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Entdecker der Gravitationswellen feiern in Golm

Potsdamer Spitzenforschung Entdecker der Gravitationswellen feiern in Golm

Die Feier zur Entdeckung der Gravitationswellen am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik ist praktisch eine Zusammenfassung der vergangen Monaten vom Signal bis zur Gewissheit. Doch wie fühlt man sich erst als Forscher eines solchen Teams, wenn zum Erfolg der wissenschaftlichen Arbeit auch noch privates Glück hinzukommt?

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Sascha Rieger (l.) und Stefan Zieme stoßen an.

Quelle: Foto: Friedrich Bungert

Golm. Wie feiern Physiker? Sie erzählen sich Geschichten. Die Vorträge von Andrea Taracchini, Serguei Ossokine, Ian Harry und Vivien Raymond, alle vier Mitarbeiter der Professorin Alessandra Buonanno, am Freitag im proppenvollen Hörsaal des Max-Planck-Instituts für Gravitationsphysik sind ein Parforceritt durch die vergangenen sechs Monate. In dieser Zeit testeten die Forscher weltweit, ob sie wirklich Gravitationswellen empfangen hatten.

Wie charakterisiert man die Wellenformen, die da völlig unerwartet am Morgen des 14. September 2015 nach Hannover gemailt wurden? Durch welche statistische Auswertungen kommt man dahinter, dass das nur Millisekunden dauernde Signal von zwei Schwarzen Löchern verursacht worden sein mussten, die Lichtjahre von uns entfernt wie Duellanten aus einem dunklen Mythos umkreisten. In pointierten Vorträgen bringen die vier Jungwissenschaftler die fieberhafte Arbeit auf den Punkt, was schließlich zur Pressekonferenz am Donnerstag vor einer Woche führte: „Wir haben sie, die von Einstein postulierten Gravitationswellen.“

Den Wissenschaftskrimi fasst ein von der Publizistin Susanne Milde seit Dezember gedrehter Film zusammen. Sogar die Szene, in der Jungwissenschaftler Marco Drago sich mit seinem Kollegen Andrew Lundgreen in Hannover unterhält, ob die eben eingegangen automatische Mail von den Detektoren in den USA nicht bloß eine Übung ist, hat Milde zur Belustigung des Publikums nachspielen lassen.

Er habe sich manchmal wie auf Wolken gefühlt, gibt auch Vivien Raymond zu. Etwa eine Woche nach jener Mail im September aus Hannover sei er sicher gewesen: Diesmal ist es kein Fake mit den Wellen. Und dann wurde auch noch seine erste Tochter geboren.

Im lichtdurchfluteten Atrium des Instituts stehen alle zusammen. Besuch aus Berlin gibt es auch. Die Studentin Anne Spiering von der Humboldt-Universität stießt mit ihrem Kommilitonen Julian Miczajka an. Die beiden sind Einstein Lichtjahre voraus. Sie haben es schon mit Stringtheorie und Quantengravitation zu tun. Trotzdem sind die beiden gekommen. „Es ist schon ein tolles Ereignis, das war uns klar“, sagt Anne Spiering. Sie hatte schon eine Woche vor der offiziellen Verkündigung Gerüchte auf Facebook mitbekommen. Jetzt feiert sie mit den gestandenen Wissenschaftlern den Beginn einer neuen Ära. Ein halbes Jahr nach den Signale aus dem All knallen in Golm zuletzt doch die Sektkorken – vor der Büste Albert Einsteins.

Von Rüdiger Braun

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