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Erfrorene Füße und „kolossales Schmutzwetter“

Feldpost aus Brandenburg Erfrorene Füße und „kolossales Schmutzwetter“

1915: Seit über einem Jahr tobt der Erste Weltkrieg. Statt eines schnellen Sieges stehen unzählige tote Soldaten zu Buche. Täglich warteten die Menschen auf ein Lebenszeichen ihrer Liebsten. Viele Soldaten schreiben Postkarten an ihre Angehörigen – erhalten geblieben sind ernste Botschaften und schöne Ansichten aus der Mark.

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Neuruppin: 3.3 15: Geehrter Herr Barth. Bin jetzt wieder in meiner Garnisonstadt angelangt. Es geht jetzt wieder von neuem los, da die neuen Rekruten bereits hier sind, alles Berliner. Auch ist hier ein kolossales Schmutzwetter – versendet von Neuruppin nach Berlin.

Potsdam. Nein, einfach war die Situation im Deutschen Kaiserreich vor 100 Jahren gewiss nicht. Seit über einem Jahr tobte der Erste Weltkrieg. Statt eines schnellen Sieges standen unzählige tote Soldaten zu Buche. Die Sorge um die Angehörigen war auch in der damaligen Provinz Brandenburg groß. Täglich warteten die Menschen auf ein Lebenszeichen ihrer Liebsten. Da ein flächendeckendes Telefonnetz nicht existierte, kamen die Grüße der Soldaten auf Briefen und Karten – als sogenannte „Feldpost.“

Die Mark war zwar weit entfernt von den Frontlinien, an denen sich der eigentliche Krieg abspielte, doch zwischen Perleberg und Landsberg befanden sich viele Kasernen und Lazarette. „Berlin/Brandenburg war noch bis 1945 die militärische Zentralregion in Deutschland“, erklärt Stephan Theilig, Leiter des Brandenburg-Preußen Museums in Wustrau (Ostprignitz-Ruppin). Die Soldaten, die in Brandenburg medizinisch versorgt wurden oder sich für ihren nächsten Einsatz an der Front bereithielten, schickten Botschaften in alle Landesteile. „Die Feldpostkarten wurden kostenlos verteilt“, sagt Theilig, „sie dienten Propagandazwecken.“ Neben heroischen Abbildungen waren es Alltagsszenen oder schmucke Gebäude, die trotz der Schattenseiten ein schöngefärbtes Bild vom Krieg zeichnen sollten.

Oft verschickten die Soldaten ganz praktische Nachrichten. So schrieb ein Bernhard seiner Charlotte am 10. März aus dem Truppenlager Zossen: „Möchte Dich bitten mir doch vorläufig nichts zu schicken da wir vielleicht Montag hier weg kommen [...], ich hätte sonst zu viel zu tragen [...]“ Wirklich offen durften die Soldaten nicht mitteilen, was sie bewegte. „Post mit moraluntergrabenden Mitteilungen ist nicht ausgeliefert worden“, sagt Theilig. Die Briefe und Karten, die durchkamen, lassen deshalb nur erahnen, welche Sorgen und Nöte die Soldaten damals hatten. Mal ist von erfrorenen Füßen die Rede, mal von der Schönheit der Gegend, die sich vom Krankenbett aus nur schlecht genießen lasse.

Umgekehrt war in der Heimat die Sorge um Ehemänner, Väter und Brüder groß. Eine Claire aus Berlin schickte einem Fritz nach Belgien eine Ansichtskarte mit dem Schloss Babelsberg als Motiv. Claire schrieb: „Lieber Fritz! Deine Karte vom 24.II. erhalten, und war sehr erstaunt darüber. Was ist denn nur los, bist Du verwundet? Hoffe daß es nicht so gefährlich ist. Gebe doch bitte näheren Bescheit. In der Hoffnung, daß Dich die Karte bei guter Genesung antrifft [...].“ Ob Fritz die Karte überhaupt erreichte, ist nicht bekannt.

Schöne Bilder und ernste Botschaften: So lassen sich die Feldpostkarten beschreiben. Ausgewählte Exemplare finden Sie auf dieser Seite. Die originale Schreibweise der Texte samt Fehlern wurde beibehalten.

Von Mischa Karth

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