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Elias und Mohamed mussten qualvoll sterben

9. Prozesstag gegen Silvio S. Elias und Mohamed mussten qualvoll sterben

Elias, 6, und Mohamed, 4, mussten ein Martyrium durchleben: Die Jungen wurden entführt, gequält, missbraucht und grausam ermordet. Allein Silvio S. kann beantworten, wie die beiden zu Tode kamen. Doch der Angeklagte schweigt. Keine Erklärung, keine Einsicht, keine Entschuldigung.

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Das „Spielzeug“ des Silvio S.

Potsdam.  Zwei Kinder sind tot. Gequält, missbraucht, grausam ermordet. Wie es dazu kam, kann nur einer verlässlich beantworten. Aber Silvio S. schweigt. Keine Erklärung, keine Einsicht, keine Entschuldigung. Nur dieses Kopfschütteln, immer wieder, wenn es um die erschütternden Einzelheiten der ihm zur Last gelegten Morde geht. Als Polizisten schildern, wie sie ihn im Verhör erlebten. Als zur Sprache kommt, er habe den Missbrauch an Puppen durchexerziert. Als Sachverständige über die Umstände spekulieren, wie die beiden Jungen zu Tode gekommen sein müssen. Silvio S. schüttelt den Kopf.

Liveticker vom 9. Prozesstag

Wie sein Verhalten zu deuten ist, bleibt für Beobachter wie Beteiligte im Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder von Elias, 6, aus Potsdam und dem Berliner Flüchtlingsjungen Mohamed, 4, ein Rätsel. Am neunten Prozesstag am Dienstag vor dem Potsdamer Landgericht haben sie alle noch einmal eindringlich an Silvio S. appelliert – der Vorsitzende Richter, der Staatsanwalt, die Nebenklagevertreter, der psychiatrische Gutachter.

Er könne den Spekulationen ein Ende bereiten, heißt es. Bislang will er es nicht, weil seine Verteidiger es ihm so raten, aber vielleicht könnte er es auch gar nicht. Wer vermag es schon, in diesen Menschen hineinzuschauen, der von sich im Prozess kaum mehr preisgegeben hat als seine offensichtliche Vorliebe für graue T-Shirts und die Neigung, sich bei den widerlichsten Details noch deutlicher als sonst zusammenzukauern und die Ohren zuzuhalten.

Berührt ihn der Tod von Elias und Mohamed? Am Dienstag haben zwei Rechtsmediziner ihre Gutachten vorgestellt, darunter der renommierte Rechtsmediziner Michael Tsokos von der Berliner Charité, der Elias’ Leichnam untersucht hat. 20.000 Obduktionen hat er hinter sich, dieser Fall lässt auch ihn nicht emotionslos zurück. Dreimal hat er Vergleichbares gesehen, dreimal gestanden die Täter sexuellen Kindsmissbrauch. Der Rechtsmediziner hat festgestellt, dass Elias brutal missbraucht wurde. „Todesursache ist ein gewaltsames Ersticken.“ Wann genau der Junge sterben musste, bleibt offen. Nach seiner Verschleppung am 8. Juli 2015 könne er noch „mehrere bis viele Stunden“ überlebt haben – „ob das acht oder 20 Stunden waren, das kann ich nicht sagen“.

Silvio S. soll Elias eine Maske und eine Halskrause angelegt haben, in dem Körper des Opfers fand Tsokos Schlafmittel und Chloroform, das betäubend wirkt. Auch Mohamed war auf diese Weise ruhiggestellt worden, bevor er hinterrücks mit einem Gürtel stranguliert wurde, wie die Obduktion seines Leichnams ergab. Der Missbrauch liegt im Videobeweis vor, anders ist es bei Elias. Ob der wehrlose Junge schon tot war, als sich Silvio S. an ihm verging, ist ungewiss. Für Tsokos scheint es jedoch „plausibel und wahrscheinlich“, dass Elias während des Missbrauchs zu Tode kam.

Das Gericht muss diese Spekulationen anstellen, weil es anders nicht zu einem Urteil kommen kann. Es geht auch um das Strafmaß und die Frage, ob Silvio S. nach Verbüßung einer Haftstrafe in die Sicherungsverwahrung muss.

Streit um rechtsmedizinisches Gutachten

Das Gutachten des Rechtsmediziners Michael Tsokos wird von der Verteidigung von Silvio S. ein einzelnen Passagen angezweifelt. Für Rechtsanwalt Mathias Noll ist nicht eindeutig erwiesen, dass Elias stranguliert und kurz vor seinem Tod vergewaltigt worden ist.

Dem Vorwurf entgegnete Tsokos am Dienstag mit der Aufforderung, die Zweifel mit einer fachlichen Expertise zu untermauern. Ein Gegengutachten hat die Verteidigung bislang nicht beantragt. Der Prozess wird am kommenden Montag fortgesetzt.

Ist es auch denkbar, dass Elias an einer Überdosis Chloroform gestorben sei, also unabhängig von dem Missbrauch? Ja, antwortet Tsokos der Verteidigung. Staatsanwalt Peter Petersen platzt dabei der Kragen. „War’s denn so, Angeklagter?“, ruft er in den Saal, in dem die allgemeine Beklemmung fast schon greifbar ist. Immer wieder mustert der Ankläger sein Gegenüber, doch Silvio S. sieht erschrocken weg, als sich die Blicke für einen Moment kreuzen.

Bevor er die Verhandlung schließt, bittet Richter Theodor Horstkötter den Angeklagten, ihm in die Augen zu sehen. Silvio S. hat noch immer die Möglichkeit, sich zu erklären. Wenn nicht im Landgerichtssaal, dann gegenüber dem psychiatrischen Gutachter Matthias Lammel. Der hat sein Gesprächsangebot erneuert. Am kommenden Montag wird er erklären, ob er Silvio S. für schuldfähig hält oder nicht.

Liveticker vom 9. Prozesstag

Von Bastian Pauly

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