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Es trifft den Osten: Arme Menschen sterben früher

Studie zur Gesundheit Es trifft den Osten: Arme Menschen sterben früher

Menschen mit wenig Geld sterben in Deutschland im Schnitt deutlich früher als Wohlhabende. Negativ betroffen sind weite Teile Ostdeutschlands und Teile des Ruhrgebiets, des Saarlands und Frankens. Besonders bei Männern sind die Unterschiede deutlich. In Brandenburg ist der Unterschied zwischen Potsdam und Frankfurt/Oder eindeutig.

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Arme Menschen sterben früher.

Quelle: dpa-Zentralbild

Berlin. Menschen mit wenig Geld sterben in Deutschland im Schnitt deutlich früher als reiche. Die Lebenserwartung liegt in struktur- und einkommensschwachen Regionen erkennbar niedriger als in wohlhabenden Gegenden. Das zeigen regionale Daten, die die Linken-Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann beim Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) ermittelt hat. Negativ betroffen sind etwa weite Teile Ostdeutschlands und Teile des Ruhrgebiets, des Saarlands und Frankens.

Schlusslicht Pirmasens (Rheinland-Pfalz)

Besonders bei Männern sind die Unterschiede deutlich. Schlusslicht ist bei ihnen das rheinland-pfälzische Pirmasens mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 73,0 Jahren. Die höchste Lebenserwartung bei Männern gibt es demnach im bayerischen Starnberg mit 81,3 Jahren. Auch bei den Frauen belegt Pirmasens mit 77,1 Jahren den letzten Platz, statistisch am ältesten werden Frauen im Kreis Breisgau-Hochschwarzwald mit 85,0 Jahren. 74,6 Jahre lebt man im Durchschnitt in den Landkreisen Oberspreewald-Lausitz in Brandenburg, Stendal und Salzlandkreis in Sachsen-Anhalt sowie der Stadt Bremerhaven.

Lebenserwartung und Mittleres Einkommen in Brandenburg

Die Lebenserwartung in Brandenburg kann sich je nach Wohnsitz um fast fünf Jahre unterscheiden. Das geht aus einer Auswertung für die Kreise und Städte hervor. Potsdams Einwohner haben rechnerisch dabei die höchste Lebenserwartung in Brandenburg. In der Landeshauptstadt Potsdam liegt die Lebenswartung laut Statistikamt bei Männern bei 79,3 Jahren und bei Frauen bei 83,6 Jahren. Das Mittle Einkommen liegt insgesamt bei 2702 Euro.

Der Landkreis Elbe-Elster ist das brandenburgischen Schlusslicht beim Mittleren Einkommen. Es liegt bei 1954 Euro. Die Lebenserwartung liegt hier für Männer bei 75,9 und bei Frauen bei 81,8 Jahren. Schlusslicht in der Auswertung ist bei Frauen die Stadt Frankfurt (Oder). Dort wurden sie im Bilanzzeitraum durchschnittlich 80,5 Jahre alt. Schlusslicht bei den Männern ist der Landkreis Oberspreewald-Lausitz, wo sich ein Wert von 74,6 Jahren ergibt.

Brandenburgweit liegt das Durchschnittseinkommen bei 2242,70 Euro. Die Lebenserwartung bei Männern bei 77 sowie bei Frauen bei 82,4 Jahren.

Zum Vergleich: Der Spitzenreiter bei den Mittleren Einkommen ist Hamburg mit 3380 Euro. Dort liegt die Lebenserwartung bei Männern bei 78,7 und bei Frauen bei 82,9 Jahren.

Zusammenhang von sozialem Status und Krankheit

Die Lebenserwartung steht - wie man schon länger weiß - in einer Beziehung zum Einkommen. Unterteilt man das Einkommen in seiner Spannbreite in fünf Gruppen von arm bis reich, dann liegt der Unterschied zwischen der niedrigsten und der höchsten Einkommensgruppe bei Männern bei 10,8 Jahren. Bei Frauen unterscheidet sich die Lebenserwartung immerhin noch um 8,4 Jahre. Das zeigen Daten des Robert Koch-Instituts (RKI). Das RKI hält auch einen Zusammenhang von Krankheit und sozialem Status für erwiesen: Bei schweren Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes oder chronischen Lungenerkrankung sind Sozialschwächere deutlich häufiger betroffen.

Bildung, Rauchen, Ernährung, Bewegung

In einer Antwort auf eine Anfrage der Abgeordneten Zimmermanns räumt die Bundesregierung ein, „dass günstigere sozioökonomische Bedingungen in der Wohnregion mit einer höheren Lebenserwartung einhergehen“. Ursache seien Unterschiede bei Bildung, aber auch beim Rauchen, der Ernährung und der Bewegung - sowie bei den Arbeits- und weiteren Lebensbedingungen.

Zimmermann schlussfolgert: „Wer wenig verdient, muss häufiger schwere und gesundheitlich belastende Arbeit leisten, muss unter Lärm und Luftverschmutzung leiden, kann sich nicht so gut ernähren und stirbt früher als Besserverdiener.“ Arme litten häufiger an chronischen, aber auch an psychischen Krankheiten wie Depressionen.

Das Gesundheitsministerium weist darauf hin, dass Krankenkassen mit dem 2015 in Kraft getretenen Präventionsgesetz verpflichtet sind, gezielt Leistungen zur Gesundheitsförderung und Prävention zu erbringen.

Zimmermann: Armut muss bekämpft werden

Hingegen argumentierte Zimmermann, Armut und damit schlechte Gesundheit würden von Generation zu Generation weitergegeben. „Um das zu ändern, braucht es mehr als Programme zur Gesundheitsprävention“, sagte sie der dpa. Nötig sei eine umfassende Bekämpfung von Armut und gesundheitsschädlichen Lebensverhältnissen - also etwa höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen gerade für Geringverdiener.

Bericht „Gesundheit in Deutschland 2015“

Von dpa

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