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14:48 14.12.2015
Hitlers „Mein Kampf“ kam auf eine Auflage von mehr als 12 Millionen Exemplaren: Hochzeitspaare bekamen im 3. Reich ein Gratisexemplar zur Trauung. Quelle: dpa
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Potsdam/München

Es war nie wirklich weg und doch war das Buch in Deutschland 70 Jahre lang offiziell verboten. Nun darf Hitlers „Mein Kampf“ wieder verkauft werden.

Nachdrucke waren verboten

Am 15. Januar 2016 erscheint das Unbuch als kommentierte Neuausgabe. Denn 70 Jahre nach dem Tod des Diktators laufen Ende dieses Jahres die Urheberrechte an dem Machwerk aus. Seit 1946 hatte der Freistaat Bayern die Rechte an dem Buch, weil der Hitler bis zuletzt mit seiner Neun-Zimmer-Privatwohnung am Prinzenregentenplatz 16 in München polizeilich gemeldet war. Als Rechtsnachfolger nutzte Bayern das gesetzliche Urheberrecht bislang dazu, Nachdrucke zu unterbinden. Das geht ab 2016 nicht mehr.

Die Historiker Andreas Wirsching (l.) und Christian Hartmann arbeiteten jahrelang an der kritischen Ausgabe. Quelle: AFP

Die Rückkehr des Unbuchs

Mit der 3500 kritischen Anmerkungen umfassenden Neuauflage von „Mein Kampf“ wollen die Herausgeber vom renommierten Münchner Institut für Zeitgeschichte (IfZ) nun allen, die die Hetzschrift möglicherweise auf den Markt bringen wollen, vorbeugen. Die kritische Edition erscheint in zwei Bänden und zeigt je auf einer Doppelseite rechts Hitlers Originaltext mit Erklärungen und links Einordnungen und Anmerkungen renommierter Wissenschaftler. Auf diese Weise wollen die Historiker Hitlers Propaganda entlarven.

Vor einer unkommentierten Verbreitung der Hetzschrift hatte zuletzt der Zentralverband der Juden in Deutschland gewarnt: „Die Strafverfolgungsbehörden sollten mit aller Konsequenz gegen die Verbreitung und den Verkauf des Buches vorgehen“, sagte Zentralratspräsident Josef Schuster.

„Das gefährliche Buch“: Arte-Doku über Hitlers „Mein Kampf“

Arte zeigt an diesem Dienstag (20.15 Uhr) die Dokumentation „’Mein Kampf’ - Das gefährliche Buch“. Denn 70 Jahre nach dem Tod des Diktators laufen mit dem Jahr 2015 die Urheberrechte an dem Machwerk aus, die der Freistaat Bayern als Rechtsnachfolger dazu nutzte, Nachdrucke in Deutschland bislang zu verhindern. Das geht ab 2016 nicht mehr.

Ein ambitioniertes Forschungsprojekt des Instituts für Zeitgeschichte (IfZ) in München will allen, die „Mein Kampf“ nun möglicherweise wieder auf den Markt werfen wollen, den Wind aus den Segeln nehmen und plant für Anfang Januar die Veröffentlichung einer kommentierten Ausgabe der Hetzschrift.

Die Dokumentation zeigt, mit welchen Schwierigkeiten das Projekt zu kämpfen hatte, das einst vom Freistaat Bayern initiiert wurde - bis Horst Seehofer (CSU) die staatliche Unterstützung nach einem Besuch in Israel völlig überraschend widerrief.

Hitler schrieb die Hetzschrift 1924 als Häftling in der Festung Landsberg. Er entwickelte darin unter anderem seine menschenverachtende „Rassentheorie“. Der erste Band erschien im Juli 1925, der zweite folgte im Dezember 1926. Der Absatz des Buches war auch dadurch gesichert, weil nach 1933 jedes Paar bei der Eheschließung ein Buch im Standesamt bekam. Tatsächlich stieg die Auflage bis zum Kriegsende allein in Deutschland auf 12,4 Millionen Exemplare. Doch nach Kriegsende verschwand auch die bekennende Leserschaft – zumindest in Deutschland. Denn während die Programmschrift hierzulande verboten war, kursiert „Mein Kampf“ im Ausland weiter. Weltweit existieren zahlreiche Übersetzungen, in arabischen Ländern ist das Buch ein Hit und in Japan gibt es sogar eine Manga-Version.

Darf man mit Hitler Geld verdienen?

Die Neuauflage, die hierzulande im Januar in die Buchläden kommt, ist dann nicht mehr nur für Fachleute, sondern für ein breites Publikum erhältlich. 59 Euro kostet die kritische Edition. Doch darf man mit Hitler Geld verdienen? Ein Bestseller dürfte „Mein Kampf“ sowieso nicht werden. Denn zunächst werden etwa 3500 Exemplare gedruckt, 400 davon übernimmt die Bundeszentrale für politische Bildung. Mit dem Verkaufspreis von 59 Euro lasse sich auf absehbare Zeit kein Geld verdienen, hieß es vom IfZ. Die Neuauflage sei quasi im Selbstkostenpreis entstanden. Renommierte Wissenschaftler haben jahrelang hauptamtlich an dem Projekt gearbeitet.

Von MAZonline

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