Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -5 ° wolkig

Navigation:
Elias-Suche: Helfer geben nicht auf

Vermisst in Potsdam Elias-Suche: Helfer geben nicht auf

In einer beispiellosen Aktion suchen Potsdamer Bürger auch am Sonntag gemeinsam mit der Polizei nach Elias. Der 6-Jährige ist seit Mittwochabend verschwunden. Viele Menschen gehen dabei an ihre Grenzen. Manche glauben, die Polizei ignoriere Hinweise. Doch auch für die Polizisten ist das ein schwerer Job, der unter die Haut geht.

Voriger Artikel
Ohne Mehrheit keine Kreisreform
Nächster Artikel
Stau-Stress auf Brandenburgs Autobahnen

Viele Freiwillige suchen nach Elias.
 

Quelle: dpa

Potsdam.  Immer wieder durchstreifen sie die Straßen im Stadtteil Schlaatz, immer wieder gehen sie durch die Wiesen in der Umgebung, immer wieder kontrollieren sie das Ufer des angrenzenden Flüsschens Nuthe. Manchmal sind sie zu zweit, manchmal sind sie mehr. Sie tragen gelbe oder orangefarbene Westen, auf machen steht ADAC, auf manchen „Suche Elias“. Erschöpft sehen viele Helfer aus, die seit vergangenen Mittwoch nach dem kleinen Elias suchen. Ans Aufgeben denkt jedoch niemand. Jeder ist Teil einer beispiellosen Bürgerinitiative. „Wir suchen ein Kind unserer Stadt“, sagt Gabi Franz (47). Sie leitet den Einsatz der freiwilligen Helfer am Schlaatzer Bürgerhaus. In diesen Stunden rückt ein Stadtteil ganz dicht zusammen.

 Sonntag, Tag vier nach dem Verschwinden des sechsjährigen Elias: Noch immer suchen Polizei und freiwillige Helfer fast ununterbrochen nach dem Kind. Doch konkrete Spuren fanden sie trotz mehr als 200 telefonischer Hinweise nicht. Die Verzweiflung steigt. „Das geht schon unter die Haut“, zeigt auch Polizeisprecherin Jana Birnbaum offen ihre Gefühle. „Wir geben aber nicht auf und machen einfach weiter.“

Polizei weiter auf der Suche

 Auch wenn am Wochenende weniger uniformierte Beamte in der Siedlung zu sehen waren, arbeiten die Einsatzkräfte weiter. „Unser Schwerpunkt liegt in der Auswertung von telefonischen Hinweisen und Videomaterial aus Bussen, Bahnen, Supermärkten sowie Tankstellen“, sagt Birnbaum. Es gebe mehrere Stunden Filmmaterial.

Zusätzlich zu mehreren Zweier-Teams der Kripo sind auch wieder Spezialspürhunde unterwegs. „Fünf verschiedene Touren in und um den Schlaatz sind sie gelaufen“, erklärt Birnbaum. Gefunden wurde bis zum Nachmittag nichts.

Freiwillige packen jetzt die Lupe aus

Freiwilligen-Einsatzleiterin Gabi Franz ist sich sicher, „dass Elias hier noch irgendwo sein muss“. Zwischen den Plattenbauten im Schlaatz gebe es Kellergänge, unterirdische Versorgungsgänge, verwinkelte Ecken und Baustellen. Da sei es auch für die Spezialhunde sehr schwierig, sich zurecht zu finden.

„Nachdem wir alles ein paar Mal durchsucht haben, packen wir jetzt die Lupe aus. Wir gehen jetzt Millimeter für Millimeter vor“, sagte Franz. Allerdings gingen den Freiwilligen die Helfer aus, auch weil sich keine Kinder und Jugendliche mehr an der Suche beteiligen sollen. „Diese Aufforderung haben wir von der Polizei bekommen. Denn je mehr Tage vergehen, desto mehr müssen wir damit rechnen, dass wir Elias nicht mehr fröhlich lächelnd finden werden“, so Geromé James von der Freiwilligen-Einsatzleitung.

Spenden für die Freiwilligen

Aber es springen neue Helfer ein. Am Wochenende machte sich eine Freiwillige Reiterstaffel aus umliegenden Vereinen auf die Suche nach Elias. Sogar Helfer aus Polen, die über Facebook von den Suchaktionen erfahren hatten, sind im Schlaatz unterwegs. Rettungskräfte des Deutschen Roten Kreuzes geben Anleitungen, damit die Suche auch gut funktioniert. Hotels und viele Betriebe spenden für die Versorgung der Helfer, Tankstellen bisher leider nicht, sagt Franz. Viele Unterstützer hätten ihren Tank auf der Suche nach Elias mehr als einmal leer gefahren.

Gabi Franz ist sehr stolz auf das, was die Bürger hier bewegen. Darum hätte sie sich auch Anerkennung aus dem Rathaus für die vielen Helfer gewünscht. Leider Fehlanzeige. Weder Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) oder einer seiner Stellvertreter meldeten sich. Franz: „Für die Motivation wäre das so wichtig.“

Ernstzunehmende Hinweise auf ein Verbrechen oder familiäre Probleme gibt es laut Polizei bislang nicht. Ein Zusammenhang mit der seit Anfang Mai in Sachsen-Anhalt vermissten fünfjährigen Inga, von der ebenfalls jede Spur fehlt, sei ebenfalls nicht zu erkennen. Inga war in einem Wald bei Stendal verschwunden, etwas mehr als 100 Kilometer von Potsdam entfernt.

Familie von Elias emotional am Ende

Die Familie von Elias ist emotional am Ende und wird von Experten betreut. „Es geht allen sehr schlecht, viele Tränen sind geflossen“, sagt Anja Berger. Sie ist eine enge Freundin der Familie und hat die Facebook-Seite Newsticker Suche Elias ins Leben gerufen. Anita S. (25), die Mutter des kleinen Elias sei mehrfach zusammengebrochen. Die evangelische Kirchengemeinde und eine Seelsorgerin der Polizei kümmern sich um die junge Frau und den Rest der Familie. Sie stünden unter Schock, könnten kaum essen und trinken. Trotzdem zeigte sich Elias Mutter Sonnabend überwältigt von der Anteilnahme der Potsdamer. Sie bedankte sich selbst bei den Helfern und ließ sich von Gabi Franz in die Arme nehmen. Allein Freitag waren 700 Menschen freiwillig bis spät in die Nacht im Einsatz.

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) prangerte die Gleichgültigkeit von Passanten und Spaziergängern an. „Das ist ein Phänomen, das wir immer wieder beobachten: Dass Menschen, die eigentlich etwas sehen müssten, das nicht zur Kenntnis nehmen“, sagte der Vize-Vorsitzende der Kriminalbeamten, Ulf Küch. „Vielen Menschen ist es offenbar egal, was um sie herum passiert.“

Die Suche nach Elias

Alle Informationen zur Suche nach Elias finden Sie im MAZonline-Spezial:

MAZ-online.de/elias >

Rückruf von der Polizei

Ziemlich pauschal findet die Potsdamerin Erika Raulf diesen Vorwurf. „ich bin sicher, dass ich aus der Straßenbahn heraus Elias am Sonnabend vor dem Supermarkt in der Breitscheid-Straße gesehen habe, wie er in Richtung Bahnhof Babelsberg gelaufen ist “, sagt sie. Sofort hätte sie die Polizei über Handy informiert. „Eine halbe Stunde später ruft die Polizei mich an und will noch mal genau wissen, wo ich den Jungen gesehen habe. So kann man doch nicht mit Hinweisen der Bürger umgehen“, ereifert sich Erika Raulf.

Polizeisprecherin Birnbaum erklärt, dass solche Gegenprüfungen nach Hinweisen notwendig und üblich seien. „Zwar wird dem Hinweis sofort nachgegangen, denn die Bundespolizei ist auch auf und an den Bahnhöfen im Einsatz, aber durch Rückrufe an Bürger mit Hinweisen prüfen wir den Kontakt und die Angaben.“ Es würden eben nicht nur ernst gemeinte Hinweise kommen, bedauert sie. „Das macht unsere Arbeit schwieriger.“

Von Regine Greiner

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Vermisst in Potsdam, Stand Sonntag

Im Fall des in Potsdam verschwundenen Elias gehen weiter Hinweise bei der Polizei ein. Doch eine Hoffnung hat sich zerschlagen: Videoaufnahmen aus Überwachungskameras geben bisher keinen Hinweis auf den Verbleib des Jungen. Potsdam muss auch nach dem Wochenende weiter bangen.

mehr
Mehr aus Brandenburg

Die olympischen Spiele werden künftig nicht mehr bei ARD und ZDF übertragen - eine gute Entscheidung?

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg