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Hohenzollern haben Recht auf Millionen-Entschädigung

Kaiser-Familie erhebt Anspruch Hohenzollern haben Recht auf Millionen-Entschädigung

Das Haus Hohenzollern soll für Enteignungen, die im Rahmen der sowjetischen Besatzung sowie der DDR-Bodenreform erfolgten, entschädigt werden. Das Amt zur Regelung für offene Vermögensfragen hat milde über die Nazi-Verstrickungen geurteilt und den Anspruch bestätigt. Es geht um 1,2 Millionen Euro plus Zinsen.

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Stammsitz der Hohenzollern südlich von Stuttgart (Baden-Württemberg).

Quelle: dpa

Potsdam. Die Hohenzollern sollen Entschädigungszahlungen für nach dem Zweiten Weltkrieg enteignete Immobilien erhalten. Das geht aus einem Vorbescheid des Amts zur Regelung offener Vermögensfragen beim Landkreis Oder-Spree hervor, der der MAZ vorliegt. Es geht hierbei um solch prominente Adressen wie das Potsdamer Schloss Lindstedt, das Krongut Bornstedt, die ehemalige Matrosenstation am Potsdamer Jungfernsee und das Schloss Rheinsberg (Ostprignitz-Ruppin).

Die Hohenzollern waren seit dem 15. Jahrhundert im Gebiet Brandenburgs aktiv, sie stellten später deutsche Könige und Kaiser. Heute hat die einstige Herrscherfamilie keine politische Macht mehr. Gegenwärtiges Oberhaupt der Hohenzollern ist Georg Friedrich Prinz von Preußen, der eine enge Beziehung zu Potsdam hat.

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Die Familie der Preußenkönige hat dem Vorbescheid zufolge Anrecht auf Entschädigung für Enteignungen, die im Rahmen der sowjetischen Militärbesatzung sowie der DDR-Bodenreform erfolgten. Die Nachfahren des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II. könnten demnach mit einer Entschädigungssumme von rund 1,2 Millionen Euro plus Zinsen rechnen. Der Betrag entspricht rund fünf Prozent des Werts der Grundstücke, der mit insgesamt 21 Millionen Euro angegeben ist.

Schloss Rheinsberg (oben links): Das Jugenddomizil von Friedrich dem Großen ist ein Juwel, direkt am See gelegen. Friedrich machte den Ort zum Musenhof, wo er sich mit Künstlern, Musikern und Architekten umgab. Heute ist Schloss Rheinsberg ein Touristenmagnet.

Schloss Lindstedt in Potsdam (oben rechts) ist auf der Liste der enteigneten Objekte. Die herrschaftliche Villa mit dem imposanten Säulengang und einem idyllischen Park gehört heute zur Stiftung Preußische Schlösser und Gärten. Zu DDR-Zeiten saß dort die Gerichtsmedizin.

Krongut Bornstedt (unten links), ein Besuchermagnet in Potsdam, taucht mit mehreren Flurstücken auf der Entschädigungsliste auf. Es war ein Mustergut und ist im Stil eines italienischen Dorfs angelegt. Ganz in der Nähe ist der Stammsitz von Designer Wolfgang Joop.

Matrosenstation Kongsnæs (unten rechts): Die Station ist mittlerweile in großen Teilen zerstört, die Grundstücke aber liegen am Potsdamer Jungfernsee – eine der besten Lagen der Stadt. Hier wohnen die Schönen und Reichen in Sichtweite zur Glienicker Brücke.

Quelle:

Der Antrag auf Entschädigung wurde 1991 vom damaligen Preußen-Oberhaupt Prinz Louis Ferdinand gestellt. Das Verfahren ist historisch und politisch brisant: Entschädigungen sind laut Gesetz nicht erlaubt, wenn die Enteigneten dem Naziregime „erheblichen Vorschub geleistet“ haben.

Die Hohenzollern und Hitler

Die Nachfahren des letzten deutschen Kaisers beförderten den Aufstieg von Adolf Hitler - aber wie stark? Die Schuldfrage ist zentral für die Enschädigungsbehörden.
» Der Sündenfall des Hauses Hohenzollern

Das Amt zur Regelung offener Vermögensfragen beurteilte die heikle Frage, ob die Hohenzollern Hitler behilflich waren, milde. Kronprinz Wilhelm, Sohn des letzten Kaisers Wilhelm II., habe die Nationalsozialisten nur „gelegentlich und beiläufig“ unterstützt. Sein Einfluss sei gering gewesen. Der 1938 nach Wilhelms faktischer Enterbung an die Spitze der Familie aufgerückte Prinz Louis Ferdinand habe sogar Kontakt zu den Hitler-Attentätern des 20. Juli 1944 gehabt. Insbesondere die Vita dieses Hohenzollern-Chefs lasse keinen Zweifel daran, dass die Erben entschädigungswürdig seien, heißt es in der Begründung.

Mehrfach enteignet: die Hohenzollern

  • Die Hohenzollern stellten von 1871 bis 1918 die deutschen Kaiser. Ihren Aufstieg zu einer dynastischen Weltmacht erlebten sie als preußische Könige – etwa unter Friedrich II. (1712 bis 1786). Letzter Herrscher war Wilhelm II., der nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg 1918 abdankte.
  • In der Weimarer Republik wurde die Dynastie der Deutschen Kaiser teilenteignet. 1926 einigten sich das Land Preußen und die Hohenzollern auf eine staatliche Einziehung von 250000 Morgen Land. Die Hohen zollern behielten 383.000 Morgen.
  • 1948 beschlagnahmte die sowjetische Militäradministration Immobilien der Familie und verstaatlichte sie später.

» Mehr zur Geschichte der Hohenzollern: Dynastie im Wandel der Zeiten

Kritiker wie der Lokalpolitiker Lutz Boede von der Initiative „Potsdam ohne Garnisonkirche“ sind empört über eine mögliche Zahlung von Steuergeld: Kronprinz Wilhelm und andere Prinzen seien als prominente Teilnehmer am „Tag von Potsdam“ (21. März 1933) wichtige Steigbügelhalter Adolf Hitlers gewesen. Boede hat einen Beschwerdebrief an die Landesregierung gerichtet. Der Vorwurf: Die Entschädigungsbehörde relativiere die Schuld der Hohenzollern. Die genaue Summe, die dem aktuellen Hohenzollern-Chef Georg Friedrich zusteht, muss noch vom Bundesausgleichsamt ermittelt werden.

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Von Ildiko Röd und Ulrich Wangemann

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Brandenburgs Politiker reagieren mit Unverständnis

Grüne und Linke in Brandenburg sind sich einmal einig: Vertreter beider Parteien halten es für "anrüchig" bzw. "unzeitgemäß", den Hohenzollern einen Ausgleich für die Enteignungen in der DDR zu zahlen. Laut Vorbescheid des Amtes zur Regelung offener Vermögensfragen hat die Preußen-Familie aber Anspruch darauf.

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