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Silvio S. bricht sein Schweigen und bereut

Elias-Prozess in Potsdam Silvio S. bricht sein Schweigen und bereut

„Ich bereue, was ich getan habe“: Am elften und vorletzten Prozesstag hat der mutmaßliche Mörder der Jungen Elias (6) und Mohamed (4) sein Schweigen gebrochen und die Hinterbliebenen der Opfer um Entschuldigung gebeten. Silvio S. droht die Höchststrafe – die Verteidigung sieht dagegen keine Gründe für eine Sicherungsverwahrung.

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Der Angeklagte Silvio S. bedeckt sein Gesicht am vorletzten Prozesstag mit einem Hefter. Neben ihm stehen seine Verteidiger Uwe Springborn (l.) und Mathias Noll.

Quelle: Julian Stähle

Potsdam. Der mutmaßliche Kindermörder Silvio S. hat am vorletzten Prozesstag sein Schweigen gebrochen und bei den Hinterbliebenen der Opfer um Entschuldigung gebeten. „Ich bereue, was ich getan habe“, sagte er am Dienstag vor dem Landgericht Potsdam.
Der 33-Jährige muss sich für die Entführung, den Missbrauch und den gewaltsamen Tod von Elias (6) aus Potsdam und des Berliner Flüchtlingsjungen Mohamed (4) verantworten.

Silvio S. will sich in Haft ärztlichen Behandlungen stellen

In den letzten Worten, die dem Angeklagten vorbehalten sind, kündigte Silvio S. außerdem an, in der ihm bevorstehenden Haftzeit jedes ärztliche Behandlungsangebot wahrzunehmen, um weitere schwere Straftaten in Zukunft zu verhindern. „Egal, wie das Urteil auch ausfällt, die Verantwortung für die Taten und die Schuld am Tod von Elias und Mohamed wird immer bleiben.“ Seine Botschaft las Silvio S. hör- und sichtbar angespannt vom Blatt ab. Laut der Verteidigung ist die Initiative dazu vom Angeklagten selbst ausgegangen.

Bewegende Worte von Nebenklagevertreter Khubaib Ali Mohammed

Nach der Staatsanwaltschaft haben am Dienstag auch die Nebenklagevertreter und die Verteidiger ihre Plädoyers gehalten. Rechtsanwalt Khubaib Ali Mohammed, der die Mutter des getöteten Flüchtlingsjungen Mohamed vertritt, richtete bewegende Worte an den Angeklagten:

„Für meine Mandantin, Herr S., sind Sie die Bestie, die ihr auf niederträchtige Weise den Sohn genommen hat. Für die Öffentlichkeit sind Sie der Mörder mit Gummibärchen und Chloroform. Für mich sind Sie einfach das Schlechte und Verdorbene dieser Welt.“

Staatsanwaltschaft und Nebenklage fordern Höchststrafe

Alle Nebenklagevertreter schlossen sich der Forderung der Staatsanwaltschaft an, die am Montag auf Höchststrafe plädiert hatte – lebenslange Haft, Sicherungsverwahrung und das Feststellen von besonderer Schwere der Schuld.

Verteidigung sieht keine Gründe für Sicherungsverwahrung

Die Verteidigung fordert dagegen, dem forensisch-psychiatrischen Gutachten zu folgen und von einer Sicherungsverwahrung abzusehen, die grundsätzlich unbefristet ist. Auch hält sie eine besondere Schwere der Schuld nicht für gerechtfertigt. Missbrauch und Mord seien allein bei Mohamed erwiesen, bei Elias hingegen eine Spekulation, sagte Strafverteidiger Mathias Noll. Der Rechtsbeistand hatte Silvio S. geraten, sich im Prozess nicht zu den Vorwürfen zu äußern, nachdem er im Polizeiverhör Ende Oktober 2015 gestanden hatte, beide Kinder getötet zu haben.

Das Urteil wird für Dienstag kommender Woche erwartet.

Viele Fragen bleiben ungeklärt

Der Tathergang im Fall Elias wird wohl für immer ungeklärt bleiben. Silvio S. hat sich dazu niemals genauer eingelassen. Mit Blick auf ihre Mandantin, Elias’ Mutter, sprach eine Nebenklagevertreterin von einer „inneren Stille“ und „total beherrschenden Verzweiflung“.

Rechtsmediziner konnten den Tod von Elias nicht zweifelsfrei rekonstruieren. Indizien deuten allerdings auf eine brutale Vergewaltigung hin – vor oder nach dem Tod. Anders als im Fall Mohamed könnte das Gericht statt auf Mord auch auf Totschlag entscheiden.

Von Bastian Pauly

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Beweismaterial der Staatsanwaltschaft.

Das Landgericht Potsdam hat das Urteil gegen Silvio S. gefällt. Der Angeklagte wurde für den Mord am sechsjährigen Elias aus Potsdam sowie dem vierjährigen Mohamed zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt - jedoch ohne Sicherungsverwahrung. Der Liveticker zum Nachlesen.

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