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Brandenburg Endoprothesen machen das Leben wieder lebenswert
Brandenburg Endoprothesen machen das Leben wieder lebenswert
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07:03 16.03.2019
Ein Arzt operiert einen Patienten am Knie. Quelle: Sven Hoppe/dpa
Potsdam

Renate M. ist trotz ihres fortgeschrittenen Alters keine Frau, die sich leicht auf das Altenteil verabschieden und nur noch von anderen umsorgen lassen würde. Selbstständigkeit und ein aktives Leben gehen der früheren Bankangestellten über alles. Zwölf Mal machte sie mit ihrem Mann zum Beispiel Urlaub an der Ostsee, meist im polnischen Kolberg, wo sie gerne auf Wanderungen die Landschaft und die Kulturdenkmale erkundete. Auch mit dem Fahrrad war die inzwischen 83-jährige Neu Fahrländerin gut unterwegs. Aber seit etwa zwei Jahren ging fast gar nichts mehr. Zuletzt saß M. im Rollstuhl.

Schuld hatte die fortgeschrittene Arthrose in beiden Knien. „Da lag nur noch Knochen auf Knochen, da war sonst gar nichts mehr“, so Frau M.. Mit eindrücklichen Worten beschreibt sie, wie sie sich aufgestützt in ihrer Küche von Bord zu Bord quälte. Angefangen hatten die Probleme schon vor zwölf Jahren, aber zunächst gingen die Schmerzen in den Knien immer wieder weg. Als die Probleme dann schlimmer wurden, versuchte sie es zunächst mit Spritzen und Akupunktur. Nichts half. Aber operieren lassen wollte sie sich eben auch nicht, obwohl Bekannte ihr dazu rieten.

„Die Schmerzen waren so stark, dass sie ein normaler Mensch nicht mitgemacht hätte“, sagt sie. „Aber die Angst war eben so groß. Ich habe ja auch die Youtube-Videos von den Operationen gesehen und wusste, wie da gesägt und gemacht wird“, erklärt sie. Doch als gar nichts mehr ging, Sozialdienste und ihre Tochter ihr auch bei der Körperpflege helfen mussten und die Schmerzen nicht mehr zu ertragen waren, rang sie sich im Frühjahr 2018 zu einer Entscheidung durch. In der Potsdamer Oberlinklinik, die auf Gelenkchirurgie spezialisiert ist, vereinbarte sie zwei OP-Termine.

Damit ist Renate M. gerade in ihrem Alter nicht allein. Die Zahl der Operationen mit der Einfügung einer Knieendoprothese liegt derzeit jährlich weit über 100 000, die Zahl der Hüftendoprothesen liegt mit gut 130 000 im Jahr sogar noch höher. „Wir operieren hier 1100 Hüften im Jahr und 700 Kniegelenke“, sagt der Chefarzt des Endoprothesenzentrums der Potsdamer Oberlinklinik, Burkhard Schmidt. Im Durchschnitt seien seine Patienten 70 Jahre alt. Aber es kann sehr junge Menschen treffen. Seine jüngste Patientin war erst 13.

Die Gelenke altern mit

„Mit 60 Jahren hat jeder Mensch irgendeine Arthrose ausgebildet“, erläutert Schmidt. Das sei dem normalen Alterungsprozess der Gelenke geschuldet. Aber nicht jede Arthrose führt zu Beschwerden oder auch nur zu Einschränkungen. Schmerzen fangen erst da an, wo die Abnutzung der Knorpel weit fortgeschritten ist. In der Hüfte und in den Knien ist das oft der Fall, so auch bei Renate M.. Warum es den einen trifft und den anderen nicht, lasse sich schwer sagen. „Die Ursachen sind sehr vielfältig.“ Eine ist zum Beispiel eine Fehlstellung der Knochen.

Der Rentnerin Renate Macieczyk wurden an der Oberlinklinik in Potsdam erfolgreich zwei Kniegelenk-Endoprothesen einoperiert. Quelle: Rüdiger Braun

Renate M.s linkes Knie bekam im Juni eine komplette Prothese, das rechte wurde am 13. Februar operiert. Schon nach der ersten Operation konnte sie den Rollstuhl verlassen, eine Woche nach der zweiten Operation sitzt Renate M. schon wieder im Aufenthaltsraum der Klinik und plaudert frohgemut mit einer Angestellten. Ungewöhnlich sind schnellen Heilungen nicht. Die Endoprothetik ist inzwischen sehr weit fortgeschritten.

„Die Polyethlyenscheiben zwischen den Gelenkteilen sind sehr viel besser und sicherer vor Abrieb“, sagt Schmidt. Vor allem aber wurde die Operation mit Computertechnik verbessert. Ein Programm gibt aufgrund der Röntgenbilder genau vor, wie der verbliebene Knochen beschnitten werden muss, damit die neuen Metallgelenke optimal auf die Enden gesetzt werden können. Bei Hüftgelenken ist der Fortschritt inzwischen sogar noch größer. „Die größte Revolution der vergangenen Jahre ist der minimalinvasive Eingriff sagt Schmidt.“ Inzwischen würden Muskeln und Sehnen bei der Einfügung einer künstlichen Hüfte nicht mehr verletzt. Dadurch heilt der Schenkel viel schneller.

„Direkt nach der OP macht man etwas mit“, gibt M. trotzdem zu. Noch vor einem Tag habe sie starke Schmerzen gehabt und es nur dank Medikamenten und Spritzen ausgehalten. Aber nun gehe es ihr schon viel besser. „Wenn das linke Knie bald so wird wie das rechte, dann ist das optimal“, sagt sie und schwingt wie zum Beweis fröhlich das linke Bein – eine Bewegung, die ihr vor einem Jahr unmöglich gewesen wäre. Sogar mit dem Rollator kommt sie sieben Tage nach der OP schon wieder ganz flott voran.

M. ist glücklich mit dem Resultat. „Ich laufe schon ganz toll“, sagt sie. Die Beine seien bei der OP ja auch begradigt worden. Sie lobt die Kompetenz und die Freundlichkeit des Klinikpersonals und ist froh, dass sie sich für den Eingriff entschieden hat. „Man soll so eine Operation nicht zu früh machen“, sagt sie. „Aber ich habe es zu spät gemacht. Ich habe dadurch viel Lebensqualität verloren.“

Besseres Befinden kein Wunder

Dabei sind der geselligen Rentnerin Operationen gar nicht unbekannt. Nach einem Fahrradunfall wurde ihr die Schulter operiert, vor zwei Jahren musste nach einem Unfall eine Hüfte operiert werden. Der Nagel, der die Knochen stabilisieren sollte, befinde sich noch immer in ihrem Körper, sagt sie. Probleme hat sie weder mit dem einen noch dem anderen. Eine Freundin, die ebenfalls eine Endoprothese habe, meine immer, sie bemerke die fremden Teile in ihrem Körper. „Ich merke wirklich nichts“, sagt dagegen Renate M.. „Und ich sage es immer, wenn mir etwas weh tut.“

Das bessere Befinden ist kein Wunder. Deutliche Schmerzlinderung bis zur völligen Schmerzfreiheit ist das Minimalziel, was die Chirurgen heutzutage mit Endoprothesen anstreben. Dazu auch größere Bewegungsfreiheit. Das wird durch die Eingriffe auch meist erreicht. „Die Endoprothetik ist eine der erfolgreichsten Operationsverfahren der letzten Jahrzehnte“, sagt der Chirurg Schmidt. Dabei habe sie erst ab den 60er-Jahren ihren Aufstieg erlebt. Inzwischen ist sie so etabliert, dass immer mehr Menschen von den Eingriffen profitieren.

„Wie ein Schneekönig“ freut sich Frau M., dass ihre furchtbaren Knieschmerzen weg sind. Jetzt schmiedet schon wieder Pläne. Sie hofft, bald wieder öfter mit dem Bus in die Potsdamer City fahren zu können. „Und Reisen will ich auch noch.“ Eine Freundin im Wiesbadener Stadtteil Mainz-Kastel habe ihr immer gesagt: „Wenn du einigermaßen kannst, dann komm mich mal besuchen.“ Dann wäre vielleicht auch eine Kreuzfahrt auf der Mosel drin.

Von Rüdiger Braun

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