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Brandenburg Endstation Psychiatrie für ICE-Entführer
Brandenburg Endstation Psychiatrie für ICE-Entführer
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16:42 17.09.2015
Der Angeklagte sprach vor Gericht von einer „Herzensangelegenheit“. Quelle: dpa
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Potsdam

Der ICE-Entführer von Nauen (Havelland) muss für vier Jahre ins Gefängnis. Das für Staatsschutzverbrechen zuständige Berliner Kammergericht befand den 24-jährigen David S. am Donnerstag für schuldig, im vergangenen November den ICE von Berlin nach Hamburg mit einer Schreckschusswaffe in seine Gewalt gebracht zu haben.

Laut Urteil muss der Angeklagte in ein psychiatrisches Krankenhaus. Das Strafmaß liegt unter den Forderungen der Staatsanwaltschaft: Diese hatte eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und neun Monaten sowie die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus gefordert. David S. steht seit längerem in psychiatrischer Behandlung, er hat mehrere Suizidversuche hinter sich und ist mehrfach vorbestraft.

Gauck, Merkel und Steinmeier sollten auf ihn eingehen

Der Baden-Württemberger hatte im vergangenen November den Früh-ICE von Berlin nach Hamburg gekapert. Er hatte eine Schreckschusspistole gezogen und dem Zugbegleiter ein Schreiben mit einer politischen Forderung überreicht. Inhalt: Bundespräsident Joachim Gauck, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Außenminister Frank-Walter Steinmeier sollten die Anerkennung Palästinas durch andere Länder „aufs Schärfste“ verurteilen.

Außerdem forderte er eine halbe Million Euro in bar. Weil er sich nicht recht ernst genommen fühlte, schoss er mit seiner Gaspistole in einen Sitz. Verletzt wurde niemand. Ein couragierter Passagier konnte den Geiselnehmer schließlich überwältigen. Am Nauener Bahnhof stürmte die Polizei den Zug und nahm David S. fest.

David S. ist seit längerem in Behandlung

Der Angeklagte hat die Tat umfassend eingeräumt. Zunächst war sein Fall vor dem Potsdamer Landgericht verhandelt worden. Doch als sich herauskristallisierte, welche Motive den Zug-Entführer antrieben, überwiesen die Richter den Fall ans Berliner Kammergericht. Brandenburg hat mit Berlin per Staatsvertrag vereinbart, dass Staatsschutzdelikte dort behandelt werden.

Das Forderungsschreiben

Am 21. November zieht David S. (24) im ICE nach Hamburg bei Nauen (Havelland) eine Schreckschusswaffe, schießt um sich und zwingt den Zugbegleiter, eine politische Botschaft an die Verkehrsleitstelle zu übermitteln.

Wortlaut des Forderungsschreibens: „Ich, David Benjamin S., verlange Folgendes: 1. Der Bundespräsident Joachim Gauck, die Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel und der Außenminister Frank-Walter Steinmeier sollen in einer Pressekonferenz die Anerkennung Palästinas als Staat durch Schweden, Großbritannien und Spanien aufs Schärfste verurteilen und sich öffentlich gegen die Palästinenser und hinter die Juden und Israel stellen. Alles andere wäre reinster Wahnsinn! Ich sage nur: sechs Millionen Juden.

Zweitens. 500 000 Euro in Bar. Sobald eine dieser zwei Forderungen erfüllt ist, lasse ich die Hälfte der Passagiere gehen. … Falls es Komplikationen gibt, die es eigentlich nicht geben sollte: Ich habe 146 Schuss 9 mm. Mit freundlichem Gruß David B. S.“

Während des Prozesses hatte David S. von seiner streng christlichen Erziehung und jüdischen Vorfahren berichtet. Außerdem wurde klar, dass er seit Jahren immer wieder mit psychischen Problemen zu kämpfen hatte und immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt geraten war. Er war zuletzt in einer Einrichtung für betreutes Wohnen untergebracht. Die politische Tat hatte er als „Herzensangelegenheit“ bezeichnet. Er beteuerte aber auch: „Ich würde so etwas nicht mehr tun.“

Das wirre Forderungsschreiben des Entführers

Bei seiner Entführung überreichte David S. dem Zugbegleiter ein politisches Forderungsschreiben. Darin hieß es unter anderem: „Ich, David Benjamin S., verlange Folgendes: Erstens: Der Bundespräsident Joachim Gauck, die Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel und der Außenminister Frank-Walter Steinmeier sollen in einer Pressekonferenz die Anerkennung Palästinas als Staat durch Schweden, Großbritannien und Spanien aufs Schärfste verurteilen und sich öffentlich gegen die Palästinenser und hinter die Juden und Israel stellen. Alles andere wäre reinster Wahnsinn! Ich sage nur: sechs Millionen Juden. Zweitens: 500 000 Euro in Bar. Sobald eine dieser zwei Forderungen erfüllt ist, lasse ich die Hälfte der Passagiere gehen. … Falls es Komplikationen gibt, die es eigentlich nicht geben sollte: Ich habe 146 Schuss 9 mm. Mit freundlichem Gruß David B. S.“

Von Torsten Gellner

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