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Brandenburg Erste Ernte bei den Bienen der Staatskanzlei
Brandenburg Erste Ernte bei den Bienen der Staatskanzlei
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17:58 16.08.2017
Erfreut über dien ersten brandenburgischen „Staatshonig“: Staatssekretär Thomas Kralinski (l.) und Imker Holger Ackermann mit Wabe. Quelle: Rüdiger Braun
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Potsdam

Holger Ackermann entzündet seinen Smoker, die silbrige Raucherkanne, die dank glimmenden Holzes wirklich kräftig qualmt. Damit nähert sich das Mitglied des Landesverbands Brandenburgischer Imker dem Kasten unter den Lindenbäumen. Es ist kein gewöhnlicher Bienenstock. Das zeigt schon die Platte der Vorderwand. Groß ist auf ihr der Rote Adler abgebildet. Seit Mai dieses Jahres stehen im Innenhof der Staatskanzlei zwei hauseigene Bienenvölker. Hobbyimker Ackermann, der für die Tiere verantwortlich ist, erntet an diesem Mittwoch Mitte August zum ersten Mal sozusagen brandenburgischen Staatshonig.

Honig ist teuer

22 000
Bienenvölker haben derzeit die im Verband organisierten Imker. Zumeist kultivieren sie die Kärtner Biene, die carnica. Das Insekt wird früher im Jahr aktiv als die dunkle europäische Biene und gilt als sanftmütig.

Die Varroamilbe ist der größte Feind der Bienenvölker. Die Milben selbst schwächen die Bienen und übertragen überdies krankmachende Viren.

Zehn Euro pro Liter Qualitätshonig müssen deutsche Imker verlangen. Nur so rechnet sich die kostspielige Arbeit, zu der Anschaffung und Pflege der Völker gehört.

Ackermann stellt den Smoker am Fuße des ersten Bienenkastens ab. Instinktiv verlassen die Sammelbienen in Panik den Stock. Sie halten den Rauch für einen Brand, dem sie entkommen müssen. Das macht den Stock frei für die Ernte. Ackermann hebt den Deckel und zieht die erste Wabe heraus. Auf ihr krabbeln noch einige Bienen. Besonders in der Mitte sieht man die Zellen mit einer dicken Wachsschicht überzogen. Stolz präsentieren Ackermann und der Chef der Staatskanzlei, Thomas Kralinski (SPD), eifrig knipsenden Journalisten die erste Honigausbeute der Staatskanzlei. „Das hier gibt sicher schon vier Gläser Honig“, meint Ackermann. Am Abend will er zuende ernten und den Bienen zum Ersatz für den geraubten Honig eine handelsübliche Winternahrung bereitstellen. Insgesamt rechnet Ackermann mit 16 Kilo Honig. Das ist eigentlich nicht sehr viel. 60 Kilo Honig könnten zwei Völker bei der Ernte eigentlich schon schaffen. Aber für den Anfang nicht schlecht.

Die Honigernte fällt suboptimal aus

„Die Völker waren schwach“, schlecht Ackermann. Sie seien erst im vergangenen Winter neu gegründet worden. In den Kästen der Staatskanzlei befänden sich vielleicht 60000 Bienen. Bei starken Völkern könnten es schon mal 100000 sein. Und dann war auch das Frühjahr verregnet und es gab zwischendurch Frost im April. Alles in allem sei die Ernte auch anderswo dieses Jahr „suboptimal“. Es sei sogar möglich, dass der Honig einen zu hohen Wasseranteil von über 18 Prozent habe. Dann würde Ackermann ihn nicht vermarkten. Zu wasserhaltiger Honig könne leicht gären. Aber Ackermann ist zuversichtlich, dass es so schlimm nicht kommt. Auch Staatssekretär Kralinski glaubt fest daran, dass er Anfang Oktober bei einem Empfang der Deutschen Botschaft in London ein paar Gläser original Staatskanzleihonig aus Brandenburg präsentieren kann. Brandenburg ist diesmal als Partnerland geladen. Honig, findet Kralinski, ist ein viel besseres Werbemittel für Brandenburg als die üblichen Bücher, die bei Empfängen vergeben werden. Und als Werbung für das Imkerhandwerk allgemein sind auch die beiden Bienenkästen auf dem Regierungsareal gedacht.

„Wenn man mal das Geschehen auf mehreren Weltgegenden verfolgt, sieht man, dass es den Bienen nicht so gut geht“, sagt der studierte Politikwissenschaftler und Volkswirt Kralinski. Das habe ihn doch dazu gebracht, sich ein bisschen mehr für die Bienen zu interessieren. „Viele Imker gehen in Rente“, sagt Kralinski. Oft fehle der Nachwuchs. Und derjenige der komme kümmere sich in der Regel um immer weniger Völker. „Wir brauchen also mehr Leute, die sich dem Thema und den Bienen widmen“, so Kralinski. Nicht zuletzt deshalb habe er schon vor zwei Jahren in der Berliner Vertretung Brandenburgs in den Ministergärten zwei Stöcke ansiedeln lassen. Dieses Jahr kamen die beiden Kästen im Zentrum des Potsdamer Regierungsgeländes hinzu.

630000 Euro Förderung für Imker im Jahr

Imker Ackermann lobt den „bildungswilligen und bildungsfähigen“ Staatssekretär. „Was uns als Imker begeistert, ist, dass ein Umdenken stattgefunden hat und die Staatskanzlei wohlwollend vorausgeht.“ Schon länger gibt das Land 630000 Euro für die Förderung der Bienenhaltung aus. Und jetzt werden nicht nur die Kästen selbst aufgestellt, auf dem Gelände der Staatskanzlei werde jetzt auch nicht mehr so intensiv gemäht wie zuvor. Auf dem krautig bewachsenem Boden finden die Bienen auch jetzt noch viele Kleeblüten und Scharfgarben, an die sie prompt gehen.

Der Hauptfeind ist die Varroamilbe

Über die publikumsträchtige Aktion dürfte sich auch der Landesvorsitzende der Brandenburgischen Imker, Lothar Lucke, freuen. Er bestätigt, dass der Altersdurchschnitt der etwa 2500 im Verband organisierten brandenburgischen Imker mit 55 Jahren nicht gerade tief liegt. „Mit unter 30 Jahren haben die jungen Leute noch nicht ihren Platz im Leben gefunden.“ Imkerei sei da nicht unbedingt ein naheliegendes Hobby. Außerdem sei es auch kostspielig, Für den Erwerb eines Volkes zahlt man schon einmal bis zu 200 Euro. „Seit sieben bis acht Jahren haben wir auch Mitgliederzuwachs zu verzeichnen“, sagt Lucke. „Aber es gibt auch viele Abgänge.“

Die Imker sind das eine, die Bienen das andere. Vom großen Bienensterben in Brandenburg würde Lucke zwar nicht reden, aber in Bedrängnis sind die staatenbildenden Insekten gleichwohl. „Es sind komplexe Faktoren“, sagt Lucke. Hauptfeind bleibe die aus Asien eingeschleppte Varroamilbe, die 1977 zum ersten Mal in Deutschland nachgewiesen wurde. Hinzu komme „eine aufgeräumte Umwelt“, nämlich große Landwirtschaftliche Flächen mit wenig Blütenangebot. Hilfreich wäre zum Beispiel schon, wenn das Land Bauern für das Anlegen von Blühstreifen fördere, findet Lucke. Saatgut für ein Hektar koste um die 350 Euro. Dem schließt sich auch Holger Ackermann auf dem Gelände der Staatskanzlei an. „Wichtig ist ein Dauerblühangebot in der Fläche“, sagt er. Zumindest zwischen den Regierungsbauten finden das die märkischen „Staatsbienen“ bei all dem Klee vor.

Von Rüdiger Braun

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