Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -1 ° wolkig

Navigation:
Wie weiter mit den Schulkrankenschwestern?

Modellprojekt in Brandenburg Wie weiter mit den Schulkrankenschwestern?

Oft reicht ein tröstendes Wort, ein Pflaster und das Trocknen der Tränen. „Schulkrankenschwestern“ sind erste Ansprechpartner für Kinder. Das Modellprojekt, das inzwischen viele Anhänger hat, endet im Oktober. Ob daraus ein dauerhaftes Angebot wird, ist offen.

Voriger Artikel
Brandenburg: Missstimmung bei Rot-Rot
Nächster Artikel
Der lange Weg zum Hausarzt in Brandenburg

Mehr als nur Pflaster kleben: In Schulen kümmern sich Schulkrankenschwestern um das gesundheitliche Wohl der Schüler.

Quelle: dpa

Potsdam. Ob Kopfschmerzen oder Unwohlsein, Schnittverletzungen oder Unfälle, aber auch ein Tip für gesunde Ernährung – die Palette für Schüler und Lehrer, sich an Michaela Keller zu wenden, ist breit. Die 41-Jährige ist seit gut einem Jahr „Schulkrankenschwester“ an einer Grund- und einer Oberschule in Beelitz (Potsdam-Mittelmark) und dabei gut ausgelastet. „Im Schnitt suchen mich täglich zehn bis zwölf Kinder auf“, sagt die einstige Fachschwester für Intensivmedizin an einem Krankenhaus.

Modellprojekt an 20 Schulen im Land

Michaela Keller, die in ihrem Schwesternzimmer neben Verbandsmaterial auch Blutdruck- und Fiebermessgeräte sowie Kinderbücher und Kuscheltiere hat, gehört zu sogenannten Schulgesundheitsfachkräften in öffentlichen Schulen im Land. Diese sind derzeit an 20 Schulen tätig und gehören zu einem zweijährigen Modellprojekt, das Brandenburg mit Hessen gemeinsam durchführt. Es endet im Oktober und ginge es nach Gesundheitsministerin Diana Golze (Linke), sollten dann an möglichst vielen Schulen solche Kräfte eingesetzt werden. „Es gibt eine hohe Akzeptanz bei allen Beteiligten“, betonte Golze. Bei einem Kongress in Potsdam wurden am Donnerstag Zwischenergebnisse vorgestellt.

Ziel: Entlastung der Lehrer

Bislang werden Kinder, die sich in der Schule nicht wohl fühlen, meist ins Sekretariat geschickt oder einzelne Lehrer kümmern sich um sie. Doch eine medizinische Ausbildung liegt nicht vor. Oft sind die im Alltag sowieso schon angespannten Lehrer mit dem zusätzlichen Kümmern um die Gesundheit der Schüler überfordert. Schulgesundheitsfachkräfte haben deshalb auch das Ziel, Lehrer zu entlasten.

Nach einer Studie der AOK aus 2014 leidet etwa jedes fünfte Kind zwischen 4 und 14 Jahren an gesundheitlichen Problemen – von Einschlafstörungen bis zu Rückenschmerzen oder Gereiztheit. Der Ruf nach medizinischer Betreuung im Schulalltag wurde lauter. Schon 2012 hatte sich ein Bündnis „Gesund Aufwachsen in Brandenburg“ gegründet. Vorbild sind die skandinavischen Länder, aber auch Polen oder Spanien, wo es schon seit Jahren Schulkrankenschwestern gibt.

Hilfe auch bei Stress

„Damit Kinder gut lernen können, müssen sie sich an den Schulen wohlfühlen und auch gesund sein“, hob Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) hervor. Die Fachkraft vor Ort helfe mit, dafür zu sorgen, aber auch bei der Bewältigung von Stress. Nach ersten Untersuchungen mussten an Sekundarschulen 33 Prozent der Schüler wegen Erkrankungen und 10 Prozent wegen eines Unfalls von der Schule nach Hause geschickt werden. „Wir wissen noch nicht, ob und in welcher Form das Projekt weiter geht“, sagte Bildungsministerin Ernst.

„Wir nehmen wahr, dass einige Kinder nicht so aufwachsen wie wir uns das wünschen“

Die Themen Gesundheit, Ernährung und Bewegung an Schulen würde heute eine größere Rolle spielen als früher. „Wir nehmen wahr, dass einige Kinder nicht so aufwachsen wie wir uns das wünschen.“ Gestiegen sei das gesamtgesellschaftliche Bewusstsein, dass es einen Zusammenhang gebe zwischen Nicht-Gesundsein und nicht gut lernen. Es müsse Angebote an den Schulen geben und eine solche Fachkraft könne dabei helfen, die Probleme zu lösen. Nach Angaben von Ministerin Golze hat an Grundschulen jedes zweite Kind Hilfe der extra für diese Aufgabe ausgebildeten früheren Kinderkrankenschwestern in Anspruch genommen.

Schulgesundheitsfachkräfte sollen laut AOK auch in Gesundheitsfragen beraten – von richtiger Ernährung bis zu ausreichender Bewegung. Sie betreuen auch chronisch kranke Kinder oder Kinder, die nach längerer Krankheit abwesend waren. Auch Mädchen oder Jungen, die unter Mobbing leiden, die Probleme haben, weil sie in eine neue Klasse kamen oder unter ersten Liebeskummer leiden, sollen ein offenes Ohr bekommen.

Für das Modellprojekt stehen 1,1 Millionen Euro zur Verfügung. Zuständiger Projektträger ist die AWO Potsdam, die neben den Ministerien für Gesundheit und Bildung auch mit der AOK Nordost und der Unfallkasse Brandenburg kooperiert.

Von Igor Göldner

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Brandenburg
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg