tieren einen sicheren Weg über Straßen weisen: Grünbrücken verbinden Lebensräume, die von Verkehrswegen zerschnitten sind. An der A 9 bei Beelitz (Potsdam-Mittelmark) entsteht 2016 die neunte Wildtierüberführung der Mark. Weitere sollen folgen.

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Die älteste Grünbrücke der Mark steht seit 2005 an der A 11 im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin. Seither hat der Landesbetrieb Forst dort knapp 50.000 Tierquerungen gezählt.

Quelle: Landesbetrieb Forst

Potsdam. Anmutig streift sie durchs Gelände, als wäre nichts weiter dabei. Zielstrebig im Gang und doch ohne Eile, fast zu schnell für die Kamera, die gerade noch rechtzeitig auslöst, ehe die Sensation aus dem Objektiv verschwindet. Es ist der Morgen des 9. Juni 2014, kurz nach halb sechs, auf diesen Moment hat man in Brandenburg lange gewartet: Eine Elchkuh passiert bei Teupitz (Dahme-Spreewald) die A 13, kurz darauf folgt ihr Kalb – über eine Grünbrücke.

Im Juni 2014 wandert erstmals ein Elch über eine märkische Grünbrücke

Im Juni 2014 wandert erstmals ein Elch über eine märkische Grünbrücke.

Quelle: Landesbetrieb Forst

Mit Kamera, Infrarotscheinwerfer und Bewegungsmelder

Die Finanz- und Wirtschaftskrise hatte auch ihr Gutes, zumindest für die hiesige Tierwelt. Als der Bund im Nachgang des Zusammenbruchs der globalen Märkte das Konjunkturpaket II schnürte, spendierte die Bundesregierung drei neue Überführungen in Brandenburg, die allein Tieren vorbehalten sein sollen: Grünbrücken über die A 13, die A 9 bei Niemegk (Potsdam-Mittelmark) und die A 12 bei Briesen (Oder-Spree), jeweils ausgestattet mit Kamera, Infrarotscheinwerfer und Bewegungsmelder.

Die Bilder landen auf einem Rechner im Fachbereich 43, Waldschutz und Wildökologie, des Landeskompetenzzentrums Forst in Eberswalde (Barnim). Kornelia Dobiáš hat die Aufgabe, den Verkehr über die Grünbrücken und damit auch deren Erfolg zu messen. Acht solcher Bauwerke, jeweils gut 50 Meter breit, gibt es mittlerweile über Autobahnen und Bundesstraßen, dieses Jahr folgt Nummer neun, über die A 9 bei Beelitz (Potsdam-Mittelmark), für 7,5 Millionen Euro. Weitere Projekte sind in Planung.

Grafik

Grafik: MAZ/Scheerbarth

Quelle: Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung

10.000 Autos pro Tag: eine unüberwindliche Barriere

„Jedes Wildtier, das über eine Grünbrücke die Straße quert, landet nicht vor einem Auto“, sagt die 55-Jährige. Seit Jahrzehnten zerschneidet der Mensch mit Straßen und Bahnlinien die Lebensräume – die Grünbrücken sind der aufrichtige Versuch, das wenigstens ein Stück weit wieder gut zu machen. 10.000 Autos pro Tag genügen, um eine Straße für Wildtiere zur unüberwindlichen Barriere zu machen. Bei Teupitz, wo die Elche gesichtet wurden, sind es 45.000.

Auf ihrem Bildschirm hat Kornelia Dobiáš schon einiges zu sehen bekommen: Hirsche, Rehe und Feldhasen, zu Tausenden. Hin und wieder Wölfe, streunende Hauskatzen und einen Storch. Und viel zu häufig Reiterinnen, Fahrradfahrer und Langfinger, die es auf die Technik abgesehen haben. „Eine Grünbrücke sollte auch kein Testgebiet für Fahranfänger sein“, notierte Dobiáš lakonisch in ihrem jüngsten Jahresbericht. „Anthropogene Störungen“ sind ihr ein Ärgernis. In den ersten vier Monaten nach dem Aufbau der Kamera an der A 12 zählte sie mehr Menschen auf der Brücke als Tiere. Es braucht einen Tag lang, bis sich die Spur der „Brückentouristen“ verzieht und sich das Wild wieder hinüber traut.

Menschenwitterung hält Wildtiere einen Tag lang von der Passage ab

Überhaupt scheint sich die scheue Zielgruppe an die Passage erst einmal gewöhnen zu müssen. Trichterförmig senken sich die Brücken links und rechts der Straße in die Natur hinein. Sichtschutzwände vermeiden, dass sich die Blicke der Tiere in den Scheinwerfern verlieren. „Es ist nicht der Straßenlärm, der sie stört“, sagt Dobiáš. „Der ständig wechselnde Lichteinfall ist problematisch.“

Die meisten Daten hat die Wildökologin an der A 11 gesammelt. In neun Jahren zählte sie 47.000 Tierquerungen, ehe die Kamera gestohlen wurde. Dabei kann man mit der Technik kaum mehr anstellen, als die schwer zu ergründenden Wanderungsbewegungen von Wildtieren nachvollziehen.

Elche wandern 400 Kilometer durch Brandenburg

Die Elchkuh und ihr Kalb, die im Mai und Juni 2014 mehrmals in Brandenburg gesichtet wurden, müssen an 48 Tagen gut 400 Kilometer zurückgelegt haben. Von Polen nach Märkisch-Oderland, Oder-Spree, Dahme-Spreewald und zurück. Der Schnappschuss von Teupitz war der erste Nachweis von Elchen auf einer brandenburgischen Grünbrücke. Die A 13, so viel ist sicher, müssen die beiden auf ihrer Reise noch mindestens drei weitere Male überquert haben – und zwar unbeobachtet.

Von Bastian Pauly

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