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Elitesoldaten sollten Potsdamer Geisel befreien

Stefan E. war Gefangener der Taliban Elitesoldaten sollten Potsdamer Geisel befreien

Neue Details über die Entführung des Potsdamer Entwicklungshelfers Stefan E. Das Verteidigungsministerium wollte den von Taliban verschleppten 37-Jährigen mit Elitesoldaten befreien, berichtet „Der Spiegel“. Der Fall zeigt: Die Bundesregierung will bei Geiselnahmen härter vorgehen, statt die Kriegskassen von Terroristen mit Lösegeldzahlungen aufzubessern.

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Bundeswehrsoldaten im Einsatz nahe Kundus.

Quelle: dpa

Potsdam. Die Bundesregierung wollte den entführten Potsdamer Entwicklungshelfer Stefan E. (37) mit einer Militäraktion befreien. Das geht aus einem vertraulichen Papier aus dem Verteidigungsministerium hervor, aus dem der „Spiegel“ zitiert. Danach bereiteten die deutschen Sicherheitsbehörden bereits wenige Tage nach der Entführung des Potsdamers Mitte April eine „militärische Option zur Befreiung des Entführten“ vor. Der Einsatz verzögerte sich jedoch laut „Spiegel“, da die Amerikaner Bedingungen zur Unterstützung mit einem Helikopter stellten. Stefan E. konnte sich am Ende selbst befreien.

Taxifahrer verriet Stefan E. an die Taliban

Der 37jährige Mitarbeiter von der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit war am 29. Mai an einem Checkpoint im nordafghanischen Kundus von Polizisten aufgegriffen worden, die ihn zunächst für einen Selbstmordattentäter gehalten hatten. Sechs Wochen war er in der Gewalt der islamischen Taliban gewesen.

Sie hatten E. am 18. April auf einer Taxifahrt von Masar-i-Scharif nach Kundus entführt. E.s Taxifahrer soll die Route an die Taliban verraten haben.

Elitesoldaten bereiteten sich im Feldlager auf die Befreiung vor

178 Elitesoldaten des Kommandos Spezialkräfte (KSK) hätten sich daraufhin im deutschen Feldlager in Masar-i-Scharif für den Befreiungs-Einsatz einquartiert. Für die Aktion bat das KSK die Amerikaner um Unterstützung durch einen Hubschrauber und Aufklärungstechnik, um die Geisel zu orten. Derlei Einsätze sind äußerst selten, in der Regel versucht die Bundesregierung, entführte Staatsbürger durch Lösegeld freizukaufen. Doch da daraus ein lukratives Geschäftsmodell von Terroristen entstanden ist, hätten unter anderem die Amerikaner den Druck auf Deutschland erhöht, mehr Härte zu zeigen und mit Spezialkräften gegen Kidnapper vorzugehen, schreibt der Spiegel.

Den KSK-Kräften sei es mehrfach gelungen, die Potsdamer Geisel zu orten. Vier bis fünf Kidnapper hätten den Deutschen mehrfach in andere Verstecke verschleppt.

Zugriff in der Dunkelheit geplant

Der Befreiungsplan sah schließlich vor, dass ein Trupp Elitekämpfer im Schutz der Dunkelheit 20 bis 30 Kilometer entfernt vom Versteck per Helikopter abgesetzt würden und sich dem Gehöft am Rande von Kundus nähern sollten. Dann sollte das Versteck gestürmt, die Geiselnehmer erschossen und E. befreit werden. Ein Hubschrauber hätte Soldaten und Geisel dann rasch in Sicherheit bringen sollen.

Stefan Es. Bewacher döste, als er durchs Fenster floh

Doch dazu kam es nicht. Die Amerikaner verlangten laut Spiegel einen zeitlichen Vorlauf von 72 Stunden – ein Zeitraum, in dem die Entführer schon wieder ein anderes Versteck hätten wählen können. Unterdessen arbeitete E. selbst an seiner Befreiung. Beim Gang zur Toilette konnte er sich die Handschellen etwas lockern, heißt es. Als einer seiner Bewacher vor sich hindöste, habe E. die Fesseln abstreifen und aus dem Fenster klettern können. Nach mehreren Stunden erreichte er den Checkpoint.

Von Torsten Gellner

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