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Brandenburg Erpresserbrief mit märkischer Grammatik
Brandenburg Erpresserbrief mit märkischer Grammatik
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00:19 06.12.2017
An dieser Packstation in Potsdam-West wurde die Sendung am Donnerstag abgegeben. Quelle: dpa
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Potsdam

Der Paket-Sprengsatz, wegen dem am Freitag Teile der Potsdamer Innenstadt gesperrt werden mussten, galt nicht dem Weihnachtsmarkt, sondern dem Zustellunternehmen DHL. Wie Brandenburger Polizei und Staatsanwaltschaft Potsdam am Sonntag auf einer Pressekonferenz bekannt gaben, erpressen ein oder mehrere Unbekannte den Post-Dienst und fordern eine Summe in Millionenhöhe – mitten im Weihnachtsgeschäft. Zur genauen Höhe der Forderung machten die Ermittlungsbehörden keine Angaben.

Ein Terrorverdacht ist damit nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden ausgeschlossen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt jetzt wegen schwerer räuberischer Erpressung.

Bekennerschreiben im Paket

Die Paketbombe, die ein DHL-Bote am Freitagnachmittag in einer Apotheke direkt an der Hauptmeile des Potsdamer Weihnachtsmarkts abgegeben hatte, enthielt laut Brandenburgs Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke ein Bekennerschreiben. DHL will zum jetzigen Zeitpunkt nicht Stellung zu dem Vorgang nehmen, hieß es vom Unternehmenssitz in Bonn mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen. Der zur Deutschen Post gehörende Paketdienst DHL hatte im vergangenen Jahr als Marktführer 1,2 Milliarden Pakete in Deutschland zugestellt. Am Spitzentag im Weihnachtsgeschäft waren es 8,4 Millionen Pakete.

Weitere Pakete nicht ausgeschlossen

In dem wiederhergestellten Schreiben nimmt der Erpresser Bezug auf eine weitere Bombensendung vom 6. November, die an einen Onlinehändler in Frankfurt (Oder) gerichtet war. Damals entzündete sich das Paket, in dem Kugellagerkugeln enthalten waren, beim Öffnen. Niemand wurde verletzt, aber ein beiliegender Erpressungsbrief verbrannte. Bei der Polizei hält man weitere Sendungen für wahrscheinlich, da der Täter dergleichen angekündigt hatte für den Fall, dass DHL nicht zahlen würde. Landes-Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) warnte die Bürger: „Öffnen Sie auffällige Pakete nicht! Wenn schon die Anschrift nicht korrekt ist, kann das ein Hinweis sein, dass etwas nicht stimmt.“ Misstrauisch sollten Empfänger auch bei fleckigen Sendungen und solchen werden, bei denen der Absender nicht am dafür eigentlich vorgesehenen Ort stehe. Der Potsdamer Sprengsatz sei scharf gewesen, sagte Schröter (SPD) und nahm damit seine Einschätzung vom Freitag zurück, wonach die Nagelbombe nicht zündfähig gewesen sei. „Die Täter nehmen die Tötung der Empfänger billigend in Kauf“, so der Minister. Nach Angaben des Apothekers hatte das Päckchen beim Öffnen gezischt. Wäre der Sprengsatz „zur Umsetzung gelangt, hätte er schwerste Verletzungen zur Folge haben können“, äußerte der Innenminister.

Täter vermutlich aus Berlin oder Brandenburg

Bislang waren in beiden Fällen Kleinunternehmen Adressaten der explosiven Sendungen. Aufgegeben wurde das Potsdamer Paket am 30. November in einer Packstation im Potsdamer Stadtteil West – vermutlich vor 7.15 Uhr am Morgen. Es handelt sich um den Standort Kantstraße/Roseggerstraße. In Aushängen bittet die Polizei die Bewohner des Viertels um Hinweise.

Die Ermittler vermuten den oder die Täter in Brandenburg oder Berlin. Nach MAZ-Informationen deuten Grammatik beziehungsweise Rechtschreibung in dem Bekennerschreiben auf diesen regionalen Bezug hin. Eine ausländische Tätergruppe sei sehr unwahrscheinlich, hieß es.

Die Ermittlungsgruppe „Luise“ – so heißt die Apotheke – jagt den Erpresser jetzt mit 25 Kriminalisten. 30 Bereitschaftspolizisten mit Maschinenpistolen waren am Samstag zur Sicherung des Weihnachtsmarkts auf Potsdams Straßen unterwegs.

Es ist unklar, ob der Täter wusste, dass er mit der Wahl der Zustell­adresse mitten im Weihnachtsmarkttreiben die Aufmerksamkeit des kompletten Anti-Terror-Behördenapparats auf sich zog. Behördenintern gehen Ermittler von einer „gewissen Irrationalität“ des Täters aus, wie es Ermittlungsführer Jörn Preuß ausdrückte. Eigentlich legten es ja Erpresser darauf an, dass ihre Forderungen gelesen würden.

Potsdam, 1. Dezember 2017 – Riesenaufregung am Freitagnachmittag in der Innenstadt von Potsdam. An eine Apotheke in der Brandenburger Straße war ein verdächtiges Paket geliefert worden. Das verdächtige Paket wurde von Spezialkräften entschärft. Der Weihnachtsmarkt und die Dortustraße waren stundenlang abgesperrt.

Von Ulrich Wangemann

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