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Erbschaft: Brandenburg ist (nur) im Osten top

Vermögensentwicklung Erbschaft: Brandenburg ist (nur) im Osten top

In Ostdeutschland gehören die Brandenburger zu den Menschen mit den höchsten Erbschaften – aber nur dort. Eine neue Studie zeigt, wie groß die Kluft bei den Vermögen noch ist zwischen Ost- und Westdeutschen.

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In Brandenburg gibt es durchaus ansehnliche Erbschaften.

Quelle: dpa

Potsdam. Die Erben-Generation in Brandenburg kann mit vergleichsweise stattlichen Vermögen rechnen. Das geht aus einer repräsentativen Studie der Berliner Quirin-Privatbank und des Meinungsforschungsinstituts YouGov Deutschland hervor. 34 Prozent der Befragten Märker gaben an, in Zukunft Erbschaften von mehr als 100 000 Euro vergeben zu können. Damit liegt der Anteil hoher Erbschaften höher als in Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Berlin. Nur in Mecklenburg-Vorpommern planen noch mehr Menschen umfangreiche Erbvergaben. Im Schnitt deutlich höher sind nach wie vor die Erbschaften im Westen Deutschlands.

Fast jeder zehnte hinterlässt mehr als 100 000 Euro

Den Spitzenplatz unter den östlichen Bundesländern nimmt die Mark bei den bereits vergebenen Erbschaften ein: Laut der Studie, für die bundesweit mehr als 7400 Menschen befragt wurden, waren neun Prozent der Nachlässe größer als 100 000 Euro. Zum Vergleich: In Sachsen-Anhalt liegt die Quote dieser umfangreichen Erbschaften bei nur fünf Prozent.

Entsprechend streitlustiger sind Brandenburgs Nachfahren auch: In 19 Prozent der Erbfälle gab es hierzulande Streit, in Sachsen-Anhalt und Berlin war dies nur bei 13 Prozent der Fall. Damit sind märkische Erben die streitlustigsten in Ostdeutschland. Das macht sich auch an der Zulassung von Fachanwälten für Erbrecht bemerkbar: 30 sind laut Bundesrechtsanwaltskammer aktuell in Brandenburg zugelassen – dreimal so viele wie 2008. In Thüringen etwa sind lediglich 12 Erbrechts-Anwälte zugelassen.

Erbschaftssteuer-Einnahmen steigen

Der Fiskus hat ebenfalls etwas vom zunehmenden Wohlstand der Märker: So sind laut Finanzministerium die Einnahmen aus der Erbschaftssteuer seit 2012 von 19,5 Millionen auf 28 Millionen Euro gestiegen.

„Wir stellen einen Trend zu steigenden Erbschaften fest“, sagt Robert Heiduck, Sprecher der Mittelbrandenburgischen Sparkasse (MBS) in Potsdam. Nicht nur die Summe der von der MBS verwalteten und angelegten Erbschaften sei gestiegen, die Nachlass-Summen seien auch auf den einzelnen Erben gerechnet gewachsen. Der Grund: „Es gab Vermögenszuwachs und gleichzeitig sinkt die Zahl der Erben“, so Heiduck. Das sei die Folge der demografischen Entwicklung.

Weiterhin große Kluft zwischen Ost und West

Allerdings weist Heiduck auf die weiterhin große Kluft zwischen Ost und West hin. Vermögensaufbau erfolge über große Zeiträume und sei in der DDR viel langsamer erfolgt als im Westen. „Mit diesem Phänomen werden wir voraussichtlich noch Jahrzehnte zu tun haben“, sagt der MBS-Sprecher.

Die Zahlen sind deutlich: Laut Quirin/YouGov-Bank-Umfrage hat in Hessen jeder vierte Erbe mehr als 100000 Euro erhalten (Brandenburg: neun Prozent). Bundesweit gab jeder fünfte Befragte aus der Generation der Vererbenden an, sein Nachlass werde mehr als eine Viertelmillion Euro betragen.

Viele Immobilien werden vererbt

Aufschlussreich dürfte auch die Zusammensetzung der Nachlässe im Deutschland-Vergleich sein: Nur in Sachsen und Berlin werden weniger Immobilien vererbt als in Brandenburg. In der Mark werden in einem von vier Erbfällen Häuser, Wohnungen oder Grundstücke weiter gegeben, bundesweit in jedem dritten Fall.

Dazu sagt Holger Geißler vom Institut YouGov Deutschland: „In Westdeutschland gibt es viele Menschen, die zwar ebenfalls nicht viel Geld besitzen. Aber dafür wohnen sie in einer eigenen Immobilie, welche sie oft selbst geerbt haben. Darin liegt ein Unterschied zu den ostdeutschen Bundesländern.“

Die meisten Erbrechts-Anwälte gibt es in München

Diese Ost-West-Kluft bestätigt auch der Potsdamer Erbrechts-Anwalt Stephan Rißmann, der außer in der Brandenburgischen Landeshauptstadt noch Kanzleien in Stuttgart und Berlin unterhält und international Klienten betreut. „In Stuttgart und Berlin geht es um ganz andere Dimensionen“, sagt der Anwalt. In Brandenburg komme es seiner Erfahrung nach vor allem in Potsdam und Kleinmachnow zu Erbstreitigkeiten größeren Ausmaßes – „das sind die Ausnahmen“, so Rißmann. Vererbt werde in der Landeshauptstadt ohnehin noch recht selten, da „die wohlhabenden Potsdamer sehr jung sind“.

Rißmann berichtet, dass junge Fachanwälte in Ostdeutschland zum Teil Probleme in der Fachanwaltsausbildung hätten, weil sie die für den Abschluss notwendige Mindestanzahl an Fällen nicht zusammen bekämen.

Deutlichster Indikator für ein deutschlandweites Erbschafts-Barometer dürfte wiederum die Zahl der zugelassenen Fachanwälte für Erbrecht sein: In München sind es 220 – siebenmal so viele wie in ganz Brandenburg.

Bayern erben am häufigsten

Jeder dritte erwachsene Deutsche hat im Schnitt mindestens schon einmal geerbt.

Am häufigsten erben die Bayern, in Hessen gibt es die meisten Groß-Erben.

Schmuck wird im Osten ebenfalls viel seltener von Generation zu Generation weitergegeben als im Westen.

Jeder zweite Deutsche hat vor, etwas zu vererben – am häufigsten in Baden-Württemberg (55 Prozent), am seltensten in Sachsen (40 Prozent).

Von Ulrich Wangemann

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