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Brandenburg Gender Pay Gap: Brandenburg hat geringste Lohnlücke
Brandenburg Gender Pay Gap: Brandenburg hat geringste Lohnlücke
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00:24 17.03.2019
Am 18. März findet der sogenannte Equal Pay Day statt: Der Tag markiert symbolisch das Datum, bis zu dem Frauen wegen der Lohnlücke umsonst arbeiten. Quelle: dpa
Potsdam

Frauen haben in Deutschland im Schnitt weiter gut ein Fünftel weniger auf dem Gehaltszettel als Männer. Die Einkommenslücke zwischen den Geschlechtern schrumpfte auch im vergangenen Jahr nicht, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mit. Während der Gehaltsabstand vor allem in Westdeutschland groß sei, schneidet der Osten besser ab. 

Konkret verdienten Frauen 2018 laut der Berechnungen 17,09 Euro brutto je Stunde und damit im Schnitt 21 Prozent weniger als Männer. Diese kamen auf 21,60 Euro. Schon im Vorjahr hatte die Gehaltslücke unverändert bei dem Wert gelegen. Langfristig nimmt sie etwas ab: 2006 verdienten Frauen im Mittel noch 23 Prozent weniger als Männer. Besonders groß war der Abstand in den alten Bundesländern mit 22 Prozent, während Frauen im Osten „nur“ 7 Prozent weniger verdienten.

Brandenburg gerechter als Baden-Würtemberg

Brandenburg weist bundesweit den geringsten „Gender Pay Gap“ auf, wie aus Daten des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung hervorgeht. So klafften die Bezüge von Frauen und Männern in der Mark um 14,9 Prozent auseinander. Im reichen Baden-Württemberg dagegen ist die Benachteiligung von berufstätigen Frauen am größten. Sie verdienen im Schnitt 22,7 Prozent weniger. Die Zahlen unterscheiden sich etwas von der Berechnung des statistischen Bundesamts. Laut WSI beruhen die Angaben auf einer Befragung von rund 309.000 Beschäftigten.

Berufswahl ist mitverantwortlich

Während Frauen oft zu geringen Löhnen als Verkäuferin, Physiotherapeutin oder Erzieherin arbeiteten, hätten Männer häufig gut bezahlte technische Jobs in der Industrie. Und davon gebe es besonders viele in der Autobranche in Baden-Württemberg und Bayern.

Im Osten seien indes nach der Wende viele Industrie-Jobs weggebrochen und damit traditionelle Berufsperspektiven für Männer. Die kleinere Gehaltslücke im Osten lasse sich nicht mit hohen Löhnen der Frauen begründen, sondern eher mit dem großen Abstand ostdeutscher Männer zu Männern im Westen.

Auch arbeiten mehr Mütter im Osten in Vollzeit, sagt Yvonne Lott, WSI-Expertin für Arbeitszeitforschung. „Das Bild von der Rabenmutter ist vornehmlich ein westdeutsches Bild.“

Teilzeit wird bestraft

Nach wie vor werde aber in vielen Betrieben von Frauen erwartet, für die Familie beruflich kürzer treten - mit weitreichenden Folgen. „Teilzeit und längere Elternzeiten werden häufig abgestraft, da sie als Signal für geringeres Engagement gelten“, meint Lott. „Eine Mutter auf einer Teilzeit-Stelle macht seltener Karriere.“ Frauen übernähmen weiter den Löwenanteil bei der Kindererziehung und der Pflege von Angehörigen.

Laut statistischem Bundesamt gehen die Verdienstunterschiede meist auf strukturelle Gründe zurück: Frauen ergriffen oft relativ schlecht bezahlte Berufe und hätten seltener Führungsposten. „Auch arbeiten sie häufiger in Teilzeit und in Minijobs und verdienen deshalb im Durchschnitt pro Stunde weniger.“

Giffey kündigt Sanktionen an

So habe 2017 fast jede zweite erwerbstätige Frau eine Teilzeit-Stelle gehabt, bei den Männern war es nicht einmal jeder Zehnte. Bei vergleichbarer Qualifikation und Tätigkeit ist die Gehaltslücke kleiner: Dann erhalten Frauen je Stunde 6 Prozent weniger Lohn als Männer, zeigen die jüngsten verfügbaren Daten der Statistiker.

Bundesfrauenministerin Franziska Giffey (SPD) will nicht länger auf unverbindliche Empfehlungen setzen, um mehr Frauen in Führungspositionen zu bekommen. „Wir werden dort Sanktionen einführen, wenn Unternehmen künftig keine Zielgröße für Frauen in den Vorständen melden oder die Zielgröße „Null“ nicht begründen“, kündigte sie an. Außerdem müssten die sozialen Berufe aufgewertet werden.

Mehr als 5,7 Millionen Menschen arbeiteten in Deutschland in diesen Berufen, 80 Prozent davon seien Frauen. Ihre Arbeit sei schwierig und viel zu gering bezahlt.

Hohe Teilzeitquote

Bei der Beschäftigung von Frauen in vollen Stellen hinke Deutschland hinterher, stellte auch die Beratungsgesellschaft PwC fest. Während in Schweden und Island 83 bzw. 76 Prozent der Frauen in Vollzeit arbeiteten, seien es in Deutschland 63 Prozent. Bei der Gehaltslücke befinde sich Deutschland unter den OECD-Staaten in der Schlussgruppe. „Deutschland kommt bei der Förderung von Frauen im Arbeitsleben wenn überhaupt nur sehr langsam voran“, sagte PwC-Partnerin Petra Raspels.

Nachholbedarf sieht auch der der Sozialverband VdK: Um gegen geringe Gehälter bei Frauen vorzugehen, bräuchten sie Chancen auf gut bezahlte Arbeitsplätze statt Teilzeit oder Mini-Jobs, forderte er. „Niedrige Löhne bedeuten niedrige Renten“. Die Politik müsse die Vereinbarkeit von Beruf, Pflege und Kindererziehung dringend stärken - durch eine bessere Kinderbetreuung oder staatlich finanzierte Auszeiten für die Pflege von Angehörigen.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) forderte ferner, Beschäftigte bräuchten mehr Klarheit über die Gehälter in Unternehmen. Das Lohntransparenzgesetz, das Vergütungsniveaus für bestimmte Gruppen in Firmen offen legt, gelte erst für Betriebe ab 200 Beschäftigten - die meisten erwerbstätigen Frauen arbeiten aber in kleineren Betrieben.

 

 

Von Torsten Gellner und Alexander Sturm

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