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Brandenburg Eltern behinderter Kinder kämpfen für Hortbetreuung
Brandenburg Eltern behinderter Kinder kämpfen für Hortbetreuung
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01:19 01.12.2018
Die Familie Beesk Schirmer aus Bergholz-Rehbrücke kämpft um die Hortfinanzierung für ihren Sohn Daniel Quelle: privat
Potsdam

Daniel ist zwölf Jahre alt, spielt gern mit seinen Freunden, besucht die sechste Klasse der Berliner Parzival-Förderschule und nachmittags den Hort auf demselben Gelände. Was seine Familie, die in Bergholz-Rehbrücke (Nuthetal) lebt, ärgert: Ab dem nächsten Schuljahr müssen sie für ihr behindertes Kind 500 Euro im Monat mehr für die Nachmittagsbetreuung zahlen. 500 Euro mehr als seine Mitschüler, deren Eltern in Berlin leben. „Die zusätzlichen Hortkosten sind für uns eine große finanzielle Belastung. Wir sind beide berufstätig und brauchen die Betreuung“, sagt Martin Beesk, der in Brandenburg in Potsdam und Dallgow-Döberitz als Religionslehrer arbeitet.

Thema im Landtag

Ähnlich wie die Familie Beesk-Schirmer stehen auch andere Familien in Brandenburg vor einen Problem, wenn ihr Kind die Grundschule verlässt. Während im Kita-Gesetz verankert ist, dass behinderte Kinder in der Grundschule ohne Zusatzkosten einen Hort besuchen dürfen, müssen ihre Eltern laut Sozialgesetz ab der siebten Klasse eine zusätzliche Hortbetreuung am Nachmittag aus eigener Tasche zahlen. Das Problem: Im Kita-Gesetz ist verankert, dass Horte nur Kinder bis zwölf, maximal 14 Jahren betreuen. Doch Behinderte benötigen auch danach noch Unterstützung. In den vergangenen Jahren haben Eltern von Kindern mit Handicap immer wieder auf das Problem aufmerksam gemacht. Am Donnerstag beschäftigt sich der Bildungsausschuss mit dem Thema.

„Für Eltern behinderter Kinder ist es ein großes Problem, dass sie ab der siebten Klasse auf den Hortkosten sitzen bleiben“, sagt die CDU-Landtagsabgeordnete Kristy Augustin. Ihre Partei fordert die Landesregierung deshalb dazu auf, Familien mit Förderbedarf besser zu unterstützen. Grundlage dafür ist ein gemeinsamer Antrag der oppositionellen Fraktionen von CDU und Grünen, zu dem es am Donnerstag im Landtag eine Anhörung geben soll. „Während in Berlin bereits eine gesetzliche Regelung existiert, die eine Betreuung bis zum Verlassen der Schule regelt, gibt es in Brandenburg keinen Rechtsanspruch für Kinder ab zwölf Jahren“, erklärt Augustin. Angesichts des stärkeren Betreuungsbedarfs von Kindern mit Behinderung sei dies eine Benachteiligung für die betroffenen Kinder und Eltern. CDU und Grüne wollen eine Gesetzesänderung bewirken.

Normal am Leben teilnehmen

Eltern wie die von Daniel aus Bergholz-Rehbrücke, machen darauf aufmerksam, dass es ihnen nicht nur ums Geld geht, sondern vor allem um Teilhabe geht. Während ihr älterer Sohn Florian sich nachmittags mit seinen Freunden trifft oder mit dem Rad unterwegs ist, sei der jüngere noch auf einen Erwachsenen angewiesen, der nach ihm sieht. „All das kann Daniel noch nicht selbstständig“, erklärt sein Vater. Denn Daniel hat das Down-Syndrom. Bei ihm kommt das Chromosom 21 dreimal vor. Trotzdem soll sein Sohn ganz normal am Leben teilnehmen wie andere Jugendliche auch. „Für Daniel ist es wichtig, dass er nach Schulschluss gemeinsam mit seinen Freunden kreativ sein kann. Kein Jugendlicher möchte den ganzen Tag nur mit seinen Eltern herumhängen“, erklärt Beesk. Wer Daniel nach seinem zwölften Geburtstag nach Unterrichtsschluss betreut, wissen seine Eltern zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht. „Wir hoffen, dass es eine Gesetzesänderung gibt, die es berufstätigen Eltern ermöglicht, berufstätig zu bleiben, auch wenn ihre Kinder in die 7. Klasse kommen“, so Beesk.

Eltern fordern Unterstützung

Bei der Frage, wer für die Hortkosten dieser Kinder aufkommt, verweist das für Kita- und Hortbetreuung zuständige Bildungsministerium an andere Stelle. Benötigen Jugendliche aufgrund einer Behinderung zusätzliche Betreuung, entscheiden die Landkreise und kreisfreien Städte am jeweiligen Wohnort „über die Gewährung der erforderlichen Unterstützung“. Doch auf der Suche nach Unterstützung, fühlt sich Familie Beesk-Schirmer allein gelassen. Der für sie zuständige Landkreis Potsdam-Mittelmark will die Kosten für die zusätzliche Betreuung nicht übernehmen. „Bisher wurde die Verantwortung für die Finanzierung der Nachmittags- und Ferienbetreuung von den Kommunen und Landkreisen auf das Land und vom Land auf die Landkreise und die Kommunen geschoben“, kritisiert Daniels Mutter, Christine Schirmer.

Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) steht dem Antrag der Opposition positiv gegenüber: „Das ist uns ein wichtiges Anliegen. Es betrifft verschiedene Zuständigkeiten. Der Vorgang liegt im Parlament.“

Von Diana Bade

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