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Brandenburg Es war einmal ein Bombengeschäft
Brandenburg Es war einmal ein Bombengeschäft
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00:19 23.06.2017
Seit 2010 sind Streubomben international geächtet. Die Bundeswehr ließ 50 000 Tonnen davon in der Uckermark vernichten. Quelle: dpa
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Pinnow

Die uckermärkische Munitionsentsorgungsfirma Nammo Buck entlässt (wie berichtet) 20 ihrer 51 Mitarbeiter. Hintergrund sind nach Unternehmensangaben massive Umsatzeinbußen im vergangenen Jahr. Da befürchtet wird, dass sich dieser Trend in diesem Jahr fortsetzt, sei die Firma gezwungen, Personal abzubauen, teilte Geschäftsführer Christoph Rüssel am Montag mit. Der Personalabbau werde „so sozialverträglich wie möglich gestaltet“, teilte das Unternehmen mit.

Raketen, Granaten und kleine Kaliber

Nammo vernichtet im Auftrag von Staaten neben Raketen insbesondere geächtete Streumunition, aber auch Raketen, Granaten und Kleinkalibermunition. 2015 hatte die Firma noch zweistellige Millionenumsätze vermeldet, 2016 aber bereits Einbußen von 20 Prozent verzeichnet.

Die Firma sitzt im uckermärkischen Pinnow. Quelle: dpa

Grund für die Entlassung sei die angespannte Sicherheitslage in vielen Teilen der Welt, sagt Geschäftsführer Rüssel. „Die Kunden sind vorsichtig geworden und halten Waffensysteme und Munition zurück, die eigentlich auf der Entsorgungsliste gelandet wären – oder sie verkaufen sie weiter“, so Rüssel. „Unsere Umsatzzahlen sind nicht nur ein Konjunkturbarometer des Munitionsentsorgers Nammo, sondern auch ein Krisenseismograph der weltweiten Konfliktherde.“

Schrumpfkurs großer Armeen – trotz Krisen weltweit

Wirtschaftlich zu schaffen mache dem Munitionsvernichtungsbetrieb gleichzeitig – und auf seltsame Weise dem Trend zur Bewaffnung entgegengesetzt – der bisher der von vielen Staaten in Verteidigungsfragen vertretene Sparkurs. „Die Lager wurden der Truppenstärke angepasst“, sagt Rüssel. Tatsächlich hat etwa die Bundeswehr, die zu den Großkunden von Nammo Buck gehört, ihre Truppenstärke seit 2010 von 220 000 Soldaten auf 178 000 im Jahr 2017 verringert. Einen starken Rückgang der Entsorgungsmengen hatte die Firma eigentlich für das Jahr 2020 erwartet. Das internationale Klima der Unsicherheit habe den Rückgang bei der Verschrottungsmunition aber beschleunigt.

Am Standort Pinnow wird seit der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg mit Munition hantiert. Zu Sowjetzeiten wartete man dort Flugabwehrraketen, die Fabrik wurde nach 1990 in eine Entsorgungseinrichtung umgewandelt. Die Pinnower Explosiv-Experten vernichtete in den 1990er-Jahren Teile der Munitionsbestände der Nationalen Volksarmee.

Sprengstoff verbrennt bei 200 bis 1000 Grad

Kernstück der Anlage ist ein gepanzerter Ofen, in dem der Sprengstoff nach Angaben des Betriebs bei 200 bis 400 Grad erhitzt wird und verbrennt. Die Abgase wiederum werden dann bei 1000 Grad verbrannt, damit Schadstoffe vernichtet werden. Das Unternehmen wirbt damit, Kriegswaffen umweltfreundlich zu beseitigen. Das allerdings, so Geschäftsführer Rüssel, handhabten bei weitem nicht alle Staaten so. Viele jagten ihre Altbestände auf freiem Feld in die Luft. Auch das schade dem Entsorgungsgeschäft. Einen Lehrberuf zum Munitionsentsorger gebe es nicht, sagt Rüssel. In dem Betrieb arbeiteten Handwerker aus verschiedenen Gewerken. Sie lernen, wie man die geladenen Raketen demontiert und Granaten aufsägt. Die Arbeit ist gefährlich, 2004 starb ein Mitarbeiter, 2015 erlitt ein weiterer schwere Verletzungen bei einer Explosion.

Stammkunde beim Waffen-Vernichter ist die Nato

Kunden hat Nammo Buck in aller Welt. Häufiger Verhandlungspartner ist laut Geschäftsführung die Nato. Sie übernimmt die Entsorgung im Namen ihrer Mitgliedstaaten mit Hilfe ihrer Beschaffungsabteilung. Einen Schwung von Aufträgen bringen in der Regel Abrüstungsvereinbarungen oder internationale Konventionen. So hat laut Geschäftsführer Rüssel die Oslo-Konvention zur Ächtung von Streubomben dem Unternehmen Aufträge beschert. Die Bundeswehr ließ 50 000 Tonnen der vor allem zur Verminung von Landstrichen eingesetzten Cluster-Bomben in der Uckermark vernichten. Auch die Schweiz unterschrieb die Streubomben-Konvention und schickte ihre Bestände nach Brandenburg.

Der Mutterkonzern boomt – er stellt Waffen her

Eine Million Streubomben und 20 000 Raketen hat Nammo Buck bislang in Pinnow vernichtet. Der norwegische Mutterkonzern Nammo hingegen ist in erster Linie Waffenproduzent. Er liefert Infanteriemunition, schultergestützte Raketen und Triebwerke für Exocet-Raketen, mit deren Vorgängerversion im Falklandkrieg englische Kriegsschiffe versenkt wurden. Den Raketenantrieb für die zivile Ariane-5-Rakete konstruierte der Rüstungskonzern ebenfalls. Der Konzern in seiner Gesamtheit ist auf Wachstumskurs: 2016 steigerte er seinen Jahresgewinn um 35 Prozent.

Von Ulrich Wangemann

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