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Erdbeerkönig hat noch viel vor in Brandenburg

MAZ-Interview Erdbeerkönig hat noch viel vor in Brandenburg

Das süße Früchtchen hat ihn reich gemacht. Erdbeerkönig Robert Dahl, Chef der Karls Erlebnis-Dörfer, sieht großes Potenzial in Brandenburg. Wann die Brandenburger mit dem geplanten Freizeitpark „Erdbeerland“ rechnen können und warum er demnächst auch einen Hof in China eröffnet, erzählt er im MAZ-Interview.

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Sein Markenzeichen ist ein süßes Früchtchen: Robert Dahl, Geschäftsführer von „Karls“.

Quelle: privat

Potsdam. Das rote Früchtchen hat ihn reich gemacht. Erdbeerkönig Robert Dahl, Chef der Karls Erlebnis-Dörfer, sieht großes Potenzial in Brandenburg. Warum er demnächst auch einen Hof in China eröffnet, erzählt er im MAZ-Interview.

Die ungewöhnlich frostigen Temperaturen machen vielen Obstbauern zu schaffen. Müssen wir dieses Jahr auf Karls Erdbeeren verzichten?

Nein, aber wir haben uns große Sorgen gemacht. Frostschäden kennen wir auch aus anderen Jahren, aber ich kann mich nicht erinnern, dass wir im April so viele Nächte mit Bodenfrost hatten. An manchen Abenden haben meine Frau und die drei Kinder zu Hause eine Kerze angezündet, in der Hoffnung, dass alles gut geht bei der Ernte. Wir mussten richtig viel ackern, um die Erdbeeren zu beschützen. Weil wir unsere Pflanzen mit Vlies zudecken, ist nicht wirklich etwas kaputtgegangen.

Naturschützer kritisieren den Folien-Einsatz beim Spargel-Anbau. Warum nutzen Sie Vlies für die Erdbeeren?

Es gibt diverse Dinge, die die Produktion in Deutschland teuer gemacht haben und dann versucht man zu überlegen, wie man es schafft, dass wir zu Zeiten produzieren, zu denen Erdbeeren begehrt sind. Die Erdbeersaison ist sehr kurz, um einen ganzen Betrieb über die Runden zu bringen. Wir wollen also unsere Saison verlängern. Vor der Saison decken wir vier Wochen lang die Felder zu, um sie vor Frost zu schützen. Das ist kein langer Zeitraum.

„Erdbeer-Milliardär bin ich noch nicht“

Fünf Erdbeer-Erlebnisdörfer, davon vier in Ostdeutschland, gehören zu Ihrem Unternehmen. Wie hat sich der Standort Brandenburg in Elstal im Vergleich zum Firmensitz in Mecklenburg-Vorpommern entwickelt?

Es läuft richtig gut und wir haben noch viel vor in Brandenburg. Wir glauben, dass Elstal irgendwann unser wichtigster Standort ist. Wenn wir noch mehr Freizeitangebote schaffen, mit schönen Fahrgeschäften und tollen Angeboten für Kinder und Familien können wir eine Lücke schließen. Denn in Brandenburg und Berlin gibt es keinen Freizeitpark.

100 Millionen Euro will Ihr Unternehmen in das Freizeitpark-Projekt „Erdbeerland“ im Havelland stecken. Sind Sie inzwischen Erdbeer-Milliardär, Herr Dahl?

Nein, vielleicht haben wir schon eine Milliarde Erdbeeren gepflückt, aber Erdbeer-Milliardär bin ich noch nicht. Wir stemmen die Investitionssumme für den Freizeitpark nicht auf einen Schlag, sondern verteilen sie auf einen Zeitraum über zehn Jahre. Unsere Erlebnisdörfer und der Freizeitpark im Havelland leben davon, dass jedes Jahr neue Attraktionen hinzukommen. Damit machen wir uns nicht von den Banken abhängig und lenken unsere Investitionen auf eine Zeitspanne, die das Unternehmen verträgt.

„Ein Ehepaar hat mich überredet, ein Erlebnisdorf in China zu eröffnen“

Bleibt es bei dem Baubeginn im Jahr 2019?

Das ist unser Plan. Wir befinden zurzeit im Raumordnungsverfahren. Es geht um Umweltschutz und Parkplätze. Der Knotenpunkt an der B5 ist ein wichtiges Thema. Die Bundesstraße muss möglicherweise ausgebaut werden, damit es nicht zu Behinderungen kommt. Die Anwohner wollen auf die B5 fahren, ohne im Stau zu stehen. Damit es keine Probleme gibt, muss also sorgfältig und gut geplant werden. Wenn alles gut läuft, sind wir in anderthalb Jahren soweit, Bauanträge einzureichen. Dann können wir 2019 bauen.

Warum glauben Sie an den Brandenburger Standort?

Elstal liegt nah an Berlin und Sachsen-Anhalt. Wenn wir mehr Attraktionen anbieten, wird der Radius größer, zu uns zu kommen. Das bieten unsere anderen Standorte an der Ostseeküste in Rügen oder auf Usedom in der Form nicht. Das Geschäft dort ist saisonal bedingt von Ostern bis Oktober. Im Winter gibt es kaum Urlauber. In Brandenburg ist der Geschäftsablauf ganzjährig.

Bislang haben Sie überwiegend auf ostdeutsche Standorte gesetzt, demnächst soll Karls Erdbeerhof nach China expandieren. Warum zieht es Sie jetzt in den fernen Osten?

Wir stehen in Kontakt mit einem jungen Ehepaar aus China. Die beiden haben selber zwei Kinder und uns vor vier Jahren das erste Mal besucht, weil sie geschäftlich in Rostock zu tun hatten. In ihrer Heimatstadt fehlt es an Freizeitparks und es gibt nur wenige Angebote wie Indoor-Spielplätze. Sie sind Karls-Fans und haben mich überredet, dass wir ein Erlebnisdorf in China bauen. Ich wollte es anfangs selber nicht glauben, aber weil die beiden eine große Sympathie ausstrahlen, haben wir uns vorstellen können, dass sie es hinkriegen.

Disneyland rund um die Erdbeere

Handelt es sich um ein Franchise-Unternehmen?

Nein, wir haben eine Kooperation vereinbart und sind beteiligt. Das Paar investiert selber, weshalb unser Risiko nicht so groß ist. Inzwischen gibt es ein Grundstück in Hangzhou, anderthalb Flugstunden von Hong Kong entfernt. Wir stecken schon mitten in den Planungen. In China werden übrigens die meisten Erdbeeren auf der ganzen Welt angebaut.

Ein Disneyland rund um die Erdbeere. Auf die Idee muss man überhaupt erst einmal kommen. Sie experimentieren gern?

Ja, mit allem. Wir probieren vieles aus und die Erdbeere steht immer im Zentrum. In dem Bereich wissen wir, was wir tun.

Sie selber sind auf Erdbeerfeldern groß geworden. Wann standen Sie das letzte Mal auf dem Feld?

Heute Morgen. Wenn die Sonne aufgeht, bin ich jeden Tag auf dem Feld, weil es einfach richtig schön ist. Mein eigentlicher Beruf ist es ja, Erdbeerbauer zu sein. Gerade zu Beginn der Ernte ist es für mich wichtig, dass ich sehe, wieviele Erdbeeren wir zu erwarten haben, um die Verkaufsstände zu planen.

„Unsere Pfücker kommen aus Polen und der Ukraine“

400 Verkaufsstände gibt es in Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Leipzig und Berlin. Wieviele Erdbeeren machen sich täglich von Rövershagen aus auf die Reise?

Alle unsere Erdbeeren kommen von den Feldern rund um Rövershagen. Bis zu 35.000 Kilogramm Erdbeeren gehen in der Haupternte auf die Strecke. Das sind drei LKW-Ladungen mit rund 90 Paletten. Jetzt am Anfang der Ernte könnte man die Erdbeeren in einen Autokofferraum packen.

Vor fünf Jahren wurde Kritik laut, dass hinter der Vermarktung Ihrer Früchte Ausbeutung der Mitarbeiter steckt, weil Sie Verkäufern in den Erdbeerbüdchen angeblich zu wenig zahlen. Was sagen Sie zu den Vorwürfen?

Vor fünf Jahren haben wir unseren Mitarbeitern einen Bruttolohn von 7,50 die Stunde gezahlt, was als „prekär“ bezeichnet wurde. Ich empfand das als große Ungerechtigkeit, weil wir der Meinung waren, dass wir für einen Sommerjob einen guten Lohn gezahlt haben, wie er auch im Burgerladen oder im Jeansgeschäft gezahlt wird. Damals gab es noch keinen Mindestlohn wie heute. Wir tun viel für unsere 600 Mitarbeiter.

„Ich bin mit Leib und Seele Bauer“

Aus welchen Ländern kommen Ihre zusätzlichen 1600 Erntehelfer?

Die Pflücker kommen aus Polen und der Ukraine für etwa sechs bis acht Wochen. Der Mindestlohn gilt für alle. Aus Deutschland bewerben sich zwar Verkäufer, aber niemand will Erdbeeren pflücken. Erdbeerpflücken ist eine schwere Arbeit: Heute Morgen war es zum Beispiel sehr kalt, im Sommer kann es sehr warm sein, die Haltung ist immer gebückt. Es gibt angenehmere Jobs. In Polen und der Ukraine liegt der Durchschnittslohn bei 1,50 Euro für die Erdbeerpflücker. Für unsere Erntehelfer aus Osteuropa sind die 8,84 Euro hochattraktiv.

Was sagen Sie Leuten, die Sie als Industriellen betrachten würden?

Das ist großer Quatsch. Wir pflanzen unsere Pflanzen in die Erde, sind vom Wetter abhängig, müssen Erdbeeren vor Frost schützen. Wir sind ein stinknormaler Landwirtschaftsbetrieb und gar nicht mal so groß. Wir bewirtschaften 330 Hektar, nur dass wir eben Erdbeeren anbauen und nicht Getreide. Jede Agrargenossenschaft hat 3000 oder 6000 Hektar. Wer mir sagt, ich bin Industrieller, kennt mich nicht. Ich bin mit Leib und Seele Bauer.

Wovon träumen Sie, Herr Dahl?

Ich lebe meinen Traum, jeden Tag und bin ein Glückspilz, weil ich in meinem Beruf viele verschiedene Dinge tun kann, die mir Spaß machen.

Robert Dahl (46) führt den Familienbetrieb „Karls Erlebnis-Dorf“ in dritter Generation.

Fünf Erdbeer-Erlebnisdörfer gibt es: am Unternehmenssitz in Rövershagen bei Rostock, im brandenburgischen Elstal (Havelland), auf Rügen, auf Usedom und in Warnsdorf bei Lübeck.


In Elstal (Havelland) soll neben dem Erlebnisdorf ein 46 Hektar großer Freizeitpark entstehen.


Bei Karls arbeiten 600 Beschäftigte, davon 80 Brandenburg.

Von Diana Bade

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