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Brandenburg Erardo Rautenberg ist tot – ein Nachruf
Brandenburg Erardo Rautenberg ist tot – ein Nachruf
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17:15 17.07.2018
Dr. Erardo Rautenberg Quelle: JACQUELINE STEINER
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Potsdam

Erardo Cristoforo Rautenberg war Sohn argentinischer Farmer und besaß sowohl die deutsche als auch argentinische Staatsbürgerschaft. Seine Familie war Mitte der 1950er Jahre nach Deutschland übersiedelt, sein juristisches Handwerk lernte er an der Universität Göttingen. 1992 wurde er zum Oberstaatsanwalt zum Bundesgerichtshof in Karlsruhe berufen. Doch anstatt seine juristische Karriere dort fortzusetzen, folgte er dem Ruf nach Ostdeutschland, nach Brandenburg.

Er wechselte zur Potsdamer Staatsanwaltschaft, wo er für den Schwerpunkt DDR-Unrecht und Bezirkskriminalität zuständig war. Das Justizsystem war so kurz nach der Wende noch im Aufbau. Nur ein Jahr später ging er als Leitender Oberstaatsanwalt nach Neuruppin. Der damalige Brandenburger Justizminister Hans-Otto Bräutigam berief Rautenberg 1996 zum Generalstaatsanwalt – ein Amt, das er mehr als 20 Jahre ausübte. Er war der dienstälteste Generalstaatsanwalt Deutschlands.

Sein Hauptanliegen als oberster Strafverfolger des Landes war jedoch der Kampf gegen Rechtsextremismus – dabei geriet er auch mit Justiz- und Innenministern aneinander. So stellte sich Rautenberg in der sogenannten V-Mann-Affäre gegen Innenminister Jörg Schönbohm (CDU). Rautenberg vertrat die Ansicht, dass man V-Männern keineswegs Straftaten durchgehen lassen dürfe, um an etwaige Hintermänner zu kommen. Konkret ging es um den Neonazi Toni S, der mit dem Segen des Verfassungsschutzes rechtsextreme CDs vertrieb, auf denen unter anderem zum Mord an Rita Süssmuth und Michel Friedman aufgerufen wurde. Schönbohm war der Meinung, dass man über kleinere Straftaten von V-Männern hinwegsehen könne, damit die Informanten von der Szene weiterhin akzeptiert werden.

Auch im NSU-Untersuchungsausschuss des Brandenburger Landtags sorgte Rautenberg mit kritischen Stimmen zur Rolle des Verfassungsschutzes im Umgang mit Rechtsextremisten für Aufsehen. Als Zeuge äußerte er im vorigen Jahr den Verdacht, dass der märkische Geheimdienst die Aufklärung der Straftaten der sogenannten Nationalen Bewegung möglicherweise verhindert habe. Die Rechtsextremisten hatten unter anderem einen Brandanschlag auf eine jüdische Trauerhalle verübt. Konkrete Beweise für seinen Verdacht konnte er nicht vorlegen, allerdings einige Indizien. So mischte sich der Verfassungsschutz seinerzeit in die Ermittlungen der Polizei ein und wollte verhindern, dass die Generalbundesanwaltschaft den Fall übernahm.

Im Sommer 2017, kurz vor der heißen Phase des Wahlkampfes, wurde bei Rautenberg Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert. Der Tumor konnte in einer mehrstündigen Operation am Virchow-Klinikum in Berlin entfernt werden, doch der Krebs blieb.

In einem Fragebogen der MAZ antwortete Rautenberg im vergangenen Herbst auf die Frage nach seinem Lieblingswort: „Gerechtigkeit“.

Von Torsten Gellner

In der Nacht zu Dienstag ist Brandenburgs ehemaliger Generalstaatsanwalt Erardo Rautenberg nach schwerer Krankheit verstorben. Rautenberg galt als engagierter Kämpfer gegen den Rechtsextremismus.

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