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Brandenburg Erneut Brandanschlag auf Halle in Nauen
Brandenburg Erneut Brandanschlag auf Halle in Nauen
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10:07 10.03.2016
Anschlagsziel: Traglufthalle in Nauen. Quelle: Julian Stähle
Nauen/Potsdam

Wieder sollte eine Halle im havelländischen Nauen brennen: Unbekannte schleuderten Mittwochmorgen eine brennende Sperrholzleiste zehn Meter weit über den Zaun einer als Flüchtlingsheim vorgesehenen Traglufthalle. Das Wurfgeschoss – Wachschützer fanden es am Mittwoch gegen neun Uhr – verfehlte die Kunststoffplane um weniger als einen Meter.

„Das zeigt uns, dass in Nauen trotz der Festnahmen in der letzten Woche mehr Kräfte aktiv sind“, heißt es aus der Polizeispitze. Die Polizeidirektion West erstattete Anzeige gegen unbekannt wegen versuchter Brandstiftung. Bereits am 1. März hatten Unbekannte versucht, die noch im Bau befindliche Halle anzustecken. In beiden Fällen entkamen die Täter.

In Nauen ist es in den vergangenen Monaten immer wieder zu Anschlägen gekommen, bei denen ein rechtsextremer Hintergrund vermutet wird. Im Sommer ging eine geplante Flüchtlingsunterkunft in Flammen auf, Autos wurden vorsätzlich demoliert und das Parteibüro der Linken ist immer wieder attackiert worden. Ein Überblick über eine unheimliche Anschlagsserie.

Zur Untersuchung der Neonazi-Zelle von Nauen hat die Polizei inzwischen ihre Ermittlungsgruppe vergrößert. Die zusätzlichen Beamten sollen die sichergestellten Beweismittel – vor allem Handys und Computer auswerten, um Verbindungen in andere Bundesländer oder sogar ins Ausland aufzudecken, erfuhr die MAZ aus Kreisen der Fahnder. Die Staatsanwaltschaft bestätigte, dass von den Verdächtigen mindestens eine Aussage zu dem Treiben der fünf bis sechs Mann starken Untergrundzelle vorliege.

Der mutmaßliche Kopf der Zelle, der Nauener NPD-Stadtverordnete und Havelländische Kreistagsabgeordnete Maik Schneider, schweigt. Ihm, dem ebenfalls in Untersuchungshaft sitzenden mutmaßlichen Komplizen Dennis W. und anderen Angehörigen der Gruppe wirft die Staatsanwaltschaft sieben Taten vor, insbesondere die Zerstörung einer Turnhalle in Nauen im August 2015 durch Brandstiftung.

Im Sommer brannte in Nauen eine Turnhalle ab, in der Flüchtlinge untergebracht werden sollte. Verantwortlich dafür könnte die braune Terror-Zelle um NPD-Mann Maik Schneider sein. Quelle: Julian Stähle

Die Verwaltung des Landkreises Havelland, dem die Turnhalle gehört, kündigte unterdessen an, zivilrechtliche Schadenersatzansprüche gegen die Verantwortlichen des Brandes geltend zu machen, so sagte der Sprecher der Kreisverwaltung, Oliver Kratzsch.

Das hätte gravierende Folgen für die Täter. Die fast neuwertige Halle hatte mehr als drei Millionen Euro gekostet. Würden zum Beispiel drei Täter tatsächlich verurteilt, wäre jeder mit einer Million Euro Schulden belastet – zuzüglich Zinsen. Die liegen derzeit bei mehr als vier Prozent.

Selbst im Falle einer Privatinsolvenz der Täter, würde die Schuld nicht getilgt.

Von Ulrich Wangemann

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